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Finanzmarkt

Glaubt Börsen-Chef nicht mehr an Fusion?

"Wir bedauern natürlich diese Entwicklung": Der Chef der Deutschen Börse Kengeter äußert sich zum jüngsten Stand der Fusionspläne mit der Londoner Börse, und das klingt wie ein Abgesang.

Carsten Kengeter meldete sich am Mittwoch auf dem Parkett des Frankfurter Börsensaals wegen der Meldungen aus London von dieser Woche zu Wort. Von Seiten der Londoner Börse LSE hatte es geheißen, man werde auf neue Bedingungen der Kartellbehörden aus Brüssel nicht eingehen. Die EU-Kommission hatte verlangt, die LSE müsse ihre Beteiligung an einem italienischen Unternehmen verkaufen, wenn es etwas mit der geplanten Fusion zwischen Frankfurt und London werde solle.

Die London Stock Exchange (LSE) weigert sich explizit, die neueste Vorgabe der EU-Wettbewerbshüter zu erfüllen und ihren Mehrheitsanteil an der italienischen Anleihen-Handelsplattform MTS zu verkaufen. Darum glaubt die LSE nicht mehr an eine Zustimmung aus Brüssel: "Angesichts der bisherigen Haltung der Kommission geht die London Stock Exchange Group nicht davon aus, dass die Kommission die Fusion genehmigen wird", hatte das Unternehmen in der Nacht zum Montag mitgeteilt.

EU-Komission als Bösewicht

Die Weigerung der Börsianer aus London hatten Beobachter als Versuch interpretiert, den ersten möglichen Ausstieg aus dem großen Börsendeal zu nehmen. Eine fusionierte Börse London-Frankfurt wäre bei weitem die größte in Europa geworden. Bis zuletzt gab es aber Mutmaßungen, die Frage der Zentrale für das gemeinsame Unternehmen könne den Deal noch zum Scheitern bringen.

Nun sieht es so aus, als wollten beide Seiten den Kartellwächtern in Brüssel die Schuld für ein Scheitern zuweisen: "Die offizielle Entscheidung der EU-Kommission steht natürlich noch aus", sagte Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter am Mittwoch. "Aber die Durchführung der Transaktion ist in ihrer Wahrscheinlichkeit nicht gestiegen, das ist klar."

Carsten Kengeter Deutsche Börse (picture-alliance/D. Spiekermann-Klaas)

Carsten Kengeter, Chef der Deutschen Börse

Stolperstein Kengeter?

Möglicherweise ist aber die Person Kengeters selbst zum Hindernis auf dem Weg zur Fusion geworden. Gegen den Börsen-Chef ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit den Fusionsplänen wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete am Dienstag von einer E-Mail des LSE-Verwaltungsratsvorsitzenden Donald Brydon an sein Deutsche-Börse-Pendant Joachim Faber. Brydon schrieb demnach, Kengeter sei wegen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen ihn kein geeigneter Kandidat mehr für den Chefposten des fusionierten Unternehmens.

Nach den bisherigen Fusionsplänen sollte das gemeinsame Unternehmen mit Sitz in London von Kengeter geführt werden. Beobachter zweifelten allerdings auch, ob deutsche Aufsichtsbehörden diese Pläne billigen würden. Die Behörden des Landes Hessen, in dem Frankfurt liegt, müssten der Fusion zustimmen. Kritiker bemängeln, nach einem Brexit würde der Sitz der wichtigsten europäischen Börse dann nicht mehr im Gebiet der Europäischen Union liegen.

ar/ul (dpa, rtr)

     

 

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