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Kultur

Gladiatoren im Museum

Im Archäologischen Museum Frankfurt eröffnete am Wochenende die Ausstellung "Gladiatoren. Tod und Triumph im Colosseum". Kuratorin Rosella Rea will mit gängigen Klischees über brutale Kämpfer aufräumen.

Das heutige Bild über Gladiatoren sei von Hollywood geprägt und habe wenig mit der Realität zu tun, sagte Rosella Rea, Direktorin des römischen Kolosseums und Kennerin der Historie. "Die Kämpfe waren mehr als Abschlachten. Stellvertretend für jeden Römer demonstrierte ein Gladiator, wie man dem Tod entgegentrat: tapfer und kämpferisch." Somit sei er ein Ausdruck römischer Kultur, so die Kuratorin, die die Ausstellung am Samstag (27.9) eröffnete.

So lief ein Kampf nach strengen Regeln ab, zum Beispiel zwischen dem "Secutor" mit 20 Kilo Waffen und Ausrüstung am Körper und dem "Retiarius" mit Dreizack und Netz. Massenweises Aufeinander-Eindreschen gibt es nur im Film, historisch kämpfte stets Mann gegen Mann – ein blutrünstiges Spektakel muss es trotzdem gewesen sein.

Energydrinks für die Kämpfer

Hollywoodstar Russell Crowe (Foto: imago)

Hollywood prägte ein blutrünstiges Gladiatoren-Bild

Gladiatoren waren Sklaven oder Sträflinge, es gab aber auch Berufskämpfer, die in speziellen Schulen trainiert wurden. Ärzte achteten auf eine spezielle Ernährung, damit die Kämpfer fit blieben; Archäologen fanden heraus, dass viel Getreide, kaum Fleisch und ein Energydrink aus Knochenasche auf dem Speiseplan stand.

Die Kämpfer waren "eine Schicksalsgemeinschaft mörderischer Brüder", heißt es auf einer der Ausstellungs-Schautafeln. Der Sieger bekam ein Preisgeld oder die Freiheit. Der Verlierer starb oder wurde vom Publikum begnadigt. Allerdings nur, wenn er im Kampf die römischen Tugenden Tapferkeit und Todesverachtung zeigte, so Museumsdirektor Egon Wamers. Trotzdem sei nur ein geringer Prozentsatz der Gladiatoren umgekommen, betonte Kuratorin Rosella Rea; ein toter Kämpfer bedeutete nämlich hohe finanzielle Verluste.

Vormittags standen im Kolosseum Tierkämpfe auf dem Programm, je exotischer, desto besser. Mittags gab es Menschenopfer: So wurden zum Beispiel Christen gekreuzigt, auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen. Die Gladiatorenkämpfe entstanden als Begleitprogramm von Bestattungen, im Kaiserreich wurden sie verstaatlicht.

Steine, Requisiten und blutrünstige Geschichten

Ausstellung Tod und Triumph im Colosseum (Foto: dpa)

Dieser Gladiatorenhelm stammt noch aus dem alten Rom

Vespasian ließ das Kolosseum bauen, 100.000 Arbeiter schufteten zehn Jahre lang für das größte Amphitheater der Welt. Bezahlt wurde es, so Direktor Egon Wamers, mit der Beute aus dem römisch-jüdischen Krieg, in dem Jerusalem zerstört wurde. "Die Eröffnungsfeier im Jahr 80 nach Christus dauerte 100 Tage. Hinter den Kulissen des prächtigsten Gebäudes im römischen Reich war es eng, dunkel, brütend heiß, brüllend laut und es stank."

All diese Informationen erhalten die Besucher auf Schautafeln. Originalexponate gibt es allerdings nur wenige: Es werden ein paar Steine aus dem römischen Kolosseum und archäologische Funde mit Gladiatoren-Motiven gezeigt, hauptsächlich aber Rekonstruktionen von Waffen und Ausrüstung. Die Ausstellung läuft bis zum 21. März 2015. Danach zieht sie weiter nach Finnland.

suc/rb (dpa)