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Global Ideas

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Gold oder Wasser lautet die existenzielle Frage hoch oben in den peruanischen Bergen. Für Bergbauunternehmen geht es hier um viel Geld, für die Einheimischen ums Überleben und den Reichtum des Landes ihrer Ahnen.

Die Anden in Peru waren immer schon ein Ort für Glücksritter, für Menschen auf der Suche nach Reichtum, nach Gold. Ob nun die spanischen Eroberer, die vor Jahrhunderten schon auf der Jagd nach Edelmetallen durch die zerklüftete Landschaft zogen. Oder weltweit agierende Bergbauunternehmen, die sich heute mit einem ähnlichen Ziel in die Berge graben. Die erstgenannten haben den Untergang des Inkareiches zu verantworten. Und auch die anderen greifen tief ins Leben der Einheimischen ein.

Die zweitgrößte Goldmine der Welt, Yanacocha, fördert seit 20 Jahren Edelmetall aus den Bergen. Schwere Maschinen fressen sich tief in den Boden und hinterlassen weithin sichtbare Narben. Trucks schlängeln sich, schwer mit Erz beladen, auf engen Wegen ins Tal.
"Wir haben Arbeitsplätze geschaffen" und der Wirtschaft der ärmsten Gegend Perus auf die Sprünge geholfen, sagen die Minenbetreiber Newmont Mining Corporation und Minas Buenaventura.

Nicht alle Bewohner der Region Cajamarca, in der diese riesige Mine liegt, teilen diese Ansicht. Sie würden nicht fair an der Ausbeute aus ihrem Gebiet beteiligt, sagen sie. Außerdem würde der große Tagebau Flüsse und Bewässerungskanäle vergiften. Nitrate, die bei Sprengungen zurückblieben, Chemikalien aus der Verarbeitung der Erze und Kraftstoffrückstände stellten große Probleme dar. Und schlimmer noch, immer wieder würden sie bedroht, sagen die Einheimischen. Wenn sie gegen die Mine und ihre Folgen protestierten, würde die Polizei mit großer Härte gegen sie vorgehen.

"Ich wurde zweimal verprügelt", sagt etwa Eduardo Ramirez*. "Dabei habe ich nur friedlich gegen ein Projekt demonstriert, mit dem unser See trockengelegt würde." Der Aktivist sagt weiter, dass Rückstände aus der Mine bereits das Wasser verunreinigt hätten, mit dem er seine Felder bestellt. "Wir wissen nicht, wem wir noch vertrauen sollen, Yanacocha hat doch Verträge mit der Polizei."

Renaturierung eines ehemaligen Tagebaus CC BY-SA 2.0/Euyasik

Wie hier in Yanacocha werden ehemalige Tagebaue wiederhergestellt


Wertvolles Wasser

Um Cajamarca ist Wasser das Hauptproblem. Denn Bergbau ist ein durstiges Geschäft. Dass Erdreich und Vegetation entfernt werden, verschlimmert die Lage noch. Sie wären wichtig, um das Grundwasser wieder aufzufüllen.

Außerdem wächst die Bevölkerung in der Region stetig. Bereits heute leidet deren Hauptstadt, die ebenfalls Cajamarca heißt, an Wasserknappheit, sagt Robert Moran. Der Hydrogeologe hatte 2012 eine unabhängige Analyse des Wassers vorgenommen. Schon damals war es in Cajamarca nicht zu jeder Zeit verfügbar, sondern nur einige Male am Tag. Auch er spricht das Problem einer möglichen Kontaminierung des Wassers durch Chemikalien aus dem Bergbau an.

"Knapp 70 Prozent des Wassers der Stadt kommt aus den Anlagen, die Wasser aus dem Rio Grande unterhalb der Yanacocha-Mine entnehmen", sagt Moran. Das Wasser steht immer in Gefahr, durch die Mine verunreinigt zu sein. Die Stadt verfüge nicht über die notwendigen Ressourcen, ob analysetechnisch oder finanziell, um die Verunreinigungen zu untersuchen, sagt Moran.

Ein Bild der Yanacocha Goldmine. Copyright: CC BY-SA 2.0/ Euyasik

Bei Tagebauen werden Erde und Vegetation entfernt, was erhebliche Einflüsse auf die Bodenerosion und die Wasserversorgung hat


Newmont: 'Wir versuchen zu helfen'

Der Minenbetreiber Newport indes verspricht, alles Notwendige zu unternehmen, um die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten. Das Unternehmen hat zwischen 1993 und 2012 mehr als eine Milliarde US-Dollar (0,9 Milliarden Euro) in "Sozial- und Umweltprojekte" investiert, sagt Newport-Sprecher Omar Jabara. Darunter fallen Bildungsprojekte, Unterstützung für die Landwirtschaft und Gesundheitsversorgung. Auch Investitionen in die Infrastruktur der Region wurden unterstützt. Die Menschen hätten nun auch eine bessere Versorgung mit Wasser, sagt Jabara.

