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Kultur

Glanz und politische Kritik

Der Favorit der 75. Oscar-Verleihung wurde zum Sieger: Der Musical-Film "Chicago" ist als bester Film ausgezeichnet worden. Erstmals seit über zwanzig Jahren holte Regisseurin Caroline Link einen Oscar nach Deutschland.

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Michael Moore - er äußerte scharfe Kritik am Irak-Krieg

Eine an Überraschungen reiche 75. Oscar-Verleihung hat dem deutschen Film in der Nacht zum Montag (24. März 2003) den größten internationalen Erfolg seit 1979 gebracht: Caroline Links Drama "Nirgendwo in Afrika" gewann die Auszeichnung für den besten nicht-englischsprachigen Film. Der begehrteste Oscar für den besten Film 2002 ging an den hohen Favoriten "Chicago", der mit insgesamt sechs Preisen mit Abstand am erfolgreichsten war.

Großer Erfolg für deutsche Produktion

Erster Deutscher Oskar seit 23 Jahren

Regisseurin Caroline Link

"Nirgendwo in Afrika" brachte endlich wieder einen großen internationalen Triumph für eine deutsche Produktion. 1979 war Volker Schlöndorffs Leinwandfassung des Günter Grass-Romans "Die Blechtrommel" mit der Auszeichnung der US-Filmakademie belohnt worden. Die 38-jährige Caroline Link konnte wegen einer Erkrankung ihrer kleinen Tochter nicht selbst den Preis entgegennehmen. Bereits 1996 war Link für ihr Kino-Debüt "Jenseits der Stille" für einen Oscar nominiert worden, hatte damals aber die Trophäe knapp verfehlt.

Statements gegen den Krieg

Adrien Brody mit Oscar

Adrien Brody mit Oscar

Der US-Dokumentarist Michael Moore, ausgezeichnet mit dem Oscar für seinen phänomenalen Welterfolg "Bowling for Columbine", nutzte die Gelegenheit der weltweit im Fernsehen übertragenen Veranstaltung zu einer ebenso spektakulären wie scharfen Attacke gegen den Irak-Krieg und Präsident George W. Bush. Diesem rief er zu: "Schämen Sie sich, Herr Bush". Adrien Brody und andere hatten sich einen Friedensanstecker ans Revers geheftet. Für Brody gab es eine echte Überraschung: Seine Verkörperung der "Pianist"-Titelrolle wurde mit dem Hauptdarsteller-Oscar gewürdigt. Er konnte damit die Altstars Jack Nicholson und Michael Caine übertrumpfen. Ebenso überraschend war die Auszeichnung für den gebürtigen Polen Roman Polanski, der den Regiepreis für das Holocaust-Drama "Der Pianist" erhielt.

Beste Hauptdarstellerin

Nicole Kidman

Nicole Kidman mit ihrer Trophäe

Die Australierin Nicole Kidman bekam die Goldtrophäe für ihre Rolle der englischen Schriftstellerin Virginia Woolf in der Frauentragödie "The Hours". Die Mexikanerin Salma Hayek wurde für ihre überragende Leistung in "Frida" nicht ausgezeichnet. "Frida" bekam aber immerhin zwei Oscars für Maske und Filmmusik. Der Preis für die beste Nebendarstellerin ging an die mit Michael Douglas verheiratete, derzeit hochschwangere Waliserin Catherine Zeta-Jones.

Kriegsgeschehen drückte die Stimmung

Eine völlige Enttäuschung erlebte auch Martin Scorsese, dessen zuvor gleich zehnfach nominiertes Epos "Gangs of New York" keinen einzigen Oscar zugesprochen bekam. Offenbar fand die kritische Betrachtung eines fast vergessenen blutigen Kapitels amerikanischer Geschichte nicht das Gefallen der Mitglieder der US-Filmakademie.

Der vierstündigen Jubiläums-Zeremonie fehlte trotz der fast vollzählig versammelten Hollywood-Prominenz die überschäumende Laune früherer Jahre. Dabei war eigentlich nur auf den Roten Teppich wegen der aktuellen Kriegsereignisse verzichtet worden, nicht aber auf Glanz und Glamour beim Aufmarsch der Stars. Und die beiden entschiedenen Kriegsgegner Susan Sarandon und Dustin Hoffman hielten sich bei ihren kurzen Auftritten während der Zeremonie sichtlich zurück. Gleichwohl ließen sie und andere allein mit der von ihnen gewählten Tonlage erkennen, dass ausgerechnet die 75. Oscar-Verleihung unter düsteren weltpolitischen Vorzeichen stand. (pf)

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