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Politik

Glitzerndes Ungeheuer im Sumpf

Einer der imposantesten Eindrücke Bangkoks macht deutlich, wie schnell Details vergessen werden. Ein Besuch im neuen Flughafen Bangkoks - der Stolz Thailands, der zum Moloch mutiert.

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Gut schaut er ja aus. Besonders wenn man sich ihm nach Einbruch der Dunkelheit nähert, auf einer sechsspurigen Schnellstraße. Da kommen dem Reisenden rasch glänzende Bilder von Science Fiction-Filmen in den Sinn. Locker und luftig die Hülle, durchsetzt mit Tüpfern von intensivem blauem Licht. Eine fast schon drogige Halluzination schnellt da aus den Sümpfen in den Himmel.

Eine fantastische Mischung aus thailändischem Sinn für ästhetisches Design ist der neue Flughafen Bangkoks, Suvarnabhumi ("Goldenes Land"). Seit dem 28. September 2006 ist er einer der letzten imposanten Eindrücke, die Touristen auf dem Weg in ihre Heimat haben von Thailand. Bevor sie die weitgeschwungenen Hallen betreten.

Der veredelte Basar

Dort offenbaren sich die Tücken der Liebe zu Design - und dem Vergessen von Details. Ständig ausfallende Computersysteme lassen Gruppenreisebusse vier bis fünf Stunden vor Anflug ankommen. Einmal durch die Passkontrolle, durch die auch schon mal ein Stündchen verloren geht, entdeckt man zu leicht nackte Zementwände, die nicht mehr als Design durchgehen. Duty-Free-Läden ziehen sich scheinbar kilometerweit und erinnern an einen veredelten Basar. Vielflieger verzichten auf Stil und tragen bequeme Turnschuhe, um Blasen aus dem Weg zu gehen. Des öfteren passieren einen ältere Reisende auf Golfwagen - sie schaffen die langen Strecken zu ihrem Gate nicht zu Fuß.

Ankommende werden erst einmal von einem Chaos erschlagen, dem man zu entgehen hoffte - die Ankunftshalle gleicht einem Ameisenhügel. So schlimm war es nicht einmal im eh schon unübersichtlichen Vorgänger-Flughafen Don Muang.

Nervtötende Details

Dabei ist schon so vieles gerichtet worden. Anfangs fand man nicht einmal eine Toilette - da musste schon die Militärjunta eingreifen und der Flughafendirektion befehlen, Büros abzureißen und sie mit Sanitäranlagen zu ersetzen. Auch bei den Hinweisschildern haperte es: Doppeldeutigkeiten ließen viele Reisende falsche Routen einschlagen. Dazu kamen noch einige nervtötende Details, von fehlenden Rampen für Rollstühle über mangelhafte Klimaanlagen bis hin zu nächtlichen Übergriffen auf Flugbegleiterinnen. All dies führte im Januar dazu, dass Teile des blitzenden Molochs geschlossen wurden, damit notwendigste Reparaturen vorgenommen werden konnten.

Die neue Sparsamkeit

Nun beschloss die zuständige Behörde, im März den alten Bangkoker Flughafen Don Muang wieder zu eröffnen. Seit der Inbetriebnahme von Suvarnabhumi landen und starten dort nur Charter- und VIP-Flüge. Der offizielle Grund lautet Sparsamkeit - der neue Flughafen soll anscheinend schon jetzt so geschäftig sein, dass er ansonsten weiter ausgebaut werden müsse. Und das, obwohl Suvarnabhumi noch lange nicht seine angebliche Kapazität von jährlich 45 Millionen Passagieren erreicht hat.

Inoffiziell sollen hier Augen gewischt werden, Blicke verschleiert, abgelenkt werden von den Unzulänglichkeiten des neuen Flughafens, das zu einem glitzernden Ungeheuer mutiert.

Beruhigungsversuche

Reisende müssten sich keine Sorgen machen - es sollen nur Inlandsflüge ohne internationale Verbindungen auf den ausrangierten Flughafen umsatteln, so der offizielle Beruhigungsversuch. Doch im Klartext heißt das, dass nur auf die staatliche Fluggesellschaft Thai Airways Rücksicht genommen wird - nicht Lufthansa, nicht British Airways oder Qantas oder Air France, auf keine einzige der rund 90 internationalen Fluggesellschaften, die Suvarnabhumi anfliegen.

Der Eröffnungstermin ist wichtig - denn im März rasen die heimischen Passagierzahlen in die Höhe, wenn die Thais Songkran, das thailändische Neujahr, feiern und halb Bangkok die Stadt verlässt, sich aufmacht zur Familie, die jwd wohnt. Noch weigert sich die Flughafenbehörde, den Termin zu garantieren. Zuviele Verspätungen hatte man schon erlebt beim neuen Flughafen. Die Blamage will man sich sparen. Die kleine. Die große, die glitzert in den Sümpfen nordöstlich von Bangkok. Goldenes Land, nimmermehr.