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Kultur

Glaube als Risiko

Rund 200 Millionen Christen werden wegen ihres Glaubens verfolgt. Das Spektrum reicht von Diskriminierungen im Beruf bis zum Mord. Die Konrad-Adenauer-Stiftung veröffentlicht neue Details.

Kreuz der einstigen Kirche in Cirebeum in Indonesien, die von Behörden niedergerissen wurde (Foto: Open Doors)

Nur das Kreuz blieb übrig: Die Kirche im indonesischen Cirebeum wurde von den Behörden niedergerissen

200 Millionen Menschen weltweit ist das Grundrecht auf freie Glaubensausübung entzogen, das entspricht zwei Drittel der Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach, weist in diesem Zusammenhang auf den Weltverfolgungs-Index hin, der besage, dass in islamischen und kommunistischen Ländern insbesondere Christen am meisten unter Verfolgungsdruck litten. 90 Prozent aller um ihres Glaubens willen ermordeten Menschen seien Christen.

Deutsche Erfahrungen könnten helfen

Der Trierer Kirchenrechtler Gerhard Robbers wirft der deutschen Außenpolitik angesichts dieser Zahlen mangelndes Engagement vor: "Das Phänomen existiert seit langem, unabhängig von den Parteien: Seit vielen Jahren überlässt das Auswärtige Amt das Feld von Religionsfreiheit den Amerikanern. Der deutsche Auswärtige Dienst hat Religion erst in der allerletzten Zeit entdeckt." Erst allmählich ändere sich etwas an dieser Situation, so Robbers. Dabei habe Deutschland mit seiner Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, mit dem schmerzlich errungenen Frieden der Religionen viel zum internationalen Kampf für Religionsfreiheit beizutragen.

'Büchse der Pandora' muss geöffnet werden

Christenverfolgung sei außerdem kein Problem, das vor den Türen der EU halt mache. Nach Ansicht von Otmar Oehring vom Internationalen Katholischen Hilfswerk Missio wird beim Beitrittskandidaten Türkei die Religionsfreiheit mit Füßen getreten. Damit verstoße das Land gegen alle einschlägigen von ihm ratifizierten internationalen Konventionen. Die EU-Staaten müssten sich viel entschiedener um diese Problemlage kümmern. Doch Oehring beklagt eine mangelnde Bereitschaft dazu. Ihm sei erst kürzlich bei Gesprächen in Brüssel ganz klar gesagt worden: Die Büchse der Pandora 'Religionsfreiheit in der Türkei' wolle man nicht öffnen.

Zahl der Christen in der Türkei auf 0,15 Prozent gesunken

Eine Haltung, die auch aus Sicht der Evangelischen Kirche in Deutschland nicht akzeptabel ist. Die Anzahl der armenischstämmigen Christen in der Türkei habe sich von 20 Prozent auf nur 0,15 Prozent dezimiert, beklagt der Bevollmächtigte der EKD, Prälat Bernhard Felmberg. Deutschland täte nach seiner Ansicht gut daran, diese Zahlen in aller Differenziertheit und Klarheit anzusprechen. Unabhängig von einem EU-Beitritt müsse das Auswärtige Amt das Thema Religionsfreiheit als eins der maßgeblichen Menschenrechte einfordern und nötigenfalls einklagen. Damit könne nicht gewartet werden, bis die Türkei innerhalb der Europäischen Union sei. Nach der Einschätzung Felmbergs ließe sich der Status quo der Christen im Land nach einem Beitritt nur noch mit großem Schaden für die Europäische Union verbessern.

Speziell christliche Soldarität

Neben allem politischen Engagement könnten Christen aber auch eine besondere ihnen eigene Form der Solidarität üben. Gertrud Casel von der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung verweist auf die Verbundenheit im Gebet. Es gebe zahlreiche Fürbittgebete und öffentliche Gebetsaufrufe weltweit - eine Praxis, die in Politik und Öffentlichkeit nur wenig wahrgenommen werde, aber umso mehr von Christen praktiziert werden sollte.


Autor: Oliver Jeske
Redaktion: Klaus Krämer