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Global Ideas

Dürre bedroht die Nahrungssicherheit in Mittelamerika

Dürren, Ernteausfälle, drohende Hungersnot: Die Bauern im Grenzgebiet von Guatemala, Honduras und El Salvador kennen diese Abfolge nur zu gut. Mit kleinen Projekt-Ideen wollen sie dem Problem entkommen.

Foto: Harte, aufgeplatzte Erde, mit einer Wasserpfütze darauf (Foto: Reuters)

Das Lebenselexier

Eine von Landwirtschaft geprägte Gesellschaft, die durch Ernten entstehende Staubwolken dazu gezwungen wird, auf einem anderen Planeten nach einer neuen Heimat zu suchen - was als Material für einem Schreckenszenario eines Science Fiction Film klingt, findet dennoch seinen Ursprung in einer angsteinflößenden Realität. Nicht zuletzt deswegen wurde der Film Interstellar als metaphorischer Aufruf gesehen, endlich gegen den Klimawandel aktiv zu werden.

Tatsache ist, dass Gemeinschaften rund um die Welt keine andere Wahl haben, ihren Lebensstil an steigende Temperaturen und anhaltende Dürren anzupassen. Beispielsweise die Menschen in der Trifinio-Region im Grenzgebiet von Guatemala, Honduras und El Salvador.

Noch bestehen hier weite Landstriche aus Monokulturen aus Mais- oder Bohnenpflanzen. Doch lokale Gemeinden werden nun zunehmend ermutigt, ihre Versorgung zu sichern, indem sie auf Mischkulturen setzen und Landwirtschaft mit Waldwirtschaft kombinieren.

Foto: Ausgetrockenete Maispflanzen auf einem Feld (Foto: CC BY-NC-SA 2.0: C. Schubert (CCAFS); Quelle: https://flic.kr/p/h26VSZ)

Die Dürre hat vernichtende Auswirkungen auf das angebaute Getreide und Nutzpflanzen, sodass die Nahrungssicherheit gefährdet ist.

“Wir müssen den Menschen beibringen, wie sie mit den trockenen Perioden umgehen können und deutlich machen, dass die Klimaveränderungen von Jahr zu Jahr schwieriger zu handhaben sein werden”, sagt Adriaan Vogel, der für die

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

ein Beratungsprojekt zu Wald und Wasser in der Trifinio-Region betreut.

Die Initiative ergreifen statt abzuwarten

Doch tatsächlich ein Umdenken auszulösen, könnte sich schwierig gestalten: In vielen Gemeinden hat es schon zu lange Tradition Wald abzuholzen, um die Fläche in Ackerland umzuwandeln. Doch es sei dennoch machbar, schätzt Ana Maria Loboguerrero, Regionalleiterin für das Lateinamerika CGIAR Forschungsprogramm für Klimawandel, Landwirtschaft und Nahrungssicherheit. Ihr Schlüssel zur Lösung: Die Betroffenen von Beginn an mit einbinden.

“Wir haben beispielsweise Bohnensamen getestet, die resistenter gegen Dürre sein sollen. Wir wollten, dass die Bauer Teil der Forschungsarbeit sind”, erzählt sie von einer Initiative aus Honduras. “Die Bauern waren diejenigen, die die Samen gepflanzt und getestet haben, sie konnten beobachten, welche gut funktionieren und uns dann diese Daten zuliefern.”

Foto: Schwarzaugenbohnen (Foto: CC BY 3.0: Toby Hudson via Wikimedia; Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d0/BlackEyedPeas.JPG)

Unterschiedliche Sorten von trockenheits-resistenten Bohnensamen werden getestet, um langfristig widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu sein.

Natürlich vergeht viel Zeit zwischen dem Feedback zu solch einer Testphase und einem marktfähigen Produkt, aber Loboguerrero ist überzeugt, dass allein die Einbindung der Bauern in den Forschungsprozess dazu führen wird, dass sie viel eher auf trockenheitsresistente Samen umsteigen werden.

Trockenheit beschwört humanitäre Krise herauf

Und Schnelligkeit ist tatsächlich in diesem Fall entscheidend: Seit dem Sommer 2014 leidet die Trifinio-Region unter einer lang anhaltenden Dürreperiode. Im Dezember 2014

warnten die Vereinten Nationen

vor einer sich anbahnenden humanitären Krise - die

Nahrungsversorgung von 2,5 Millionen Menschen

sei gefährdet.