Ein erst vor kurzem errichtetes Wasserreservoir versorgt mehrere kleinere Gemeinden das ganze Jahr über mit Wasser, selbst in der Trockenperiode. "Die Regionalregierung von Cajamarca hatte überhaupt keine Möglichkeit, Wasser zu speichern", sagt Jabara. "Darum wollten wir helfen."

Dazu sind zwischen 1996 und 2011 insgesamt 111 Millionen Euro durch Bergbau-Lizenzgebühren in die Region geflossen. So steht es in einem Bericht, den die Columbia University Law School Human Rights Clinic und verschiedene Non-Profit-Organisationen zusammengestellt haben. Im gleichen Bericht steht aber auch, dass mehr als die Hälfte der Einwohner von Cajamarca weiterhin in Armut leben. "Bergbau hat die Region nicht von Armut befreit, stattdessen aber für soziale und ökologische Konflikte innerhalb der Gemeinden gesorgt", heißt es.

Schwere Maschinen in einer Goldmine. Copyright: DW/M. Marek & S. Weniger

In Goldminen wird mit großen Maschinen gearbeitet


Gefährliche Proteste

Wenn es Proteste gibt, dann hauptsächlich ums Wasser und gegen Bergbaubetriebe, die Gewässer trockenlegen könnten. Teil des Protests ist auch Máxima Acuña. Sie ist eine Bäuerin. Alles, was sie anbaut, verbrauchen sie und ihre Familie selbst. In den vergangenen Jahren hat sie mehrfach eine Vertreibung von ihrem Land verhindert, auch gewaltsame Versuche, sie umzusiedeln gab es. Acuña hat für ihre Aktionen 2016 #link:http://www.goldmanprize.org/recipient/maxima-acuna/:den renommierten Goldman Environmental Prize# verliehen bekommen. Bei den Vertreibungsversuchen seien sie und eine ihrer Töchter auch bewusstlos geschlagen worden, sagt die Bäuerin.

Die Minenbetreiber weisen jede Beteiligung daran von sich. Stattdessen besteht Yanacocha darauf, das Land 1997 von der Gemeinde gekauft zu haben. Acuña sei es, die es illegal besetzen würde. Eine Gerichtsentscheidung dazu steht noch aus.

Die Zeiten für Umweltaktivisten sind insgesamt nicht einfach. Allein 2012 gab es vier Todesfälle in der nicht weit entfernten Stadt Celendin. Sie sollen mit den Protesten gegen ein weiteres Bergbauprojekt der Yanacocha-Betreiber, das Conga-Projekt, zusammenhängen, sagt Maryum Jordan. Die Anwältin arbeitet mit der Organisation Earthrights International, die ihren Sitz in Lima, der Hauptstadt Perus, hat. Ihren Angaben zufolge wartet ein Landwirt noch immer auf Entschädigung für Arztkosten, weil er 2011 bei Protesten in den Rücken geschossen wurde. Weil ein Gesetz aus dem Jahr 2014 die Polizei in solchen Fällen aus der Verantwortung nimmt, fehlt Demonstranten die Handhabe gegen Polizeigewalt. Die Zahl der Strafanzeigen gegen Aktivisten steigt, sagt Jordan. Darunter wären auch so abenteuerliche Anzeigen wie Kidnapping oder Behinderung des Straßenverkehrs.

Weil die Proteste aber trotzdem weitergingen, musste das Unternehmen sein Conga-Projekt auf Eis legen. Das sei ein kleiner Sieg, sagen die Aktivisten. “Newmont wird die Conga-Goldmine nicht weiter ausbauen, solange sie nicht akzeptiert ist", erklärte dazu der Sprecher der Minengesellschaft, Jabara."Es ist nicht klar, wann es soweit sein wird, vorher muss das Projekt auf soliden Füßen stehen und ein neuer Partner ins Boot geholt werden, um die entstehenden Kosten und Risiken zu teilen."

"Wenn man sich mit den Bergbauunternehmen anlegt, dann ist das wie bei David gegen Goliath", sagt Eduardo Ramirez, der Landwirt. "Aber Máxima [Acuña] hat uns gezeigt, dass der Kampf nicht hoffnungslos ist."

* Aus Angst um Repressalien, wollte der Interviewgast seinen echten Namen nicht im Artikel genannt sehen

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