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Wissen & Umwelt

Globaler Boom beflügelt Solarindustrie

Inzwischen ist Solarkraft oft die günstigste Energie. Auf der Intersolar Europe in München, der globalen Leitmesse der Solarbranche, stehen neue Märkte im Fokus. Verärgerung gibt es über die deutsche Politik.

Das Tal der Tränen scheint durchschritten. Vom 4. bis 6. Juni trifft sich die Solarbranche auf der weltweit bedeutendsten Fachmesse der Solarwirtschaft in München, der Intersolar Europe. Die globale Solarindustrie blickt in eine gute Zukunft sagt Karsten Körnig, Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband der deutschen Solarwirtschaft. "Wir rechnen weltweit mit zweistelligen jährlichen Wachstumsraten. Wir glauben, dass sich die weltweit installierte Solarstromleistung bis Ende 2016 verdoppeln wird."

Die

Zahlen des globalen Zubaus

geben Anlass zu diesem Optimismus. 2013 wurden weltweit Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von 38 Gigawatt (GW) aufgestellt, 27 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im laufenden Jahr wird mit einem Zubau zwischen 45 und 50 GW gerechnet. Für den Boom sorgt inzwischen jedoch nicht mehr Europa, sondern vor allem Asien und die USA, und zunehmend auch Schwellenländer.

Weltweiter Durchbruch durch Preissturz

Frank Peter bei Intersolar München 2014

Strom aus Sonne ist wesentlich günstiger als aus Atom und Kohle. Frank Peter von Prognos zeigt Kostenvergleich

In nur wenigen Jahren wurde Solarstrom aus Photovoltaikanlagen wesentlich günstiger. Solarstrom vom deutschen Hausdach kostet inzwischen nur noch rund 13 Cent je Kilowattstunde (kWh) und damit weniger als die Hälfte im Vergleich zum Netzbezug. Solare Großkraftwerke verkaufen ihren Strom in Deutschland für nur noch neun Cent pro kWh und in sonnenreichen Regionen sind Erzeugungskosten von sogar sechs Cent pro kWh möglich. Solarstrom wird damit wettbewerbsfähig und ist günstiger als fossile und atomare Energien. Weltweit steigen folglich Selbstversorger und Energiekonzerne zunehmend auf die saubere, dezentrale Stromversorgung um.

Lösungen für die Energiewende

Im Blickfeld der Intersolar stehen alle Energiemärkte: Große Solaranlagen für Energieversorger und Gewerbe, mittlere für Supermarkt und Haus und ganz kleine Systeme für die rund zwei Milliarden Menschen, die noch ohne Stromversorgung leben.

An den 1100 Ständen präsentieren die Aussteller eine breite Produktpalette. Module, Gestelle für die Installation, Maschinen für neue Solarfabriken und intelligente Steuerungstechnik zur optimalen Nutzung des selbsterzeugten Stroms. Im Fokus der Intersolar stehen inzwischen aber auch Energiespeicher. Erstmalig findet die electrical energy storage (ees), die Fachmesse für Energiespeicherung, unter dem Dach der Intersolar statt. Batterien für die Solarstromnutzung in ländlichen Gebieten und für die Eigenstromversorgung von Häusern und Stadtteilen werden mit entsprechender Steuerungstechnik präsentiert.

Auch das Thema Wärmeversorgung wird auf der Intersolar 2014 umfassend behandelt. Neben solarthermischen Anlagen für warmes Wasser in Häusern und industriellen Prozesse sind Innovationen zur nachhaltigen Wärmeversorgung zu sehen: von der Pelletheizung bis zum kleinen Blockheizkraftwerk, das zugleich Strom und Wärme effizient produziert.

Kampf um das neue Öl der Zukunft

Der Markt für die Zukunftsenergie ist riesig, doch der Wettbewerb ist hart. Der Streit zwischen EU und China um Preisdumping von chinesischen Modulen ist vorerst beigelegt. Zum Schutz der eigenen Solarindustrie erwägt die US-Regierung nun jedoch einen Importzoll für chinesische Module von 35 Prozent. Dass trotz guter Perspektiven viele Solarfirmen ums Überleben kämpfen, zeigt der deutsche Markt. Viele deutsche Modulhersteller gingen in den letzten Jahren pleite oder wurden von der asiatischen Konkurrenz übernommen. Nach vorläufigen Schätzungen verlor von den ehemals 100.000 Beschäftigen der Solarbranche jeder Zweite seinen Job.

Heftige Kritik gibt es auf der Intersolar an der deutschen Bundesregierung. Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel plant den Verbrauch von selbst erzeugtem Sonnenstrom mit einer Abgabe zu verteuern. Die auch als "Sonnensteuer" bezeichnete Abgabe würde den Ausbau der Solarenergie in Deutschland weiter bremsen, Anlagen würden in ihrer Rentabilität geschwächt, heißt es.

Oliver Schäfer bei Intersolar München 2014

EPIA-Präsident Schäfer fordert von Politik mehr Weitsicht

22,5 GW Solarkapazität baute Deutschland in den Jahren 2010 bis 2012, im Durchschnitt 7,5 GW pro Jahr, und nahm damit weltweit eine unangefochtene Führungsposition ein. Im Jahr 2013 halbierte sich der Zubau aber auf 3,3 Gigawatt. Mit der geplanten "Sonnensteuer" würden neue Installationen auch in diesem Jahr weiter gebremst, warnt die Branche, gerechnet wird mit einem Zubau von nur noch etwa zwei Gigawatt.Energieexperten erklären das Ausbremsen der Erneuerbaren Energien mit dem Einfluss der fossilen Energiebranche. Diese leidet unter der unerwarteten Dynamik von Photovoltaik und Wind, die konventionellen Kraftwerke werden immer unrentabler.

Für die deutsche Solarindustrie würde das Abwürgen des Heimatmarktes jedoch gefährlich, die Vorreiterrolle der deutschen PV-Technik steht auf dem Spiel, fürchten einige Experten und Branchenvertreter. Karsten Körnig vermisst in der deutschen Regierung industriepolitische Weitsicht. "Die Solartechnik ist das Öl der Zukunft. Im Wettbewerb wird man natürlich nur mithalten können, wenn man die Puste nicht verliert. Und dazu braucht man Verlässlichkeit und attraktive Förderbedingungen."

Als "nur dumm" bezeichnet Oliver Schäfer, Präsident der European Photovoltaic Industrie Association (EPIA) gegenüber der Deutschen Welle diese Politik. "Es macht keinen Sinn, eine Branche mit viel Geld aufzubauen und dann komplett kaputtzumachen."