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Reise

Glückliche Tage in Rheinsberg

Rheinsberg im Norden Brandenburgs war der Jugendsitz Friedrichs des Großen von Preußen. Die idyllische Landschaft und die erfolgreiche Wiederbelebung untergegangener kultureller Tradition bringen es zu neuer Blüte.

Schloss und wiederaufgebautes Theater in Rheinsberg

Schloss und wiederaufgebautes Theater in Rheinsberg

Das kleine Städtchen Rheinsberg, 100 km von Berlin entfernt, ist jedem echten Berliner ein Begriff. Eine Art gemeinsamer Erinnerungsort fürs Wohlbefinden. Mit Rheinsberg verbindet fast jeder Berliner Unbeschwertheit und (kleines) Glück.

Daran ist, wie an so vielem, vor allem der "Alte Fritz", schuld: In Rheinsberg habe er, Friedrich II von Preußen, "die schönste Zeit" seines Lebens verbracht, gestand der sonst meist zynische und gefühlskalte Eroberungskrieger. Ein kleines Schloss wurde für ihn erweitert und ein Park angelegt. Hier hielt er sich als Kronprinz zwischen 1736 und 1740 einen Musenhof mit Musikern, Malern und freigeistigen Gesprächspartnern, fern von seinem kunstfeindlichen Vater, dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.

Tucholskys "Bilderbuch für Verliebte"

Mit dem Bau einer Eisenbahnlinie kam Rheinsberg auch in die Reichweite ganz gewöhnlicher Berliner. Durch seine Erzählung "Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte" machte Kurt Tucholsky 1912 sich selbst und den halb vergessenen Ort mit einem Schlag wieder berühmt.

Wald bei Rheinsberg

Wald bei Rheinsberg

Mit dem Auto ist schon die Fahrt von Berlin über die wunderbaren alten Alleen ist ein Genuss. In den ausgedehnten Wäldern laden dutzende Seen zum Baden ein. Das Flüsschen Rhin und zahlreiche Kanäle verbinden viele davon, so dass man tagelang mit einem Kajak oder kleinen Paddelbooten durch die recht einsame Gegend schippern kann.

Der vergessene Prinz

Den eigentlichen Grundstein dafür, dass Schloß und Stadt heute wieder fest mit dem geistigen Leben der Hauptstadt verbunden sind, legte jedoch ein Mann dessen Name vor lauter "Altem Fritz"-Rummel beinahe vergessen wird: Prinz Heinrich von Preußen. Der jüngere Bruder Friedrichs II verbrachte nicht nur vier sondern über fünfzig Jahre seines Lebens hier in den märkischen Wäldern. Er machte Rheinsberg zu dem, was es heute nach langer Verschlafenheit wieder geworden ist: Ein Ort der Musik und des Theaters, der ein internationales Publikum anzieht.

Große Oper fast wie in Paris

Der ungeliebte große Bruder schenkte Heinrich Schloss und Herrschaft als angemessene Residenz, besuchte ihn aber nie.

Schlossinsel Rheinsberg

Schlossinsel Rheinsberg

Dabei hätte er dort einiges erleben können: Die Umgebung des Schlosses ließ Heinrich zu einem der ersten englischen Landschaftsgärten Deutschlands umgestalten. Park, See und Wälder verbinden sich zu einem malerischen Gesamtkunstwerk. Dort wurde im Sommer gefeiert und getanzt. Selbst Opern wurden zwischen Buchenhecken gegeben, Open-Air im Rokoko-Stil. 1774 kam sogar ein festes Haus dazu. Eine aus Paris vor der französischen Revolution geflohenen Marquise berichtete 1791 davon: "Zweimal in der Woche haben wir ein ausgezeichnetes Theater. Man gibt abwechselnd große Opern, die, was die Musik betrifft, ebensogut aufgeführt werden wie in Paris". Das alles war, nachdem Heinrich am 3. August 1802 in seinem Schloß verstorben war, für lange Zeit vorbei. Das Theater stand leer. In den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges schlug eine verirrte Granate ein, Wind und Wetter zerstörten es bis auf die Außenmauern.

Internationales Opernfestival

Nach der Wende begründete 1991 der Berliner Komponist Siegried Matthus die musikalische Tradition Rheinsbergs neu und etablierte dort die "Kammeroper Schloß Rheinsberg". Die Mischung aus Nachwuchswettbewerb und Sommerfestival ist mittlerweile zu einer der beliebtesten und renommiertesten Adressen weltweit für junge Opernsänger geworden. Im Schlosshof, im Gartentheater, am Seeufer und im neu-ausgebauten Schlosstheater werden pro Sommer vier Stücke mit erfahrenen Regisseuren erarbeitet und aufgeführt.

Auch Schloss und Park wurden, so weit es ging, wieder in den Zustand versetzt, den Prinz Heinrich einst geschaffen hatte.

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  • Autorin/Autor Michael Brückner
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