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Global Ideas

Die Macht der Totemtiere

Tiere haben eine lange Tradition in der Totem-Symbolik, auch als Zeichen von Familien und Clans. Manche sollen magische Eigenschaften haben. Kann ein Totem aber auch die biologische Vielfalt schützen?

ein Totempfahl, untersichtig (Photo: me and the sysop / CC BY-ND 2.0)

Totempfähle mit Tiersymbolen sieht man in Nordamerika häufiger.

Wilde Wölfe, schlaue Raben und edle Adler zieren riesige Holzpfähle, die an etlichen Orten im pazifischen Nordwesten Nordamerikas stehen. Viele Menschen kennen diese Pfähle als Totempfähle, sie sind ein wichtiger Teil der Tradition der amerikanischen Ureinwohner. Weniger bekannt ist jedoch, dass es ähnliche Monumente, die ebenfalls Totemarten abbilden, überall auf der Welt gibt. Auch sie sind haben oft einen spirituelle Hintergrund.

Die Anishinabe, ein großer Verbund von Volksstämmen in Nordamerika haben den Begriff Totem geprägt: Ihr Wort "ototeman" bezeichnet ein Objekt, meist mit einem Tier oder einer Pflanze, das ein #link:http://www.britannica.com/EBchecked/topic/600496/totemism:Emblem einer Familie oder eines Klans# ist, und an die Vorfahren erinnern soll. Dieses System gilt auch für das vielem andere Ureinwohnerverbünde in Nordamerika. Neben einer Führungsebene gab es auch ein System der Arbeitsteilung, wobei jede der handelnden Gruppen eigen Totemsymbole hatte, die ihre jeweiligen Pflichten und Aufgaben darstellten.

Ein Beispiel: Die Nooke, ein Klan innerhalb des Anishinabe Systems, waren für Verteidigung und Heilung zuständig. Ihr Totemtier, der Bär, gilt als Tier mit passenden Fähigkeiten, also Stärke und Heilkraft. Vögel, wie Kranich oder Reiher sind dagegen Totems der Gruppe der Baswenaazhi, denen bei Klan-Versammlungen die Rolle der Vermittler unter den einzelnen Stämmen zukam. Sie galten gemeinhin als gute Redner.

Zugvögel Kraniche (Foto: Jussi Mononen)

Vögel, Kraniche zum Beispiel, sind Totemtiere für verschiedene Stämme amerikanischer Ureinwohner

Neben Nordamerika sind Totemkulte auch aus Afrika, Indien, Ozeanien und Südamerika überliefert. Unter den Nor-Papua in Neu Guinea sind ebenfalls etliche Gruppen mit Tieren verbunden. Insbesondere sind das hier Fische, die auf verschiedene Art und Weise dargestellt werden, etwa als Geistwesen in heiligen Flöten oder als Figuren, die im Haus ausgestellt werden.

Die Gruppen innerhalb des Klans glauben daran, dass sie von ihren Totemtieren abstammen. Es ist tabu, diese Tiere zu verletzen, oder gar zu töten. Diese Regel wirft für Umweltschützer die Frage auf, ob der Totemkult in der Lage sein könnte, bestimmte Arten vor dem Aussterben zu bewahren?

Können Totems beim Arterhalt helfen?

Einige Schutzgruppen, wie das #link:http://www.uweczoo.org/:Uganda Wildlife Education Centre (UWEC)#, untersuchen deshalb, wie alte Überlieferungen heute bestehende Schutzbemühungen unterstützen können. Im Jahr 2010 kündigte die UWEC deshalb an, das Totemsystem des Buganda Clans in Uganda zu übernehmen, um das Bewußtsein für die Arten in der Region zu erhöhen.

Der ehemalige Direktor von UWEC, #link:http://allafrica.com/stories/201007010587.html:Andrew Seguya, sagte damals#, dass "die Menschen heute vergessen haben, dass die Beganda in den alten Zeiten wußten, dass es verboten ist, Totemtiere zu töten, oder sie zu essen. Wenn wir dieses Bewußtsein wieder schaffen, könnte es ein wichtiges Werkzeug für den Naturschutz sein."

Grizzlybären im Zoo Detroit (Foto:Carlos Osorio/AP/dapd)

Totemtöre zu verletzen oder gar zu töten ist ein Tabu. Können Arten zu erhalten werden?

Erst vor Kurzem besuchte die #link:https://www.facebook.com/media/set/?set=a.372378932888278.1073741871.304323403027165:Buganda Königin Sylvia Nagginda ein UWEC Schutzgebiet#, um den Grundstein für den Bau eines Hauses zu legen. Hier wird in einer Ausstellung "ihr" Totem gezeigt, die Rohrratte. Aber auch andere Totems aus der Tier- und Pflanzenwelt sollen in der Ausstellung Platz haben. Sie soll Teil der Bemühungen sein, das Wissen über Arten und ihren Schutz zu fördern.

Es gab in der Vergangenheit auch einige Studien, die sich mit der Verbindung zwischen religiösem und kulturellem Glauben beschäftigt haben. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass der Totemkult und damit einhergehende Verbote sehr wohl dem Umweltschutz helfen können.

Eine Studie mit dem Titel "Traditionelle Überzeugungen und der Erhalt der natürlichen Ressourcen: Beweise aus ausgewählten Gemeinden im Delta State, Nigeria" untersuchte den traditionellen Glauben bei der Erhaltung der natürlichen Ressourcen. Sie befand, dass Arten, deren Jagd und Verzehr in diesen Gebieten tabu ist, hohe Populationen hatten und nicht gefährdet waren. Allerdings ist nicht klar, ob auch andere Faktoren hier Einfluß hatten.

Schlüpfende Tigerpythons

Laut einer Studie erholen sich im Nigr Delta die Pythonbestände, die Tiere gelten als Totem

Für die Gemeinschaft der Urhobos im Niger-Delta hat Umweltschutz Tradition. Sie lassen bestimmte Haine unangetastet, aufgrund von religiösen Überzeugungen und Totemkult, so das Ergebnis einer Studie, die im Juli 2013 in der "Zeitschrift für Biodiversität und Naturschutz" veröffentlicht wurde. Ähnliche Praktiken sind #link:http://www.dw.de/are-church-forests-key-to-conservation-in-ethiopia/a-17375810:auch aus Äthiopien bekannt#. So wächst die Population von Pythons vor allem da an, wo das Tier verehrt wird, etwa bei den Useifrun und Ujevwu Gemeinden.

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