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Afrika

Globalisierung statt Apartheid

Das Ende der Apartheid war für Südafrika auch die Rückkehr auf den Weltmarkt. Die Landwirtschaft erlebte einen Boom. Die Ironie: Es sind vor allem die weißen Grundbesitzer, die vom Ende der Apartheid profitiert haben.

Baumwollfelder in Kwatzulu-Natal, Südafrika (Foto: DW)

Baumwolle gehört zu den Exportgütern Südafrikas

Als die westlichen Wirtschaftssanktionen fielen, stiegen Südafrikas Exporte vor allem in der Landwirtschaft stark an. In jedem europäischen Supermarkt findet man heute Waren aus Südafrika. Insbesondere die Weinexporte hätten sich seit dem Ende der Apartheid verzehnfacht, sagt Fatima Shabodien von der Organisation "Women on Farms", die sich für Landarbeiterinnen in der Weinprovinz Western Cape einsetzt. Diese hätten vom Exportboom nicht profitiert, erklärt sie. "Im Gegenteil, für die Landarbeiterinnen sind die Bedingungen schlechter geworden."

Ökonomische Apartheid

Für Fatima Shabodien sind sie von

Zuckerrohrfarm (Foto: DW)

Auf einer Zuckerrohrfarm

Opfern der Apartheid zu Opfern der Globalisierung geworden – der Druck der Märkte habe verhindert, dass sich die Lage der meist schwarzen Landarbeiterinnen verbessert. "Viele Menschen haben ihr Leben gelassen, um uns in eine Gesellschaft ohne Apartheid zu bringen", sagt sie. Doch nach wie vor seien die Besitzer der Farmen weiß und die Arbeiter schwarz. Ihr Fazit: "Die Apartheid-Gesetze sind weg, doch die ökonomische Apartheid lebt weiter."

Seit mehreren Jahren hat die Regierung ein Programm zur Rückgabe weißen Landes an Schwarze eingeführt, aber erst vier Prozent des Landes sind wirklich übergeben worden. Eines der Versprechen Jacob Zumas im Wahlkampf war die Beschleunigung der Landreform. Ein Drittel des Landes will der neue Präsident innerhalb der nächsten fünf Jahre umverteilen. Doch die bisherigen Ergebnisse stimmen viele Experten nachdenklich. Oft stehen die neuen Eigentümer nämlich ziemlich ratlos vor ihrem neuen Besitz. Die Annahme, dass Landarbeiter die Farmen übernehmen können, sei naiv gewesen, räumt Shabodien ein. "Nach der Anleitung von jemandem zu arbeiten ist einfach etwas anderes, als Entscheidungen darüber zu treffen, was wann angebaut werden soll und womit."

"Nach vorne kommen"

Kleines afrikanisches Dorf (Foto: dpa)

Viele Landarbeiter sind in ihre Dörfer zurückgekehrt

Die Regierung müsse deshalb vor allem die Schulung der neuen Eigentümer verstärken. Außerdem müssten diese ermutigt werden, statt der wasser- und chemieintensiven Exportgüter Wein und Obst, umweltverträglichere Produkte anzubauen. Getreide etwa, das auch die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln verbessern könnte. Ähnlich sieht das Charlene Hewat aus dem Nachbarland Simbabwe. Sie sieht in der Misere ihres Landes auch die Chance, Dinge anders zu machen: "Wir müssen das Positive sehen und uns fragen, wie wir nach vorne kommen."

Die Dinge positiv zu sehen, das ist gerade in Simbabwe nicht einfach. Ähnlich wie in Südafrika waren hier bis vor einigen Jahren die großen profitablen Farmen in der Hand weniger weißer Familien. In einer chaotischen Landreform ließ der Präsident Robert Mugabe sie dann von Milizen enteignen und die weißen Besitzer vertreiben. Die Folge war ein Zusammenbruch der Produktion. Simbabwe, einst die Kornkammer des südlichen Afrika, produziert längst nicht mehr genug für den Eigenbedarf. Die neuen Besitzer ließen das Land meist brachliegen – mit katastrophalen Folgen nicht nur für die früheren weißen Besitzer. "Viele Landarbeiter haben ihren Job verloren", hat Hewat beobachtet. "Sie haben plötzlich keine Perspektiven mehr und sind in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt."

Traditionelle Anbaumethoden

Morgan Tsvangirai (Foto: AP)

Holt er die weißen Farmer zurück? Morgan Tsvangirai

Hewats Organisation Environment Africa unterstützt die Bewohner dieser Dörfer beim Aufbau einer eigenen Landwirtschaft. Während die Familien dort früher vom Einkommen der Landarbeiter gelebt haben, sind sie nun wieder darauf angewiesen, sich selbst zu versorgen. Auch die Organisation Environment Africa setzt dort vor allem auf traditionelle Anbaumethoden und Getreidesorten. Für die Gemeinden sei das eine Chance, unabhängiger von Grundbesitzern zu werden.

Dass sie aber eines Tages die zerstörten weißen Farmen ersetzen könnten, glaubt aber auch Hewat nicht. Die wichtigsten Voraussetzungen müsse die neue Einheitsregierung unter Premierminister Morgan Tsvangirai schaffen, die sich bemühe, vertrieben weiße Farmer zurückzuholen. "Sie werden ihnen Geld geben müssen, denn die Farmen sind oft verwüstet worden. Die Landbesetzer haben die Bewässerungssysteme zerstört und die Pumpen ausgebaut. Sie haben viele der ursprünglichen Investitionen vernichtet." Die Verhältnisse wiederherzustellen, die Mugabe vor Jahren mit Gewalt abschaffen ließ, weil er in ihnen eine Form des Kolonialismus sah, wird Simbabwe nun viel Geld kosten.

Autor: Mathias Bölinger

Redaktion: Christine Harjes

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