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Deutschland

Glaube in Deutschland

Deutschland ist Teil des christlichen Abendlandes und war Heimat des Reformators Martin Luther. Die so genannte Gretchenfrage "Wie hältst Du's mit der Religion?" wird immer noch gestellt - wenn inzwischen auch seltener.

Krizifix im Passauer Dom (Foto: Bilderbox)

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann in Deutschland ein bis heute anhaltender Trend. Der Einfluss der beiden großen christlichen Konfessionen in Deutschland sinkt. Bis in die 1950er-Jahre war fast jeder Deutsche entweder evangelisch oder katholisch - wobei damals in der Bundesrepublik gut 50 Prozent evangelisch und etwa 45 Prozent katholisch waren.

Besonders dramatisch ist der absolute Rückgang der Protestanten, die traditionell im Osten die Mehrheit stellen. Bis 1987 - kurz vor der Wiedervereinigung - steigt der Anteil der Konfessionslosen in Westdeutschland auf über 11 Prozent, in der DDR auf etwa 70 Prozent.

Mit den eingewanderten Muslimen tritt zudem eine für Deutschland neue Glaubensgruppe in Erscheinung und erreicht im Westen bis zur Wende einen Anteil von rund 3 Prozent.

Ein Drittel ist konfessionslos

Kirche St. Maximilian in der Düsselorfer Altstadt (Foto: DPA)

Die Kirchen leiden unter immer weniger Mitgliedern und Gottesdienstbesuchern

Die Wiedervereinigung bringt einen großen Zuwachs bei den Konfessionslosen, deren Anteil 1990 in ganz Deutschland mehr als 22 Prozent beträgt. Entsprechend sinkt der konfessionsgebundene Anteil auf unter zwei Drittel - wobei Katholiken und Protestanten zunächst mit jeweils 31 Prozent gleichauf liegen. Das sind jeweils rund 25 Millionen Menschen.

Dieses Verhältnis hat sich in der Folgezeit leicht zugunsten der Katholiken verschoben. Zugleich ist der Anteil der Konfessionslosen noch einmal deutlich auf rund ein Drittel (32,5 Prozent) gestiegen. Damit ist diese Gruppe jetzt stärker als eine der Großkirchen.

Weiter gewachsen ist der Anteil der Muslime auf derzeit mehr als 4 Prozent, etwa 3,5 Millionen Menschen. Diese Zahl ist nur zu schätzen, da es im Gegensatz zur formellen Mitgliedschaft in den christlichen Konfessionen darüber keine amtlichen Zahlen gibt.

Die Zahl der Juden in Deutschland wird mit 200.000 (0,24 Prozent) angegeben, davon sind rund die Hälfte Mitglieder jüdischer Gemeinden.

Neun Milliarden Euro Kirchensteuer

Die Kirchenmitgliedschaft ist in Deutschland steuerlich relevant. Im Auftrag der christlichen Amtskirchen erhebt die Finanzverwaltung von den Steuerpflichtigen insgesamt Kirchensteuer in Höhe von acht bis neun Prozent der staatlichen Lohnsteuer. Nach den letzten verfügbaren Zahlen von 2007 erhält die Katholische Kirche 4,8 Milliarden Euro, für die Evangelischen Landeskirchen sind es 4,2 Milliarden Euro. Die deutsche Kirchensteuer war schon in der Verfassung der Weimarer Republik von 1919 bis 1933 geregelt und wurde in Artikel 140 des Grundgesetzes übernommen.

Kirchen und Staat kooperieren auch in der Schulpolitik beim Religionsunterricht, aber auch im Militär bei der seelsorgerischen Betreuung der Soldaten. Solche Formen staatlich-kirchlicher Zusammenarbeit gibt es nach wie vor nicht oder nur in ersten Ansätzen mit den muslimischen Glaubensgemeinschaften.

Gebete sind weit verbreitet

Betende Frau (Foto: AP)

Mitgliedschaft in einer Kirche und religiöser Glaube sind nicht deckungsgleich: Es gibt ungläubige Kirchensteuerzahler und gläubige Konfessionslose. Einer Untersuchung der Evangelischen Kirche von 2006 zufolge betet jeder vierte Konfessionslose zumindest ab und zu, während jedes dritte Kirchenmitglied angibt, überhaupt nicht zu beten.

Anfang der 1950er Jahre besuchte noch jeder zweite Katholik (52 Prozent) und jeder siebte bis achte Protestant (13 Prozent) sonntags den Gottesdienst. Derzeit geht nicht einmal jeder vierte Katholik (23 Prozent) und nur noch jeder zwölfte Protestant (8 Prozent) regelmäßig in die Kirche. Am stärksten entfalten sich kirchliche Bindungen immer noch bei den lebensgeschichtlichen Höhepunkten Taufe, Firmung/Konfirmation, Trauung und Bestattung. Christliche Beerdigungen bilden dabei heute den Hauptanteil - während der Anteil der Taufen und Trauungen stark zurück gegangen ist.

Autor: Jochen Vock

Redaktion: Kay-Alexander Scholz