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Asien

Gloria Macapagal Arroyo: Ein Porträt

Tausende Philippinos fordern den Rücktritt von Präsidentin Macapagal Arroyo. Die einstige Sauberfrau steht nun selbst am Pranger. Ihr wird Wahlbetrug und Korruption vorgeworfen.

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Gloria Macapagal Arroyo - wie weiter?

Gloria Macapagal wurde 1947 in Manila geboren. Sie stammt aus einer angesehenen Familie. Ihr Vater, Diasdos Macapagal, war ebenfalls Präsident der Philippinen. Er galt als Mann von hoher Integrität und war für seinen bescheidenen Lebensstil bekannt. Auf Wunsch ihrer Eltern besuchte Gloria Macapagal Arroyo eine katholische Klosterschule - sie gilt als gläubige Katholikin mit einem hohen moralischen Anspruch.

Umstrittener Ehemann

Während ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften an der Georgetown University in Washington D.C. lernte sie ihren späteren Mann José Miguel Arroyo, Spross einer angesehen und reichen Familie, kennen. Er gilt unter politischen Beobachtern als dubioser Geschäftsmann und Frauenheld. "José Miguel Arroyo verkörpert genau das Gegenteil der Werte die seine Frau vertritt", urteilt Joel Racamora vom Institut für Volksdemokratie in Manila. Nach ihrer Heirat kehrte sie auf die Philippinen zurück.

Stationen ihrer politischen Karriere

Präsident Gloria Macapagal Arroyo Wahlen Philippinen

Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo nach den Wahlen

Ihre politische Karriere begann spät. Die damalige Präsidentin Corazon Aquino berief sie 1986, nach dem Aufstand gegen den Präsidenten Ferdinand Marcos, als Untersekretärin für Handel und Industrie in die Regierung. Als Senatorin, in der Zeit von 1992 bis 1998, trat sie vehement für wirtschaftliche und soziale Reformen ein. Aufgrund ihrer großen Beliebtheit wurde sie 1995 mit einem Rekordergebnis von 13 Millionen Stimmen bestätigt. Noch nie hatte ein Kandidat in der Geschichte der Philippinen es geschafft, eine derart hohe Anzahl an Stimmen zu erreichen.

Nachdem sie 1998 nicht genügend Unterstützung für eine direkte Präsidentschaftskandidatur bekam, wurde sie mit einem überwältigenden Ergebnis zur Vizepräsidentin gewählt. Ihre Sympathie beim Volk schien unendlich. Da sie in diesem Amt jedoch machtlos war, nahm sie die Berufung als Sozialministerin unter der Regierung Estradas an. Sie machte allerdings nie einen Hehl daraus, dass sie von Estradas politischen Fähigkeiten wenig hielt. Nachdem Estrada wegen des Vorwurfs der Korruption zurücktreten musste, wurde sie 2001 als verfassungsmäßige Nachfolgerin Estradas zur 14. Präsidentin der Philippinen vereidigt.

Außenpolitische Maßnahmen

Präsident George W. Bush und die philippinsche Präsidentin Arroyo in Manila

George W. Bush und Gloria Macapagal Arroyo in Manila

Mit ihr kehrte die traditionelle Elite des Landes wieder an die Macht zurück. Außenpolitisch trat Arroyo in Erscheinung als sie sich, aufgrund der philippinischen Erfahrungen mit der Terrorgruppe Abu Sayaf, 2001 als enge Verbündete Amerikas der "Koalition der Willigen" anschloss. Die zahlreichen, von Anhänger der Abu Sayaf begangenen Entführungen von Touristen hatten 2000 und 2001 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Aufgrund dessen stimmte Arroyo sogar der verfassungsrechtlich bedenklichen Stationierung amerikanischer Truppen auf den Philippinen zu. An den militärischen Interventionen der Amerikaner im Irak beteiligten sich die Philippinen unter ihrer Führung ebenfalls. 2004 beugte sich die bis dahin "mustergültige US-Verbündete" allerdings dem Druck irakischer Rebellen, und zog ihre Truppen für die Freilassung eines im Irak entführten Philippiners zurück.

Eine Moralistin im Sumpf der Korruption?

Gloria Macapagal Arroyo Amtseinführung Familie

Vereidigung im Kreise der Familie

Dieser Schritt brachte ihr auf den Philippinen noch einmal großen Respekt ein. Seit 2003 aber häufen sich gegen Arroyo die Vorwürfe des Wahlbetruges und der Korruption. In einem Sumpf aus Korruption sollen, nach Angaben der Opposition nicht nur Arroyos Ehemann, sondern auch ihr Sohn und Schwager stecken. Alle drei sitzen im Repräsentantenhaus. Und alle drei stehen unter Verdacht, illegale Zahlungen von einem Spielersyndikat angenommen zu haben.

Die Mitteilung Arroyos im Juni 2004, ihr Mann werde aufgrund der Anschuldigungen nach Amerika ins Exil gehen, bildet den privaten Höhepunkt dieser Krise. In einer tränenreichen Fernsehansprache begründete sie den Schritt ihres Mannes damit, dass beide eine Situation vermeiden wollten, die ihre Regierung kompromittieren könnte. Ob dies ihr allerdings von Nutzen ist, oder ob dies nur eine Flucht ihres Mannes vor den Justizbehörden darstellt, ist unter politischen Experten strittig.

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