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Politik

Glaubenskrieg?

Ein Selbstmordanschlag auf eine Moschee in Pakistan hat am Freitag (4.7.) mehrere Dutzend schiitische Gläubige das Leben gekostet. Der Anschlag kommt für Präsident Musharraf zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

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Nach dem Anschlag gingen die Krawalle weiter

In der Moschee in der im Südwesten des Landes gelegenen Stadt Quetta waren zur Zeit des Anschlages etwa 2000 Gläubige zum Freitagsgebet versammelt. Unklarheit bestand über die Zahl der Attentäter. Zunächst hieß es, dass sich zwei Attentäter sich in die Luft gesprengt hätten und ein dritter Attentäter später seinen Verletzungen erlegen sei.

Augenzeugen berichteten von nur von einem oder zwei Selbstmord-Attentätern. Sie hätten die Moschee betreten, bevor sie ihre Sprengladungen zündeten. Ein anderer sagte, zwei bärtige Männer hätten auf die Gläubigen geschossen, während eine dritte Person sich in die Luft gesprengt habe.

Widersprüchliche Angaben zu Tathergang und Tätern

Polizeiangaben zufolge wurde der Anschlag in einer Moschee schiitischer Moslems im Zentrum Quettas während der Gebetsstunde in der Mittagszeit verübt. Der Freitag ist nach dem islamischen Glauben ein heiliger Tag. Die Moscheen sind an diesem Tag stärker besucht als sonst.

Informationsminister Scheich Raschid Ahmed erklärte, zwei Attentäter seien in der Moschee ums Leben gekommen, ein dritter sei bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet worden. Aus Behördenkreisen verlautete, ein vierter Attentäter sei festgenommen worden. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat, die Täter werden jedoch in Kreisen radikaler Gruppen der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit vermutet.

Sunniten gegen Schiiten?

Über den Hintergrund des Anschlags gab es zunächst keine Informationen. Für Präsident Pervez Musharraf kommt der Anschlag zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt; sollte doch sein Besuch in Europa dazu dienen, Befürchtungen westlicher Investoren hinsichtlich der Sicherheit in Pakistan zu zerstreuen.

Bereits im vergangenen Jahr war es zu einer Serie von Anschlägen auf westliche und christliche Ziele in dem moslemischen Land gekommen. Ein von Sunniten dominierter Zusammenschluss religiöser Parteien hatte am Freitag (4. Juli 2003) zu landesweiten Protesten gegen Musharraf aufgerufen. Die Allianz wirft ihm eine pro-amerikanische und islam-feindliche Politik vor. Musharraf verurteilte den Anschlag.

Immer wieder Anschläge

Etwa zehn Prozent der 140 Millionen Pakistaner zählen zur schiitischen Richtung des Islam, fast 90 Prozent zur sunnitischen. Bei Zusammenstößen zwischen den beiden Gruppen in Pakistan sind seit Ende der 1980er Jahre mehrere tausend Menschen getötet worden. Die Opfer des Attentats in der Hauptstadt der Provinz Belutschistan gehören nach Angaben von Journalisten vor Ort zum schiitischen Volksstamm der Hasara.

Nach der Bluttat kam es zu Ausschreitungen aufgebrachter Hasara in Quetta. Die Behörden verhängten eine Ausgangssperre, die Armee schickte Truppen in die Stadt. Vor weniger als einem Monat waren bei einem Anschlag auf ein Polizeifahrzeug zwölf Polizeischüler getötet worden, die ebenfalls den Hasara angehörten. Für diesen Vorfall waren sunnitische Extremisten verantwortlich gemacht worden. (arn)

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