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Wirtschaft

Globalisierte Automarke - Volvos Schicksal

Die chinesische Autobauer Geely hat die schwedische Traditionsmarke Volvo gekauft. Während die Manager auf Synergieeffekte hoffen, fürchten die Fans der Marke um die Volvo-Seele.

Logos von Geely und Volvo (Grafik: DW)

Soll die Heirat gelingen, müssen Moderne und Tradition zusammenfinden

Bertil Petterson hat seinen Volvo PV444 aus den 50er-Jahren angelassen. PV steht für Personenwagen, 444 für vier Zylinder, vierzig PS und vier Sitze - ein Modell, das sich vor einem halben Jahrhundert jeder Schwede sollte leisten können. Der weinrot lackierte Oldtimer blitzt und blinkt in der Sonne, bei der Rundfahrt ums Karree zieht er die Blicke aller Passanten auf sich. Sein 78-jähriger Besitzer erklärt, warum er immer wieder Volvo kaufen würde: "Das ist ein schwedisches Auto und ich bin Schwede." Außerdem überzeugt ihn die gute Qualität bei Volvo, dass er leicht zu bedienen ist und sicher auf der Straße liegt. "Dass Volvo jetzt nach China verkauft wurde, finde ich gar nicht gut."

Kritische Töne aus dem Volvo-Fanclub

PV444 (Foto: DW/Bührig)

Pettersons alter PV444: schwedisches Auto mit schwedischer Seele

Petterson ist Mitglied im schwedischen PV-Klub. Jeden Mittwochabend ist er zur Stelle, um den gut fünftausend Vereinsmitgliedern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Räume im Souterrain eines Stockholmer Mietshauses sind mit Ersatzteilen für die PV-Modelle aus den 40er- bis 60er-Jahren vollgestopft, einen Kaffee gibt es im Vorraum. Nicht selten wurde dort in den letzten Monaten über schwedische Autobauer diskutiert. Saab war nach hartnäckigen Verhandlungen Anfang des Jahres nach Holland verkauft worden, Volvo erhielt einen chinesischen Eigentümer. Letzteres sehen die meisten Klubmitglieder kritisch.

Stig Hansson hat gemischte Gefühle, natürlich könne eine Marke nur überleben, wenn man heute Allianzen schließe und Synergieeffekte nutze. "Auf der anderen Seite glaube ich, dass die Marke Volvo in China ihre Seele verlieren wird", sagt er. "In zehn Jahren sind das keine schwedischen Autos mehr - auch äußerlich nicht."

Aus der Geschichte lernen?

Saab-Logo vor einem Showroom (Foto: AP)

Hat die Übernahme durch GM nicht gut getan: Saab

Jetzt wiederhole sich die Geschichte von vor elf Jahren, glaubt Hansson. Damals ging Volvo an Ford, doch die Amerikaner schrieben in den vergangenen Jahren vor allem rote Zahlen. Auch der schwedische Konkurrent Saab wurde mit seinem amerikanischen Mutterhaus General Motors nicht glücklich.

Ein großes Unternehmen ist eben kein Garant dafür, dass eine Geschäftsbeziehung glücklich ende, sagt Eva Ossiansson, die an der Handelshochschule Göteborg zur Markenbildung forscht: Die Größe von General Motors ermöglichte es zwar, eine gemeinsame Plattform für mehrere Modelle zu schaffen. "Manch ein Kunde dürfte sich aber am Ende gefragt haben, ob er jetzt einen Saab gekauft hat oder nicht doch einen Opel oder einen anderen Teil des Konzernangebotes."

Saab ist nach Holland verkauft worden, bei Volvo sollen jetzt die Chinesen das Blatt wenden. Doch die neuen Partner unterscheiden sich sehr voneinander. Geely hat im schnell wachsenden chinesischen Markt in den letzten Jahren punkten können, Volvo machte im stagnierenden Europa zuletzt vor allem Verluste.

Geely baut seit 13 Jahren Autos, Volvo wurde 1927 gegründet. Passt das zusammen? Ja, sagt Eva Ossiansson, man müsse dafür allerdings seine Geschichte respektieren und mit der Moderne verbinden. Und dann fügt sie noch hinzu: "Man muss etwas machen, das mit der eigenen Kompetenz aus guten alten Zeiten zu tun hat und das den Kunden trotzdem überrascht."


Autor: Agnes Bühring
Redaktion: Jutta Wasserrab

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