1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Glas aus Lauscha für Tannen der Welt

Ob in Finnland, den USA oder Japan: Überall auf der Welt verwandeln Christbaum-Kugeln schlichte Tannen in festliche Weihnachtsbäume. Ein Brauch, der seinen Ursprung in einem kleinen Städtchen tief im Thüringer Wald hat.

default

Lauscha weiß, was Tannen wünschen

Die Glasbläserstadt Lauscha gilt als Geburtsort des gläsernen Christbaum-Schmucks. Noch heute fertigen die Glasbläser dort Baumschmuck für den Export in alle Welt. "Made in Lauscha" ist ein Gütesiegel - seit mehr als 150 Jahren.

Lauscha, zur Weihnachtszeit 1847. Schon 30 Jahren lang stellten sich die Leute zu Weihnachten einen Tannenbaum in die Wohnung. Wie es zur Erfindung der Kugeln dafür kam, erklärt Uwe Claasen, Leiter des Glasmuseums im Ort: "Hier soll es einen Glasbläser gegeben haben, der nicht das Geld hatte, um Äpfel und Nüsse an den Baum zu hängen." Letzteres war damals üblich, erklärt Claasen. Der Glasbläser soll dann Äpfel und Nüsse aus Glas geformt haben, um sie an den Weihnachtsbaum zu hängen.

Über Versailles in die Welt

Kind schmuckt Weihnachtsbaum

Fast jeder hatte schon einmal eine Kugel aus Lauscha in der Hand

Der gläserne Christbaum-Schmuck war erfunden. Der große Durchbruch sollte aber erst zwei Jahrzehnte später kommen. Dafür sorgten deutsche Soldaten, die vor Paris standen. Uwe Claasen erzählt, dass damals das Schloss Versailles als Lazarett genutzt worden sei. "Dort haben deutsche Offiziere ein Weihnachtsfest ausgerichtet für die Verwundeten. Sie haben dort Weihnachtsbäume aufgestellt und mit dem Neuesten vom Neuen geschmückt: gläsernem Christbaum-Schmuck aus Lauscha", sagt der Museumsleiter.

Danach haben Zeitungen die Erfindung aus Thüringen bekannt gemacht, es waren die 1870er-Jahre. "Jedes gute deutsche Bürgerhaus brauchte den schönsten gläsernen Christbaum-Schmuck, hergestellt in Lauscha", sagt Classen. Der Kaufhauskonzern Woolworth habe den Export in die USA erledigt, sagt der Leiter des Glasmuseums, "ruckzuck sind auch die anderen Erdteile aufmerksam geworden".

Krokodile und Runen am Christbaum

Der Erfolgsgeschichte der Christbaum-Kugel hat das Museum eine eigene Abteilung gewidmet. Hier finden sich die ersten Kugeln aus der Zeit um 1860: Oval und schlicht mit Rot und Silber bemalt. Später folgten Kugelketten, dann Kugeln mit feinen Drähten umwickelt. Um 1900 kamen Krokodile an den Weihnachtsbaum. Claasen erklärt: "Am Weihnachtsbaum hängen oft die Hoffnungen und Wünsche der Menschen. Und das Krokodil steht vielleicht um 1900 für den Traum von Reisen in exotische Länder." Außerdem habe es in Deutschland zu dieser Zeit kaum Zoos gegeben.

Später wurde der Christbaum-Schmuck politisch. Die Weimarer Republik brachte den Zeppelin an den Baum und sogar die dicke Berta, die legendäre Kanone aus dem Ersten Weltkrieg. Baumschmuck der bedenklichen Art, den die Nazis allerdings noch übertrafen: "Es waren gläserne Kugeln, die mit Runen geschmückt waren. Es gab auch das Hakenkreuz und den Kopf von Adolf Hitler", sagt Uwe Claasen.

Crazy Kugeln

Glaserei in Lauscha

Die Spezialität von Lauscha sind mundgeblasene Christbaumkugeln

Bis heute ist der Christbaum-Schmuck aus Lauscha durchaus exzentrisch. Dafür sorgt die größte Firma im Ort. "Krebs Glas" fertigt für den Export in alle Welt. Delfine und Seepferdchen etwa für das Fest unter Floridas Palmen. Und für Japan stellt die Firma kleinere Kugeln her. Wahrscheinlich deswegen, weil die Wohnungen relativ klein in Japan seien, sagt Claasen.

Für die Amerikaner wiederum kann es nicht schrill und flippig genug sein. Ein Saxophon spielender Hippie als Weihnachtsmann plus VW-Hippiebus etwa. Oder wie wär's mit einem dekorativen Skelett für Halloween? Absoluter Renner ist dort der spärlich bedeckte Weihnachtsmann in der Badewanne von "Krebs Glas". In einem ersten Entwurf hatte die Figur allerdings eine Hand

unter Wasser. Museumsleiter Uwe Claasen kennt auch diese Geschichte: "Die prüden Amerikaner haben dann einfach dafür gesorgt, dass wir die andere Hand auch sichtbar auf dem Rand der Badewanne festgemacht haben."

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links