Nach UN-Schätzungen starben tausende Kühe und bis zu 75 Prozent der Mais- und Bohnen-Ernten in Honduras und Guatemala vertrockneten. Aus dem Gesundheitsministerium El Salvadors hieß es, dass mehr als drei Viertel der Bauern im östlichen Teil des Landes ihre gesamten Ernten eingebüßt haben.

Doch damit nicht genug - Tialda Veldman, Vorsitzende der Disaster Risk and Reduction Einheit für Zentralamerika der niederländischen Entwicklungshilfeorganisation Cordaid, befürchtet, dass das Schlimmste noch bevor steht: “Glücklicherweise sterben noch keine Menschen, aber es ist sicher, dass die Bevölkerung in den trockenen Gebieten Zentralamerikas in den kommenden Monaten große Probleme mit der Nahrungsversorgung bekommen wird.”

Dem wollen Einheimische, NGOs und Entwicklungsorganisationen vorgreifen: Um die Widerstandsfähigkeit gegen Dürren und den Klimawandel zu erhöhen, setzen sie unter anderem auf Agroforstwirtschaft - eine Mischform als Waldwirtschaft und Landwirtschaft, bei der nicht nur etwa Getreide, sondern zusätzlich auch Bäume auf die Felder gepflanzt werden.

Foto: Eine Frau steht neben einem Kaffeestrauch (Foto: CC BY 2.5: Robert Goodier, Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Rainforest_Alliance)

Bauern in El Salvador, Honduras und Guatemala stellen auf Agroforstwirtschaft um - sie pflanzen nicht nur Nutzpflanzen wie Getreide, sondern auch Bäume auf ihren Feldern. Das soll helfen, ein ökologisches Gleichgewicht zwischen Ackerland und Waldfläche herzustellen.

Ein Ansatz, der sich bereits bezahlt gemacht hat: “Diejenigen, die bereits auf Agroforstwirtschaft umgestiegen sind, hatten weniger Probleme während der Trockenphase, als jene, die nur Felder mit Mais- oder Bohnenpflanzen - ganz ohne Bäume darauf - hatten”, sagt Vogel.

Gute Vorbereitung wird immer wichtiger

Solche Projekte unterstreichen die Bedeutung von vorausschauendem Denken - vor allem für Länder wie Honduras, Guatemala und El Salvador. Denn sie sind bekannt dafür, besonders anfällig für den Klimawandel zu sein. Doch diesem erhöhten Risiko werden die drei Trifinio-Staaten noch nicht gerecht: Denn laut dem

ND-GAIN

, einem Index von 178 Ländern, der bewertet, wie gefährdet ein Staat ist oder wie widerstandsfähig, könnten die drei Länder noch mehr tun, um sich selbst zu helfen.

El Salvador schlägt sich von diesen drei Ländern noch am besten - es befindet sich auf Platz 114 des Index, gefolgt von Guatemala auf Platz 118 und Honduras auf Platz 128.

Foto: Ein Pfirsichbaum in der Trifinio Region (Foto: CC BY-SA 3.0: Sage Ross; Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Peaches?uselang=de#mediaviewer/File:Harrow_Beauty_peaches_at_Lyman_Orchards,_2009-08-30.jpg)

Nicht nur Mais und Bohnen: Bauern wechseln von Monokulturen auf Mischkulturen und bauen zusätzlich Pfirsiche und Avocados an - und kehren so zu traditionell in der Region heimischen Pflanzen zurück.

Nach Veldmans Einschätzung hätten die Regierungen der drei Länder pro-aktiver mit der zurückliegenden Dürreperiode umgehen müssen: “Guatemala war das einzige Land, das den Notstand ausgerufen hat und eine Liste aufgestellt hat, was benötigt wird. Obwohl Honduras einen Notstandsplan für die Dürre vorbereitet hatte, gab es Schwierigkeiten, humanitäre Hilfe überall dort anzubieten, wo sie gebraucht wurde”, sagt Veldman und fügt hinzu, dass El Salvador die Tragweite der Lage gar nicht erkannt hat.

Vogel glaubt, dass diese inaktive Haltung mit der schwindenden finanziellen Unterstützung für die Region einhergeht - was er zum Teil der weiten Entfernung zwischen den Hauptstädten und ihrer Grenzregionen zuschreibt.

Diese Tatsache, sagt er, unterstreiche die Notwendigkeit, die lokale Bevölkerung zu ermutigen “Teil der Lösung” zu sein und zu verstehen, dass “patriarchische Entwicklungsschemata, in denen andere die Entscheidungen treffen, zu einem Ende kommen müssen.”

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