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Wissen & Umwelt

Glühende Lava im Garten - fast schon normal auf Hawaii

Die Bewohner Pahoas können aufatmen: Der Lavastrom, der dabei war, ihr Städtchen zu überrollen, stoppte kurz vor der Stadtgrenze. Aber in Sicherheit sind sie nicht: Es kann jederzeit wieder losgehen.

Die Lava des Kilauea floss bis zum Recyclinghof in Pahoa, Big Island. Dort stoppte sie (Foto: DW/Brigitte Osterath).

Am Recyclinghof von Pahoa hörte die Lava auf zu fließen

Im Treibhaus von Sheila und Lew Nakamura herrscht Chaos: Teile des Dachs liegen auf dem Boden, umgeben von Holzbrettern und leeren, umgefallenen Blumentöpfen. Vor acht Monaten hat ein Hurrikan große Teile ihrer Gärtnerei in Pahoa niedergerissen. Aber erst jetzt wollen sie alles wieder herrichten: "Wir dachten bisher, dass es sich nicht lohnt, weil eh die Lava kommt", erzählt mir Sheila.

Sheila Nakamura in ihrer Gärtnerei. Sheila Nakamura wäre beinahe eines der Opfer des Lavaflusses vom 27. Juni 2014 auf Hawaii geworden (Foto: Rainer Dückerhoff).

Sheila Nakamura ist froh, dass die Lava doch nicht in ihre Gärtnerei gerollt kam

Denn seit Monaten war Lava aus dem Vulkan Kilauea auf dem Weg nach Pahoa - und auf ihr Grundstück. "Der Zivilschutz sagte uns, die Lava würde vermutlich direkt bei uns durchs Tor da hinten kommen." Sheila lacht, aber ich sehe ihr an, dass sie viel mitgemacht hat. Ja, die letzten Monate seien die Hölle gewesen: "Jeden Morgen haben wir im Internet

nachgesehen, wo die Lava gerade ist

und wie weit sie sich bewegt hat." Erst vor wenigen Wochen ist der für Pahoa so bedrohliche Strom zum Stehen gekommen.

Ende März hat das Hawaiian Volcano Observatory, das sämtliche Vulkane und ihre Aktivitäten auf Hawaii überwacht, die Gefahr für die Gegend offiziell heruntergestuft - nachdem monatelang Alarmzustand herrschte.

In Hawaii lebt die Erde - und ist wütend

Es erscheint wie ein Alptraumszenario, aber glühende Lava, die aus einem Vulkan strömt, ist auf Big Island, der größten und jüngsten Insel Hawaiis, keine Seltenheit. Hawaii liegt direkt über einem Hotspot, einer ungewöhnlich heißen Region des Erdmantels, und Big Island ist die vulkanisch aktivste aller Inseln. Fünf Vulkane gibt es hier, die nach und nach ihre Lava über die 10.000 Quadratkilometer große Insel schütten.

Big Island, Hawaii, aus der Luft (Foto: Rainer Dückerhoff).

Big Island hat schon so einige Vulkanausbrüche hinter sich

Als ich per Flugzeug auf Big Island eintraf, glaubte ich erst, der Pilot habe sich im Planeten geirrt. Das hier sieht gar nicht mehr aus wie unsere Erde. Große Teile der Insel sind von schwarzem Lavagestein bedeckt: Eine Menge Vulkaninneres hat sich nach und nach seinen Weg in Richtung Meer gewälzt.

Vulkan im Dauerbetrieb

Aus dem Krater des Kilauea dampft es. Unten im Krater sieht man nach Einbruch der Dunkelheit sogar einen Lavasee glühen - ganz schön unheimlich.

DW-Reporterin Brigitte Osterath im Gespräch mit Geophysiker Jim Kauahikaua des Hawaiian Volcano Observatory (Foto: Rainer Dückerhoff).

Jim Kauahikaua vom Hawaiian Volcano Observatory: "Kilauea bricht oft aus."

Ja, Kilauea bricht gerade aus - und das schon

seit 32 Jahren

. Jim Kauahikaua, Geophysiker am Hawaiian Volcano Observatory, nennt es einen "ziemlich stabilen Ausbruch" mit nur noch wenigen Veränderungen. Die Lava fließt nicht aus dem Krater selbst, sondern aus einer Spalte mit dem eigenartig anmutenden Namen Puʻu ʻŌʻō, knapp 20 Kilometer weiter östlich.

Lavavorhersage

Ein Gutes haben die

Ausbrüche des Kilauea

: Die Lava fließt sehr langsam, Zentimeter für Zentimeter - man hat Zeit, seine Sachen zu packen und wegzugehen. Aber aufhalten kann niemand die Lava. Es bleibt nur, gefährdete Gebiete zu evakuieren.

Jim und seine Kollegen berechnen mit Hilfe von

topologischen Karten

, wohin ein Lavastrom höchstwahrscheinlich fließen wird, sobald er die Spalte verlässt. "Aber es ist unmöglich, anzugeben, wann der Lavastrom an einem bestimmten Ort ankommen wird." Denn die Geschwindigkeit des Lavastroms ändere sich ständig: "Lava hört immer wieder auf zu fließen und beginnt dann wieder."

Überraschung für die Vulkanforscher

Im Jahr 1990 begrub Lava des Kilauea bereits das Städtchen Kalapana im Südosten der Insel unter sich. Am 27. Juni 2014 machte sich ein Lavastrom von Puʻu ʻŌʻō in Richtung Pahoa auf.

Jim und seine Kollegen am HVO rechneten fest damit, dass die Lava zunächst das Einkaufscenter von Pahoa und dann den Highway unter sich begraben würde - und schließlich die gesamte Stadt. Aber kurz zuvor stoppte sie. "Niemand von uns hätte das für möglich gehalten", sagt Jim. "Wir bemühen uns jetzt, herauszufinden, warum die Lava das getan hat."

Hawaii lohnt sich trotzdem

Die Nakamuras sind überglücklich, endlich ihr normales Leben wieder aufnehmen zu können. Aber sie wissen, dass es keine absolute Sicherheit auf dieser Vulkaninsel gibt: "Jeden Augenblick könnte es wieder losgehen", sagt Sheila. Sie hofft, zumindest ein paar Jahre Ruhe zu haben. "Wir kennen Leute, die für immer weggegangen sind, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben", sagt sie. "Aber uns gefällt es sehr in Pahoa, wir wollen nicht weg."

Kalapana wurde 1990 von Lava überschwemmt. Die Menschen bauen dort wieder. (Foto: DW/Brigitte Osterath).

Kalapana wurde 1990 von Lava überschwemmt. Einige Anwohner haben sich davon nicht abschrecken lassen.

Wer komplett vor Vulkanausbrüchen sicher sein will, muss wohl Big Island und sogar Hawaii ganz verlassen. Aber das käme auch für Geophysiker Jim nicht in Frage: "Dann würde ich ja all das Gute zwischen den Erdbeben und den Vulkanausbrüchen verpassen", lacht er. Nach drei Wochen auf dieser schönen Insel mit ihren so freundlichen Bewohnern kann ich das gut nachvollziehen.

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