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Deutschland

Glücklich durch Sport

Aufgeben? Niemals! Erst wenn alle Teilnehmer mit glücklichen Gesichtern vom Sportplatz gehen, ist auch Susanne Deppe-Polzin am Ziel. Die junge Frau betreut ehrenamtlich Menschen, denen das Leben wenig geschenkt hat

"Ja Renée gib Gas, komm, klasse. Davide, ja komm, das hast du doch schon geschafft!" Susanne Deppe-Polzin ist von der Leistung ihrer Sportgruppe wieder einmal hellauf begeistert. Aufmerksam und konzentriert steht sie am Rande des Sportstadions und feuert unermüdlich zehn Männer und Frauen gemischten Alters an, noch eine weitere Runde zu drehen. Schließlich will fast jeder auch im nächsten Jahr wieder einen Marathon oder zumindest einen Halbmarathon laufen. Eine echte Herausforderung, denn alle, die regelmäßig zweimal die Woche mit der engagierten Kölnerin trainieren, haben in ihrem bisherigen Leben gar keinen oder nur sehr selten Sport gemacht. Etwa der 50-jährige Herbert - erst die Arbeit verloren, dann die Wohnung, dafür einen Haufen Schulden:

"Ich kam als Wohnungsloser nach Köln", erzählt er, "hier gab es dann das Angebot für ein Lauftraining. Wieder anzufangen und wieder im Verein zu sein - es ist einfach Erholung, alles hinter sich lassen."

Sport gibt Halt im Alltag

Porträt: Susanne Deppe-Polzin

Susanne Deppe-Polzin: "Sport macht mich glücklich."

Dank des Sports hat der gelernte Maschinenbauer wieder Lebensmut geschöpft und arbeitet zur Zeit als Stadtführer. Ob obdach- oder arbeitslos, süchtig, behindert, oder psychisch krank – Susanne Deppe-Polzin hat gegen schwierige Lebenssituationen ein ganz einfaches wie wirksames Rezept: Sich bewegen und sportlich betätigen. Dass beim Sporttreiben vermehrt Endorphine, sogenannte Glückshormone, produziert werden, bestätigen auch die Sportmediziner und Trainer an der Deutschen Sporthochschule in Köln, der weltweit größten Sportuniversität. Das Training gibt den Teilnehmern, die alle am Rand der Gesellschaft stehen oder standen, aber viel, viel mehr: eine Struktur in ihrem oftmals chaotischen Alltag, mehr Selbstvertrauen, Mut, körperliches Wohlbefinden und damit glückliche Momente. "Schnell war die Idee geboren, dass man Bedürftige und Obdachlose zum Laufen bringt", erzählt Susanne Depde-Polzin. Sie gründete einen Verein, nicht als neues Sportangebot, sondern mit der Idee: "Wenn jemand Ausdauer lernt, kann er es auch im Alltag umsetzen." Gemeinsam mit Kolleginnen hat sie dann in Obdachlosheimen und sozialen Brennpunkten kräftig die Werbetrommel für das kostenloses Sportangebot gerührt und konnte sich anschließend vor Zusagen kaum retten. Vor genau einem Jahr war es dann soweit: In einer Turnhalle der Deutschen Sporthochschule wurde der "Grenzenlose Sportverein" gegründet.

Gruppenbild der Mitglieder vom Grenzenlosen Sportverein

Eine starke Truppe – Mitglieder des Grenzenlosen Sportvereins

Solidarität und Selbstwertgefühl statt Leistungsdruck

"Höher, schneller, weiter? Nicht mit uns!" Darauf kommt es der von Kopf bis Fuß durchtrainierten Sportlerin Deppe-Polzin und ihren Schülern nämlich nicht an. Das Vereinskonzept funktioniere nur, weil statt Höchstleistungen ganz andere Herausforderungen gefragt seien: Regelmäßige Teilnahme am Training, Pünktlichkeit, Vertrauen zu Anderen, zu sich selbst, Verzicht auf Alkohol, Zigaretten und andere Drogen - und vor allem der gemeinsame Spaß an der Bewegung. Es gehe nicht allein darum den Sport zu vermitteln, sondern auch Spaß, Freude, das Zusammensein. "Dem normalen Menschen fällt es schon schwer, regelmäßig Sport zu machen und wenn dann noch Probleme hinzukommen, dann ist es natürlich noch schwerer, das zu machen." Neben Laufkursen bietet der "Grenzenlose Sportverein" auch Gymnastik, Bewegungsspiele, Koordinations- und Krafttraining an, teilweise in Zusammenarbeit mit kirchlichen Sozialverbänden wie der Diakonie und Sozialämtern. Das Konzept kommt an – die Trainingstermine werden von allen Teilnehmern penibel eingehalten, Fehlzeiten gibt es so gut wie nie.

Glück im Doppelpack

Sportler bei Übungen auf dem Rasen. Alle Rechte bei Grenzenloser Sportverein 2013.

Umsonst und integrativ - Sport auch für Unsportliche

Dabei hatte es die alleinerziehende Mutter eines Sohnes selbst nicht immer leicht. Susanne Deppe-Polzin musste in ihrem Leben schon so manch großen Stolperstein aus dem Weg räumen, erzählt sie freimütig. Der Sport habe ihr aber immer neuen Lebensmut und tiefe Glücksgefühle geschenkt, so die gelernte Krankenschwester, Heilpraktikerin sowie Lauf- und Ausdauertherapeutin. Ihr Wunsch: dieses Geschenk auch an Andere weiterzugeben. Neben ihrem ehrenamtlichen Engagement verdient Susanne Deppe-Polzin ihren Lebensunterhalt in ihrem Traumberuf. Sie ist Personal-Trainer und Gesundheitscoach bei der Organisation "Fit durch Köln". Ihr Lebensmotto: "Gleichgültig wie schnell Du bist, Du musst nur zusehen, dass Du Dein Ziel nicht aus den Augen verlierst und dich nicht mit der Geschwindigkeit der anderen vergleichst. Dann wird es Dir gut ergehen, denn Du bist einmalig."

Aller Anfang war schwer

Dabei war sie nicht immer so sportbegeistert, verrät sie und erzählt eine kleine Geschichte: "Damals nach der Geburt, da war ich ja ein bisschen kräftiger, da hat mein Mann mich zum Laufen mitgenommen. Zwei Kilometer - ich in Sneakers und im Wollpulli. Ich habe es gehasst. Ich bin vom Kölner Süden bis zum Dom gelaufen und habe einen halben Tag dafür gebraucht." Danach sei sie dann dreimal wöchentlich fünf Minuten um den Block gelaufen und steigerte peu a peu Streckenlänge und Runden.

Susanne Deppe-Polzin erreicht nach einem Lauf überglücklich das Ziel.

Geschafft: "Das Ziel zu erreichen, genügt."

Das Schöne beim Laufen sei, dass man es überall und zu jeder Zeit machen könne und es den Kopf freimache. So seien mit der Zeit durch die Teilnahme an den Kursen auch richtige Freundschaften entstanden. Denn neben dem Sport gebe es in den Kursen auch immer genügend Zeit, Probleme anzusprechen und sein Herz auszuschütten. Hier helfen zu können, macht Susanne Deppe-Polzin wirklich glücklich: "Das ist eine Lebensaufgabe. Mit 37 Jahren überlege ich mir schon, was ist mein Lebensziel? Und mein Ziel ist einfach ein Verein für Menschen, die sich keinen Sport leisten können. Und wenn ich dann mal als alte Frau sage, da hast du was geschafft im Leben – schön!"

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