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Politik

Glos' Rücktritt ist beschlossene Sache

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) steht kurz vor seiner Ablösung. Erste Kandidaten für seine Nachfolge werden bereits öffentlich gehandelt.

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Bundeswirtschaftsminister Michael Glos will Jüngeren Platz machen

Am Abend des Sonntags (08.02.2009) ist es zu einem klärenden Gespräch zwischen dem amtsmüden Minister und seinem Parteivorsitzenden Horst Seehofer gekommen. Angeblich seien sich der CSU-Chef und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einig, dass Glos nicht länger im Amt bleiben solle. Das wird unter Berufung auf Unionskreise berichtet. Als Nachfolger von Michael Glos werden zur Zeit mehrere Kandidaten gehandelt. Darunter soll nach Informationen der Münchener "Abendzeitung" aus der CSU-Spitze Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg sein. Ebenso wird der bisherige bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon genannt. Für keinen der genannten Kandidaten gibt es eine offizielle Bestätigung. Die Nachfolgefrage soll am Montagvormittag endgültig geklärt werden.

Völlig überraschend hatte Glos am Samstag (07.02.2009) dem CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in einem Brief seinen Rückzug aus der Bundesregierung angeboten. "Ich bitte Dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden", zitierte die Zeitung "Bild am Sonntag" aus dem Schreiben des Ministers, welches dem Blatt in Kopie vorliegt. Doch der CSU-Chef lehnte das Rücktrittsangebot noch am Samstag (07.02.2009) während eines Telefonats mit Glos ab. "Michael Glos hat mein Vertrauen", erklärte Seehofer anschließend in einer kurzen Stellungnahme. Die in dem Brief dargestellten Beweggründe werde er in einem persönlichen Gespräch mit Glos erörtern.

Glos soll auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefonisch über seine Absichten informiert haben. Auch Merkel habe sich – ebenso wie Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) – nach Informationen der "Bild am Sonntag" noch am Samstag gegen einen Rücktritt von Glos ausgesprochen.

Deutschland Bayern CSU Horst Seehofer und Angela Merkel

Sind sich angeblich eing über die Zukunft von Michael Glos. Kanzlerin Merkel (CDU) und CSU-Parteichef Seehofer

"Ohne Groll"

Der 64-jährige Michael Glos soll seine Entscheidung mit dem schwachen Abschneiden der CSU bei der bayerischen Landtagswahl begründet haben. "Erneuerung, Gestaltungskraft und Glaubwürdigkeit sei mehr denn je gefragt", zitiert ihn die "Bild am Sonntag". Seine Lebensplanung sehe so aus, dass er sich nach dem 65. Lebensjahr zurückziehen wolle, wurde der Schritt aus dem Umfeld von Michael Glos begründet.

Auf jeden Fall wolle er nach der Bundestagswahl am 27. September nicht mehr der Regierung angehören. In dem Brief mache der Minister auch deutlich, dass er ohne Groll gehe, berichtete die "Bild am Sonntag" weiter: "Die Arbeit als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie ist der Höhepunkt meines politischen Lebens, und ich bin dankbar, dass ich die Weichen stellen konnte. Vor allen Dingen war es mir wichtig, in der Finanz- und Wirtschaftskrise wirkungsvolle Maßnahmen, die auch meine Handschrift tragen, rasch durch- und umzusetzen."

Nur die zweite Wahl

In einem Gespräch mit Journalisten erklärte Glos einmal, er sei zu dem Amt des Wirtschaftsministers "wie die Jungfrau zum Kinde gekommen". Der ursprünglich für das Amt vorgesehene damalige CSU-Chef Edmund Stoiber hatte nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 einen Wechsel als Wirtschaftsminister nach Berlin abgelehnt. Weil das Amt aber von der CSU besetzt werden sollte, erhielt Glos als Vertreter einer konservativ ausgerichteten Wirtschaftspolitik das Angebot.

Kritiker in seiner eigenen Partei wie in der Opposition warfen Glos immer wieder vor, in der großen Koalition nur wenige Akzente zu setzen. Tatsächlich trat Bundeskanzlerin Angela Merkel meist nur mit Finanzminister Peer Steinbrück in der Öffentlichkeit auf, als die Rettungspakete zur Überwindung der Finanzkrise erarbeitet und vorgestellt wurden.(fg/sas/wd)