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Kultur

Global Design, Design global

Die Globalisierung ist ein Staubsauger. Sie zieht alles ein, wirbelt es durcheinander, danach sieht es gleich aus. Wie sich das Design weltweit anpasst, weiß Angelia Sachs vom Museum für Gestaltung in Zürich.

iPhone mit Piktogrammen, 2009 / Sushi zum Mitnehmen, (Foto: Museum für Gestaltung Zürich © ZHdK)

My Phone, your Sushi - ästhetische Verwandtschaft?

Welche Folgen die Globalisierung für Wirtschaft und Gesellschaft hat, darüber wird viel diskutiert. Doch die Globalisierung wirft auch ästhetische Fragen auf: Was bedeutet weltweite Kommunikation, Migration und Vernetzung für die Gestaltung? Gibt es ein "Global Design"? Setzen die Funktionsweisen der Globalisierung Maßstäbe für die Gestaltung? Wird unser Geschmack weltweit standardisiert? Und wie reagieren Künstler auf die Globalisierung? Fragen, denen eine Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich nachgeht. Ein Gespräch mit der Kuratorin Angeli Sachs.

DW-WORLD.DE: Sie haben die Ausstellung Global Design kuratiert. Was ist der Grundgedanke Ihrer Ausstellung?

Angeli Sachs: Im Prinzip wollen wir mit dieser Ausstellung zeigen, wie sich die Globalisierung im Design seit den 1970er Jahren manifestiert. Und wie auf der anderen Seite Design für die globalisierte Welt entwickelt wird. Und dazu haben wir das globale Netzwerk aufgemacht: Es geht um Mobilität, Kommunikation, Produktion, Handel und Kapital. Und es gibt bestimmte Themen, die sich durch die Ausstellung ziehen, wie Globalisierung versus Regionalismus, ein ganz wichtiges Gegensatzpaar. Es geht um Kulturtransfer und globale Trends.

Was sind denn typische Produkte der Globalisierung, die es vorher nicht gab?

Das Mobiltelefon, der Laptop, der Koffer auf Rollen, Flughafenterminals in der heutigen Form. Die 0,5 Liter PET-Flasche. Es gibt eine unendliche Skala von Dingen, die entwickelt worden sind für den Menschen, der ständig unterwegs ist.

Containerschiff auf dem Meer (Kunstwerk von Allan Sekula, Panorama. Auf dem Atlantischen Ozean, aus Fish Story, C-Print, 1993) / Courtesy Christopher Grimes Gallery

Container - Metapher und der Globalisierung und Design "an sich"?

Eine Leitmetapher der Ausstellung ist der Container. Was bedeutet der Container politisch und ästhetisch?

Der Container ist wie der Computer das Rückgrat der Globalisierung. Ein Modul, erst mal ganz wertfrei. Design an sich. Eine leere Form, die mit Inhalt gefüllt wird. Eine Form von Transportsystem, das mit der Globalisierung gekommen ist und das dazu geführt hat, dass Transportkosten fast vernachlässigt werden können. Es kostet fast nichts, dass die Firma an einem Ort ist, an einem anderen Ort produzieren lässt und an einem dritten die Fertigung vollendet und Dinge vertreibt. Und gleichzeitig hat er natürlich auf die Ästhetik bestimmter Dinge Einfluss genommen. Schauen wir uns IKEA an. Wenn sie einen IKEA-Laden sehen, sieht er selber aus wie ein großer Container.

Neben IKEA als Trendsetter der Inneneinrichtung präsentieren Sie als Gegenbeispiel aber auch eine andere Möbelfirma.

Das ist eine kleine Schweizer Firma, die von zwei Designern, Yves Raschle und Thomas Wüthrich, gegründet worden ist. Für uns ist sie ein Beispiel dafür, wie eine faire Partnerschaft zwischen Design und Produktion funktionieren kann. Sie arbeiten mit einer Holzfachschule und einem Produktionsbetrieb in Indonesien zusammen, wirklich dort vor Ort. Das ist ein sehr schönes Beispiel für Know-How-Transfer und faire Produktionen. Und für ein sehr gutes Design - und das ist auch wichtig.

Vogelperspektive des Saadiyat Island Cultural District, Illustration, Abu Dhabi / Tourism Development & Investment Company

Weltweit standardisiert? Bauten von Stararchitekten wie in dieser Animation der geplanten Kultur-Insel von Abu Dhabi

Ein zentrales Ausstellungsthema ist die Mobilität. Man betritt eine Flughafenlounge, wo die Vielflieger mit ihren Köfferchen und Laptops sitzen. Aber Sie zeigen auch die Kehrseite der Vielflieger-Mentalität, die Probleme der Migration. Und was es für Menschen aus der Dritten Welt heißt, in die Wohlstandsländer zu kommen.

Das ist die Arbeit "Body in Transit" des Künstlers Faustino. Das ist ein Koffer mit Bildern, die dazugehören: Wir sehen den Koffer vor dem Radkasten eines Flugzeuges und gleichzeitig eine Art Röntgenbild, auf dem wir einen Menschen in diesem Koffer sehen. Das ist eine der Möglichkeiten, wie Menschen ohne Papiere versuchen in den Westen zu kommen. Kürzlich hörte ich eine Meldung, dass ein solcher Passagier auf dem Flug von New York nach Tokio erfroren ist, bei minus 50 Grad in der Luft. Und ich habe mehrere Artikel darüber gelesen, dass das, was vorher Lampedusa war, jetzt auf Lesbos passiert: All die Migranten, die versuchen nach Europa zu kommen - auf Booten, die höchstens eine Reise überstehen oder nicht mal diese eine. Das ist das Gegenbild zu den privilegierten Reisenden, die in Businesslounges sitzen.

Dunkelhäutiges Model mit üppigem ausschweifendem Kleid in orientalischem Muster (Vlisco, Kollektion Rhythme de Jeunesse, 2008) Vlisco Helmond B.V.

Modedesigner weltweit zitieren orientalische Muster

Sie machen hinter der Flughafenlounge zwei Cafés auf: Starbucks und eine Sushi-Lounge, wo man sehen kann, wie sich diese Produkte weltweit durchgesetzt haben. Gibt es eine Geschmacks-Diktatur in der Globalisierung?

Von Geschmacks-Diktatur kann man in den privilegierten Ländern kaum sagen. Denn wir haben eine unglaubliche Vielfalt und die Wahl, was wir davon essen oder machen wollen. Aber es gibt Vieles, das sozusagen in Bewegung ist - auch das Essen. Sushi kann man von überall mitnehmen. Ursprünglich eine japanische Delikatesse, die über Kalifornien, den amerikanischen Kontinent, nach Europa gekommen. Und Sushi hat sich auf dem Weg auch verändert. Ich glaube, nicht jeder Japaner würde jedes Sushi im europäischen Bahnhof essen wollen. Und für uns ist es jetzt eine immer noch gute, aber Allerwelts-Delikatesse geworden. So etwas hält Einzug in unsere Welt, wird adaptiert und umgewandelt. Es ist eines der Basisbeispiele für Kulturtransfer.

Und die Uniform der Globalisierung? Einerseits der Business-Anzug, aber auch Jeans und T-Shirt?

Ja, das sind die Uniformen. Aber in neueren Untersuchungen stellen Soziologen befriedigt fest, dass Konsumenten durchaus in der Lage sind, mit diesen Dingen kreativ umzugehen. Sich das herauszusuchen, was sie benutzen wollen, es mit anderen Dingen zu neuen Mischungen zusammenzustellen.

Das Gespräch führte Christian Gampert

Redaktion: Conny Paul