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Globale Zusammenarbeit

Globaler Waldschutz nach brasilianischem Muster

Revolutionäre Idee aus dem Regenwald: Brasilien liefert die Anregung für die neue Internetseite "Global Forest Watch". Die Plattform verbindet moderne Satellitentechnik mit der weltweiten Überwachung von Waldnutzung.

Global denken, lokal handeln: Die bekannte globalisierungskritische Devise ist der Grundstein für eine Erfolgsgeschichte aus dem brasilianischen Regenwald. Denn die 2004 begonnene Überwachung der Abholzung im Amazonas per Satellit wird nun weltweit praktiziert.

Seit Ende Februar dokumentiert die Internetseite www.globalforestwatch.org (GFW) die weltweite Zerstörung von Wäldern. Wie bei Google-Maps kann sich der User den aktuellen Baumbestand anzeigen lassen. Per Mausklick werden die Veränderungen zwischen den Jahren 2000 und 2012 angezeigt und erklärt, welche Faktoren für den Verlust der Vegetation verantwortlich sind.

Ergänzt werden die Auswertungen von Satellitenaufnahmen durch Länderberichte mit Informationen über die jeweilige Situation der Wälder, ihre wirtschaftliche Bedeutung und die jeweilige nationale Gesetzeslage. Nach GFW-Angaben wurden zwischen 2000 und 2012 rund 2,3 Millionen Quadratkilometer Waldfläche auf der Erde vernichtet. Die Länder mit den größten Verlusten waren Russland, Kanada, Indonesien, USA und

Brasilien

.

Pionierarbeit am Amazonas

Die Idee, den Waldbestand anhand von Satellitenaufnahmen zu überwachen, stammt aus Brasilien. Das Nationale Institut für Raumforschung

INPE erfasst dort seit 2004 die Abholzung in der Amazonas-Region via Satellit

. Das regierungsunabhängige Forschungsginstitut "Imazon" aus der brasilianischen Urwald-Metropole Belém entwickelte diese Idee in Zusammenarbeit mit Google weiter und lancierte 2012 ein eigenes Alarmsystem gegen Rodungen.

"Brasilien hat es geschafft, die Abholzung am Amazonas stark zu verringern, teilweise durch die Überwachungssysteme von INPE und Imazon", sagt Nigel Sizer, Leiter der internationalen Initiative bei der Washingtoner Denkfabrik World Resource Institute (WRI). Bis zur Gründung von Global Forest Watch habe kein anderes Land über ein solches Kontrollsystem verfügt. Sizer: "Brasilien gilt als Vorreiter auf diesem Gebiet."

Mehr als 40 Partner arbeiten gemeinsam an der neuen Plattform für den globalen Waldschutz per Satellit. Zu den federführenden Akteuren gehören neben WRI, Imazon und Google auch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP sowie weitere Denkfabriken und Universitäten, Unternehmen und Non-Profit-Gesellschaften.

Druck auf Lieferanten

"Global Forest Watch wird die Waldnutzung radikal verändern", prophezeit der WRI-Vorsitzende Andrew Steer. Finanzinstitute könnten die Firmen, in die sie investierten, besser bewerten. Und Rohstoffhändler könnten die Lieferanten von Palmöl, Soja, Holz und Fleisch überprüfen. Steer: "Wer den Wald zerstört, kann die Spuren nicht mehr verschleiern, und wer nachhaltig wirtschaftet, wird belohnt."

Grafik Global Forest Watch (Foto: World Resources Institute)

Über die Website "World Forest Watch" kann man sich zahlreiche Informationen über den weltweiten Baumbestand anzeigen lassen. Hier eingezeichnet: der Verlust an Waldfläche zwischen 2000 und 2012

Aktualisiert wird die neue Plattform mit Daten von ihren Projektpartnern: So zeigt der FORMA-Alarm (Forest Monitoring for Action) im Monatsrhythmus frisch gerodete Flächen in Tropenwäldern an. Die Satellitenaufnahmen der US-Weltraumorganisation NASA weisen zudem täglich Großbrände aus. Die Universität Maryland berichtet einmal im Jahr über die Zu- und Abnahme von Waldflächen auf der ganzen Welt mit einer Genauigkeit von 30 mal 30 Metern.

Auch Internetuser haben die Möglichkeit, die Inhalte der Plattform zu aktualisieren: Sie können Abholzungen in ihrer Nähe melden und Berichte darüber veröffentlichen. Staatlichen Behörden soll die Plattform helfen, Abholzungen und Rodungen zu sanktionieren oder im besten Fall zu verhindern.

Bereits im vergangenen Jahr zeigte sich in Indonesien die Wirksamkeit der Satellitenkontrolle. So konnten durch das Feuermeldesystem der NASA

Palmöl-Produzenten

ausfindig gemacht werden, die Waldbrände verursacht hatten."Es gelang der Regierung, die Firmen zu bestrafen", berichtet Projektleiter Sizer vom WRI. Er hofft, dass sich durch die neue globale Plattform nun auch der Waldschutz weltweit verbessert.

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