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Aktuell Europa

Glam-Rocker Gary Glitter muss für 16 Jahre ins Gefängnis

Schon Anfang Februar war der 70-Jährige wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs schuldig gesprochen worden. Nun wurde die Höhe der Strafe festgelegt. Damit ist klar: Glitter muss seinen Lebensabend im Gefängnis verbringen.

Der Richter am Southwark Crown Court warf Gary Glitter, der mit bürgerlichem Namen Paul Gadd heißt, bei der Urteilsverkündung vor, er habe kaum Reue gezeigt. Die Jury eines Gerichtes in London hatte Glitter bereits am 5. Februar für schuldig befunden, in den 1970er Jahren mehrere Mädchen missbraucht zu haben. Der Musiker hatte auf unschuldig plädiert und sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Er war Ende Oktober 2012 festgenommen, aber gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Das jüngste Opfer war keine 10 Jahre

Das Gericht sah es als erwiesen ab, dass sich Glitter auf dem Höhepunkt seiner Prominenz nach Konzerten kleine Mädchen in die Umkleidekabine hatte kommen lassen. Eines seiner Opfer soll jünger als zehn Jahre gewesen sein. Angesichts der nun verhängten langen Haftstrafe, mutmaßen Beobachter in Großbritannien, dass Glitter, der nicht mehr bei bester Gesundheit ist, das Gefängnis möglicherweise nicht mehr lebend verlassen wird.

Eltern brachten ihre Kinder hinter die Bühne

Die Frage, wie das alles überhaupt möglich war, konnte auch er nicht erklären. Teils hatten die Mütter der Mädchen ihre Kinder nach Glitters Konzerten in die Umkleidekabine gebracht. Teils waren die Eltern betrunken. Helfershelfer aus dem Umfeld des Stars schauten einfach weg, so wie bei vielen anderen Missbrauchs-Skandalen in Großbritannien.

Hautenger Overall, die stark behaarte Brust offenbarend, Schuhe mit hohen Plateausohlen, wirrer Blick – so feierte Glitter vor allem Anfang der 70er Jahre mit Singles wie "Rock and Roll" Erfolge - allerdings nur wenige.

Gary Glitter 1973 in London (Foto: AFP)

Gary Glitter 1973 in London: während der kurzen Zeit seines Ruhms hat der Glam-Rocker mehrere Kinder missbraucht.

Er ist einer aus der Glitzerbranche, der den Ruhm nicht verkraftet. Drogen und Alkohol schaden ihm. Schon Ende der 1970er Jahre kommt er in massive Geldschwierigkeiten.

Einschlägig vorbestraft in zwei Ländern

1997 entdeckte ein Computer-Techniker Kinderpornografie auf Glitters Laptop - der Anfang vom Ende. Glitter wurde verurteilt, kam ins Gefängnis, wanderte aus, kam aber in Kambodscha und Vietnam wieder wegen Kindesmissbrauchs mit dem Gesetz in Konflikt.

In Vietnam wird Glitter 2006 zu drei Jahren Haft verurteilt und sitzt zweieinhalb davon ab. Anschließend lässt ihn kaum noch ein Land einreisen. in Thailand und Hongkong muss er sogar direkt am Flughafen wieder kehrt machen. Glitter geht schließlich wieder zurück nach London, wo er eigentlich nicht mehr hin wollte.

Nur einer von vielen Missbrauchsskandalen

Als 2012 der große britische Missbrauchsskandal um den ehemaligen BBC-Moderator Jimmy Savile losbracht und sich mehr und mehr Zeugen meldeten, war Glitter der erste, den Scotland Yard festnahm. Kaum einer wunderte sich mehr in Großbritannien. Der Fall des Gary Glitter ist nur einer von den vielen britischen Missbrauchsskandalen der Vergangenheit, die nun ans Licht gekommen sind.

cw/ uh (dpa, afp)