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Wirtschaft

Glückliche Realisten

Eine US-Studie zeigt Erstaunliches: Während sich weltweit viele Menschen Sorgen um ihre wirtschaftliche Lage machen, sind die Deutschen wahre Optimisten. Das kann niemanden überraschen, meint Manuela Kasper-Claridge.

Strahlende Gesichter auf den Straßen, glückliche Unternehmenschefs, zufriedene Arbeitnehmer - ist Deutschland eine Insel der Glückseligen in Zeiten der Krise? Diesen Eindruck kann man haben, wenn man die Studie des Washingtoner Pew Research Centers liest. Danach bewerten 85 Prozent der Deutschen die wirtschaftliche Situation in ihrem Land positiv - im Gegensatz zu Menschen in anderen entwickelten Volkswirtschaften. So sind in den USA nur 40 Prozent positiv gestimmt, in Japan 35 und in Frankreich gerade mal 12 Prozent.

The German Mittelstand

Tatsächlich ernten die Deutschen die Früchte harter Arbeit. Schon vor der weltweiten Finanzkrise verzichteten die Arbeitnehmer auf hohe Lohnsteigerungen und ermöglichten so Investitionen ihrer Unternehmen trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds. Der deutsche Mittelstand, der immerhin 60 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigt, verfolgte auch in Krisenzeiten eine kontinuierliche Beschäftigungspolitik. "Hire und Fire", das war und ist kein Modell für viele dieser Unternehmer. Stattdessen Fortbildung und Weiterbildung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der "German Mittelstand", wie ihn die Angelsachsen nennen, ist ein wichtiger Jobmotor für Deutschland. Nicht wenige dieser Unternehmen sind Weltmarktführer auf ihrem Gebiet. Ob es der Maschinenbauer aus Baden-Württemberg ist oder der Kranbauer aus Sachsen.

Europäer sorgen sich um Arbeitsplätze

Leiterin DW Wirtschaftsredaktion

Manuela Kasper-Claridge

Ganz anders dagegen die Stimmung in Griechenland, Spanien oder Italien. Dort ist die Angst vor Arbeitslosigkeit Thema Nummer Eins. Deutschland profitiert dagegen stark von seiner industriellen Basis. Hier werden noch Produkte hergestellt und nicht nur Dienstleistungen vermittelt: attraktive Autos, hochmoderne industrielle Anlagen oder sogar Turmuhren. Die vierte industrielle Revolution ist bereits im Gange, die deutschen Maschinenbauer arbeiten an der Fabrik von Morgen. Maschinen und Produkte, die sich miteinander abstimmen, das soll die Wettbewerbsfähigkeit sichern und qualifizierte Arbeitsplätze schaffen. Das volkswirtschaftliche Potenzial der Industrie 4.0 liegt bis 2025 bei gut 267 Milliarden Euro am Standort Deutschland, errechnete das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft.

Pessimistisch wie die Afrikaner

Das Glas ist mindestens halbvoll für die Deutschen, obwohl es für die meisten Europäer halb oder ganz leer ist. 88 Prozent der europäischen Befragten sagen, dass es um die wirtschaftliche Situation ihres Landes nicht gut bestellt sei. Ähnlich pessimistisch bewerten nur manche Afrikaner ihre Lage, darunter Kenia oder Senegal.

Millionäre legen zu

Die Finanzkrise hat die wirtschaftliche Situation zahlreicher Menschen verschlechtert. Hoffnung auf Besserung ist für viele noch nicht in Sicht. Deshalb steigen die Wut und das Unverständnis angesichts wachsender Einkommensunterschiede. In den USA wächst die Schicht der ganz Reichen. So ist die Zahl der Millionäre in den USA und Kanada stärker gestiegen als in Europa, Asien, Lateinamerika und den Nahen Osten zusammen. Die 2,5 Millionen Millionäre kontrollieren ein Drittel des amerikanischen Gesamtvermögens, vermeldet die US Investmentbank Merill Lynch in einer Studie. Für die Banker sicher Anlass über neue Anlageempfehlungen nachzudenken. Andere regen sich darüber auf und das zu recht.

Arm und reich

46 Prozent der US-Amerikaner halten die Unterschiede zwischen arm und reich für zu hoch, vermeldet der Washingtoner Think Tank. Doch auch 84 Prozent der Griechen und 55 Prozent der Südkoreaner macht das Sorgen und ja, auch den Deutschen. Hier klagen 39 Prozent über die zunehmenden Unterschiede zwischen arm und reich. Deutschland ist also nicht nur ein Land voller Optimisten, sondern auch von Realisten.

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