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Global Ideas

Konsumieren ja, aber bitte bewusst

Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir jederzeit alles kaufen können. Und hübsch soll es auch sein, was wir in den Einkaufswagen legen. Ökologisch ist das nicht, zeigen uns immer mehr Projekte. Wir stellen fünf davon vor.

Jedes Jahr landen Millionen Tonnen Nahrungsmittel in den Mülleimern und Müllkippen dieser Welt. Weggeworfen von uns Kunden, aber auch von den Läden, in denen wir einkaufen gehen. Dabei ist vieles davon noch genießbar. Die Nahrungsmittel landen im Abfall, weil sie nicht schnell genug verkauft werden konnten und der Nachschub schon vor der Tür steht. Oder, weil sie einer bestimmten Norm nicht entsprochen haben. Wir, Supermärkte und Kunden, haben uns an diese Art des Konsums gewöhnt. Bewusster Konsum sieht anders aus.

Aber es gibt sie, Projekte und Ideen, die Lebensmittelverschwendung und unsinnigem Konsumverhalten den Kampf ansagen. Wir nehmen den World Environment Day 2015 und sein Motto "Consume with Care" zum Anlass und zeigen Ansätze, die ökologisch vertretbar sind und bereits seit Jahren erfolgreich umgesetzt werden.


1.) Wegwerfverbot
Erst vor Kurzem hat Frankreich den Supermärkten verboten, nicht verkaufte Lebensmittel einfach wegzuwerfen. Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist oder Weintrauben fleckig sind, heißt das nicht unbedingt, dass die Lebensmittel nicht mehr genießbar sind. Jeder Franzose wirft 30 Kilogramm im Jahr weg, Lebensmittel immerhin im Wert von 20 Millarden Euro. Das ist noch wenig im Vergleich zu den Deutschen, die 82 Kilogramm in die Tonne werfen. Die Händler sollen den Überschuss nun spenden, an wohltätige Einrichtungen.

#DYK: Das Mindesthaltbarkeitsdatum kennzeichnet laut EU-Recht bis zu welchem Termin ein Lebensmittel auf jeden Fall ohne großen Geschmacks- und Qualitätsverlust genießbar ist. Außerdem besteht sicher kein gesundheitliches Risiko. Anders sieht es beim Verfallsdatum aus.

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Second Bäck, der Brotladen


2.) Zweitverwertung
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Vesta Heyn mit “Second Bäck”. Die Berlinerin verkauft "altes" Brot. “Second Bäck”, weil das Brot vom Vortag stammt und aber trotzdem noch nicht schlecht ist. Seit 15 Jahren macht sie das schon, lange bevor Nachhaltigkeit und Recycling zu den Top-Themen von heute geworden sind. Brot und Backwaren holt sie jeden Tag von einem Dutzend Bäckereifilialen in Berlin ab, wo es am Tag zuvor nicht verkauft worden ist.

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3.) Mülltonnen Cuisine
Und Nahrungsmittel, die eigentlich für die Tonne gedacht sind, können genauso gut zu Haute cuisine verarbeitet werden. Kein geschmacksverwöhnter Gourmet würde den Unterschied überhaupt merken. Das Real Junk Food Project in der englischen Stadt Leeds ist ein gutes Beispiel dafür. Die Köche hier sammeln ebenfalls Waren ein, die sonst verloren wären. Die verwandeln sie in gesunde und nahrhafte Mahlzeiten für jederman, sagen die Projektverantwortlichen. Das ganze nach dem Zahle-soviel-du-willst-oder-kannst-Prinzip.

#DYK: Laut der FAO geht ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel verloren, oder wird weggeworfen. Das entspricht etwa 1.3 Milliarden Tonnen. In den Industrienationen entstehen 10 Prozent der CO2-Emissionen der Länder allein auf den Anbau von Nahrungsmitteln zurück, die nicht gegessen werden.

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4.) "Häßliches" Gemüse
Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, sind uns Menschen nicht unähnlich: Die Attraktiveren kommen besser an. Anders kann es nicht zu erklären sein, warum Obst und Gemüse, das nicht der Norm entspricht, sondern Dellen, Ecken und seltsame Auswüchse hat, nicht in den Regalen der Supermärkte liegt. Mit gutem Beispiel gegen den Strom ging im vergangenen Jahr die französische Supermarktkette Intermarché. Sie kaufte aussortierte Früchte von Händlern auf und verkaufte sie 30 Prozent billiger als die hübsche Konkurrenz, entweder als Schrumpelobst oder weiter verarbeitet zu Suppe oder Saft.

Ähnliches versuchen die Culinary Misfits in Berlin. Sie holen die "Hässlichen, aber Interessanten" auf den Teller und machen sie so salonfähig.

5. Urban Gardening
Gartenbau in Großstädten gibt es, solange es Großstädte gibt. Und er kann viele Gesichter haben: Städter können sich gemeinsam eine Fläche pachten, um dort Nahrungsmittel anzubauen.

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Prinzessinnengarten in Berlin



Andere betreiben Guerilla Gardening und begrünen ungenutze Brachen. Selbst der alte Schrebergarten, in dem der stadtmüde Metropolenbewohner am Wochenende Gurken und Kohlrabi anbaut, ist Teil der urbanen Gartenkultur. Und auch auf dem Dach von hohen Großstadthäusern gibt es nutzbaren Platz, um die eine oder andere Tomate zu ernten.

Das Ziel der ganzen Bemühungen? Neben besserer Luft werden durch zentrale Bewirtschaftung die Wege zum Konsumenten kürzer und damit weniger Schadstoffe in die Luft geblasen. Außerdem wird vielleicht auch das Bewusstsein des Urbanisten dafür geschärft, welchen Aufwand es bereitet, die Lebensmittel in den Supermarkt zu bringen.

#DYK: Fakt: Das Potenzial für Urban Farming? Urban agriculture is practised by 800 million people worldwide. Übrigens verlieren Früchte und Gemüse an Nährstoffen, je länger sie nach der Ernte herumliegen. Bis zu 50 Prozent beträgt dieser Reiseverlust zwischen Scholle und Teller, wenn die Ernte mehrere Tage unterwegs ist. Urban Farming hält den Weg kurz und die Produkte nahrhaft.

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