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Deutschland

Gleichberechtigung oder Wirtschaftsbremse?

Lange wurde um sie gestritten, nun will sie das Bundeskabinett auf den Weg bringen: die Frauenquote. Für die einen lähmt sie die Wirtschaftskraft, die anderen feiern sie als wichtiges Instrument zur Gleichberechtigung.

Es kommt nicht häufig vor, dass Angela Merkel sich für einen ihrer Parteifreunde entschuldigt. Vor allem nicht bei einer anderen Partei. Und doch ist genau das vor einigen Wochen passiert. Unionsfraktionschef Volker Kauder hatte SPD-Familienministerin Manuela Schwesig im Streit um die Frauenquote öffentlich "Weinerlichkeit" vorgeworfen. Der Aufschrei war groß, Kauder wurde als "Macho" diffamiert und die SPD konterte mit der Twitter-Kampagne #bockaufquote. Darin twitterte Schwesig selbst Mutmacherparolen und forderte andere Frauen auf, sich mit ihr zu solidarisieren.

Die Bundeskanzlerin entschuldigte sich öffentlich bei ihrer Kabinettskollegin und die Familienministerin konnte ihre Pläne zur Frauenquote durchsetzen. Für sie ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung. Die Vorstände von 108 börsennotierten Unternehmen sollen ab 2016 weiblicher werden. Momentan liegt der Anteil von Frauen in diesen Positionen bei fünf Prozent, in Zukunft sollen es mindestens 30 Prozent sein. Für weitere 3500 Unternehmen gilt eine flexible Regelung, so der Beschluss der Großen Koalition. Das bedeutet, dass Unternehmen selbst eine Quote festlegen können.

Streit geht weiter

Gesetz beschlossen, alles gut? Wohl kaum. Denn noch immer geht die Debatte um Sinn und Unsinn der Quotierung weiter. Die Fronten sind verhärtet. Auf der einen Seite stehen die Wirtschaftsverbände. Stefan Sträßer von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) lehnt die Quote grundsätzlich ab: "Wir als BDA haben immer gesagt, dass wir gegen solche Quoten sind." Die fachliche Qualifikation, so der Wirtschaftsvertreter, werde dadurch als entscheidendes Einstellungskriterium ignoriert.

In den Unionsparteien CDU und CSU sind nicht alle glücklich mit dem Beschluss. Nach Ansicht von Hans Reichhart, dem Vorsitzenden der Jungen Union in Bayern, muss man Frauen in Deutschland nicht eigens fördern. Der gesellschaftliche Wandel komme ohnehin von alleine, meint der 32-jährige CSU-Politiker: "Wenn man sich das Alter der Aufsichtsräte ansieht, dann sind das alles Leute, die am Ende ihrer beruflichen Laufbahn stehen", so Reichhart gegenüber der DW. Dadurch, dass es in der jüngeren Generation schon jetzt mehr Frauen in verantwortungsvollen Positionen gebe, werde sich das Problem von alleine lösen. Reichhart weiter: "Die Frauen in Führungspositionen wachsen dann ja auch automatisch nach."

Momentan ist der Anteil an weiblichen Führungskräften in Deutschland verschwindend gering, obwohl fast ebenso viele Frauen berufstätig sind wie Männer.

Gesellschaftlicher Wandel durch Quote

Monika Schulz-Strelow ist die Präsidentin von "Frauen in die Aufsichtsräte" (FidAR e.V.), einem Verein, der sich seit Jahren für die Stärkung von Frauen einsetzt. Die Quotenregelung ist für sie ein erster Erfolg. Für die Zukunft setzt sie auch auf die "Volkspsychologie": "Das Großartige an uns Deutschen ist ja, dass, wenn wir ein Gesetz haben, es befolgt wird." Sie hoffe, so Schulz-Strelow weiter, dass die Quote vor allem dazu führe, "dass die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen ernster genommen wird und es insgesamt zu einer Veränderung in der Unternehmenskultur führt."

Wichtig für junge Mädchen und Frauen seien Vorbilder, zu denen sie aufschauen könnten. Von denen gebe es in Deutschland einfach noch zu wenige. Dass auch Frauen es hierzulande ganz nach oben schaffen können, beweist der Lebenslauf einer früheren Familienministerin. 1994 setzte sie in öffentlichen Behörden eine der ersten Quotenregelungen für Frauen durch. Damals hieß sie noch "Kohls Mädchen" und wurde wegen ihres biederen Haarschnitts verlacht. Heute ist Angela Merkel nicht nur die deutsche Bundeskanzlerin, sondern gilt auch als eine der mächtigsten Frauen der Welt.

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