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Global Ideas

Eier testen für eine humanere Hühnerzucht

Die Agrarindustrie will weibliche Küken für bessere Mastergebnisse. Männliche Küken werden oft wenig zimperlich getötet. Der deutsche Ernährungsminister will dem ein Ende setzen. Mit einem Blick direkt ins Hühnerei.

Unzählige Küken in einer Hühnerfarm

Jedes Jahr werden etwa 45 Millionen männliche Küken kurz nach der Geburt getötet. Damit soll Schluss sein, fordert der Ernährungsminister.

Ob aus einem befruchteten Hühnerei ein männliches oder weibliches Küken wird, ist für Geflügelzüchter extrem wichtig, denn männliche Küken eignen sich nicht sehr gut als Masthähnchen und Eier legen sie natürlich auch keine. Und so werden alleine in Deutschland jedes Jahr etwa 45 Millionen männliche Küken kurz nach der Geburt getötet. In der Massentierhaltung werden sie meist vergast oder lebendig zerschreddert.

Damit soll bald Schluss sein, wenn es nach Bundesernährungs- und Agrarminister Christian Schmidt geht. Sein Ministerium fördert ein von der Universität Leipzig geführtes Forschungsprojekt, das eine Methode entwickelt hat, um bei Eiern schon 72 Stunden nach der Bebrütung das Geschlecht festzustellen. Dafür wird mithilfe eines Lasers ein kleines Loch in die Schale gebohrt. Dann wird das Innere des Eis angeleuchtet und analysiert, wie das auf die Blutzellen im Ei treffende Licht gestreut wird. Mithilfe dieser sogenannten Raman-Spektroskopie lässt sich das Geschlecht des heranwachsenden Kükens innerhalb von Sekunden ermitteln. Anschließend werden die weiblichen Eier wieder verschlossen und ausgebrütet.

Die Technik ist da, effektiv muss sie noch werden

Die Technik an sich funktioniert bereits. In einem nächsten Schritt wollen die Forscher nun den Prozess beschleunigen und automatisieren, damit große Mengen von Eiern schnell überprüft werden können. Darüber hinaus sollen Tests sicherstellen, dass die weiblichen Eier durch den Prozess nicht negativ beeinflusst werden, also dass sich die aufgebohrten und getesteten Eier anschließend genauso gut entwickeln und später gesunde Legehennen produzieren, wie ungetestete Eier. Hier sieht der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) noch dringenden Forschungsbedarf. „Eine besondere Herausforderung […] ist die große Öffnung in den Eiern, die bei der Methode notwendig ist,“ sagt Prof. Dr. Rudolf Preisinger vom ZDG. „Durch diese können im Verlauf des Brutprozesses vermehrt Keime in das Ei gelangen.“

Minister Schmidt will, dass die neue Technik zügig in der Geflügelzucht Einzug hält. „Bis Ende 2016 wollen wir einen Proto-Typen für ein Gerät haben, das das Geschlecht im nur drei Tage bebrüteten Ei bestimmt und die Eier entsprechend automatisch sortiert", sagte er bei einem Besuch der Universität Leipzig vergangene Woche. „Mein Ziel ist, dass das Kükenschreddern 2017 aufhört“.
Auch Tierschutzorganisationen begrüßen das Projekt. „Das Ende des millionenfachen Kükentodes fordern wir schon lange. Wir freuen uns, dass das Problem nun endlich angegangen wird“, sagte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes in einer Stellungnahme.

Der ZDG lobt die Vorreiterrolle Deutschlands bei den Bestrebungen um eine humanere Lösung, fordert aber gleichzeitig eine europäische Lösung, da „ein nationaler Alleingang zu einer Produktionsverlagerung ins Ausland führen könnte“. Doch auch ökonomisch könnte die Technik Vorteile haben, weil die männlichen Eier so früh aussortiert werden können und man sie nicht, wie bisher, zunächst 21 Tage lang bebrüten muss, nur um sie dann doch auszusortieren. Die Zukunftsaussichten bleiben für männliche Küken aber trotzdem alles andere als rosig. Sie werden nach wie vor getötet, dann nur bereits deutlich früher und dadurch hoffentlich ohne Schmerzen.