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Deutschland

Gleichstand im Duell Schröder-Merkel

Der Fernsehauftritt von Bundeskanzler Schröder und CDU-Chefin Angela Merkel war fair und ausgewogen - aber ob er die Wähler wirklich beeinflusst? Wolter von Tiesenhausen kommentiert.

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Wolter von Tiesenhausen

DW-Politikexperte Wolter von Tiesenhausen

Die Fernsehdebatte zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Kanzlerkandidatin der Christdemokraten, Angela Merkel, war mit viel Spannung erwartet und zur wichtigen Entscheidungshilfe im Vorfeld der Bundestagswahl hochgespielt worden. Als sich nach gut anderthalb Stunden der Rauch des Wortgefechtes verzogen hatte, blieb bei vielen Zuschauern Ratlosigkeit zurück. Zum einen wird es nur wenigen Fachleuten vergönnt gewesen sein, die Feinheiten des Für-und-Wider zukünftiger Steuerreformen nachzuvollziehen, zum anderen sind nun einmal die Gemeinsamkeiten zwischen Sozial- und Christdemokraten so groß, dass sich die die Differenzen oft nur mit der Lupe ausmachen lassen.

Der Einfluss der Zahlenspiele

Glaubt man den Umfragen, so hat Bundeskanzler Schröder den Zweikampf für sich entscheiden können. Allerdings war dieses Ergebnis auch schon vorher erwartet worden. 65 Prozent der Befragten rechneten mit einem Erfolg des Amtsinhabers, nur 28 gingen davon aus, dass die Herausforderin die Nase vorne haben werde. Vergleicht man dieses Resultat mit den Umfragen nach dem Duell, so ergeben sich leichte Verluste für den Kanzler. Denn danach werteten nur 48 Prozent Schröder als Sieger. Merkels Werte bleiben mit 28 Prozent stabil. Ob solche Zahlenspiele allerdings Auswirkung auf das tatsächliche Wahlverhalten haben, bleibt abzuwarten.

Keine Patzer

Mit einem deutlichen Pendelausschlag zu Gunsten der einen und zu Ungusten der anderen Seite ist bei solchen Debatten eigentlich nur zu rechnen, wenn einer der Duellanten patzen sollte. Solche eklatanten Fehler aber unterliefen weder Gerhard Schröder noch Angela Merkel. Beide haben sich und ihre Emotionen im Griff, selbst wenn stellenweise zu spüren war, wie sehr sie sich zusammennehmen mussten, um nicht heftiger auf eine Attacke des anderen zu reagieren. Inzwischen ist die Kunst des richtigen Auftretens vor Fernsehkameras ein selbstverständlicher Bestandteil der Professionalität eines Spitzenspolitikers.

Oppositions-Ideen im Mittelpunkt

Bemerkenswert war die Rollenverschiebung zwischen Kanzler und Herausforderin. Nicht die Oppositionsführerin griff den Regierungschef an, sondern Gerhard Schröder rieb sich an den Positionen von Angela Merkel. Das hatte zur Folge, dass nicht die politischen Vorgaben der Regierung, sondern die Forderungen der Christdemokraten im Mittelpunkt der Auseinandersetzung standen. Paul Kirchhof, dem neuen Stern am finanzpolitischen Firmament der Union, müssen die Ohren geklungen haben. Die Auseinandersetzung um seine Thesen war so intensiv, dass einer der journalistischen Stichwortgeber Angela Merkel bereits als "Frau Kirchhof" ansprach.

Fazit: Fair und informativ

Immerhin haben 60 Prozent der Fernsehzuschauer - das sind 21 Millionen Menschen - auf einem der beteiligten Kanäle die Auseinandersetzung gesehen. Das ist ein Rekord, auch wenn niemand weiß, wie viele davon geduldig genug waren, die Sendung über die ganze Länge von 90 Minuten zur verfolgen. Doch unter dem Strich war es ein informativer, ausgewogener und - bei aller notwendigen Kontroverse - fairer Schlagabtausch.

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