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Kultur

Globaler Klimaschutz ist kein Luxusthema

Die Ursache zumindest der Stärke des Wirbelsturms Katrina gilt als gesichert: die Klimaerwärmung. Der Hurrikan Katrina hat deutlich gemacht, dass es zum globalen Klimaschutz keine Alternative gibt, meint Jens Thurau.

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Etwa 30 Milliarden Dollar Schäden. Eine Großstadt fast komplett evakuiert, das Stadtgebiet von New Orleans zu 70 Prozent unter Wasser. Der Hurrikan "Katrina" hat bewiesen, dass Wasser und Sturm heftige Naturkatastrophen verursachen können. Im Süden der USA weiß man das - seit langem. Tropische Stürme speisen sich aus dem warmen Meer - je wärmer, umso heftiger. Zu einem nicht unerheblichen Teil trägt der Mensch dazu bei - durch den globalen Klimawandel. Konkret: Durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl und Kohle und den daraus folgenden Ausstoß von Kohlenstoffdioxid.

Die Klimawissenschaftler sagen es seit Jahren: Nicht die Anzahl der Wirbelstürme nimmt zu, sondern ihre Intensität. Doch die Experten wurden von der Politik erst ignoriert und dann milde belächelt. Zurzeit werden ihre Szenarien eher ärgerlich zurückgewiesen. Der Grund: Obwohl ihre Beschreibungen Realität werden, sind ihre Aussagen unbequem. Denn die Fachleute erklären auch, was die
Menschheit tun könnte und tun muss, um den Treibhauseffekt zu stoppen.

Mehr sanfte Energie

Um den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zu reduzieren, braucht man mehr sanfte Energien wie Wind und Sonne, mehr Gas statt Kohle. Man braucht sparsamere Autos und allgemein mehr Energieeinsparung. All das war Anfang der 1990er Jahre populär, als sich die Staaten der Welt in Rio de Janeiro trafen und sich auf eine globale Umweltpolitik verständigten. Die Euphorie war groß so kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Vieles, wenn nicht alles schien möglich, auch die Lösung des Klimaproblems.

Aber seitdem ist viel passiert: Die New Economy brach zusammen, das Schreckensbild des internationalen Terrorismus entstand, die Wirtschaft der führenden Industriestaaten schlitterte von Krise zu Krise. Die Bewahrung der Umwelt verschwand aus dem Fokus. Die USA, die zunächst die neue, globale Umweltpolitik mit formulierten, zogen sich zurück, sobald konkrete Schritte anstanden. Die mit vielen Hoffnungen begonnenen Gespräche über das Kyoto-Protokoll erwiesen sich als mühsam und zäh. Und das Ergebnis ist erbärmlich - an den Erfordernissen gemessen.

Schlechte Aussichten

Der im Februar 2005 geschlossene Vertrag lässt die weltweiten Emissionen stagnieren - bestenfalls. Von einer Senkung ist keine Rede mehr. Und die USA machen schlicht nicht mit. Sie lieben in Amerika ihren spritschluckende Pick-Up-Trucks, sie lieben ihre Riesen-Kühlschränke. Der US-Bürger verbraucht doppelt so viel Energie wie der Durchschnitts-Europäer. Und der wiederum verbraucht
ein Vielfaches eines Afrikaners. Bald werden die aufstrebenden Staaten Asiens, Indien und China, dafür sorgen, dass der Energieverbrauch drastisch steigen wird. Schlechte Aussichten für das Weltklima.

Und dennoch: Es gibt keine Alternative zum internationalen Ansatz der Klimapolitik. Der Treibhauseffekt kümmert sich auch nicht um Grenzen. Der reiche Westen muss Technologien fördern, entwickeln und im eigenen Land anwenden, die dann weltweit helfen, die Erderwärmung zu stoppen. Die Industriestaaten müssen Instrumente entwickeln, mit denen ihre Emissionen gedeckelt und dann gesenkt werden. Der Emissionshandel ist eines davon. Kurzum: Die Politiker, allen voran US-Präsident George W. Bush, müssen begreifen, dass Klimawissenschaftler keine versponnenen Prediger des Weltuntergangs sind. Ihre Warnungen müssen endlich ernst genommen werden.

Nicht mehr bezahlbare Schäden

Umwelt- und Klimaschutz wird zur Existenzfrage, nicht zu einem Luxusthema, dem man sich nur in wirtschaftlich entspannten Zeiten widmen kann, wie auch hierzulande viele Politiker finden. Wenn diese Einsicht nicht bald kommt, dann müssen wir uns an Milliardenschäden durch Stürme, Hochwasser, Hitze und Dürre gewöhnen. Schäden, die irgendwann einmal nicht mehr bezahlbar sein werden.

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