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Glück

Für jeden bedeutet es etwas anderes, Glück zu haben oder sein Glück zu finden. Eines ist sicher: Verdienen kann man sich es nicht. Häufig fällt es einfach vom Himmel, und zwar dann, wenn man es nicht erwartet.

Es gibt ein Glückshormon, Serotonin, es gibt Dutzende von Glücksratgebern, Tausende von Glücksbringern. Alle Menschen jagen dem Glück hinterher – alle vergebens? Und welchem Glück überhaupt?

Vom guten und bösen Glück

Selbst die gelehrten Brüder Grimm sahen ein: "Unerschöpflich ist die Fülle der vorstellungen von art und wirkung des glückes." Das war anders als das Glück noch "gelücke" hieß, erstmals 1160 belegt. Da bedeutete es noch ganz allgemein "Zufall, Schicksal oder Geschick". In der Wendung "auf gut Glück" hat sich die neutrale Bedeutung bis heute erhalten. Erst durch die nähere Bezeichnung "gutes Glück" bzw. "böses Glück" wurde die positive oder negative Bedeutung zum Ausdruck gebracht.

Dem englischen "luck" hört und sieht man die Verwandtschaft mit dem mittelhochdeutschen "gelücke" an. Wer "bad luck" hat, hat Pech gehabt – hat aber im Englischen kein Wort dafür. Aber dafür hat er noch zwei weitere Glücks-Worte: "Fortune" und "Happiness". Im Deutschen haben wir nur das Glück, das sich "zur Bezeichnung des wünschenswerten Zustands starker innerer Befriedigung und Freude" entwickelt hat. So jedenfalls lehrt es das "Etymologische Wörterbuch des Deutschen".

Geld macht nicht glücklich

Ausschließlich auf eigene Fähigkeiten kann sich der Mensch nicht verlassen. Die Redewendung "Glück muss der Mensch haben!" beinhaltet diese Erkenntnis. Das Glück ist hier "fortuna", die Schicksalsmacht. Diese Art von Glück hat man im Spiel, bei Frauen, bei der Parkplatzsuche – oder eben nicht. Ein solches Glück kann man sich nicht verdienen. "Das Glück ist blind", sagt Cicero. Doch es gibt auch ein Glück, das nicht vom Zufall abhängt, eines, das man sich erarbeiten kann. Das wird zumindest behauptet. "Glück hat nur der Tüchtige" versichert ein Sprichwort. Gemeint ist das Glück des materiellen Wohlstands, ein relatives Glück.

Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich. "Er hat im Leben viel Glück gehabt und ist doch niemals glücklich gewesen", heißt es in einer alten Grabinschrift. Wäre der Tote sehr früh verstorben, aber sehr glücklich, hätte er ein Beispiel abgeben können für "Glück im Unglück". Eine deutsche Spezialität? Offensichtlich: die Franzosen nannten dieses zwiespältige Glück einst "le bonheur allemand", eine Anspielung auf vermeintliche deutsche Leidensfähigkeit.

Fatalismus ist angesagt

Ist Glück Glückssache? Die Anhänger der Aktivität pochen auf Tüchtigkeit: Jeder ist seines Glückes Schmied. Diese Verantwortlichkeit wird zu einem "Selbst schuld!" bei dem, der das Glück mit Füßen tritt, es abweist. Die Sternen- und Schicksalsgläubigen geben sich fatalistisch: Das Glück lacht dich an oder es kehrt dir den Rücken, kurz: man hat es oder nicht.

Diesen scheinbaren Widerspruch zwischen aktiven und passiven Glücksgefühlen löste der Schriftsteller Jonathan Swift sehr schön auf: "Zum Segen des Glücks bekennen sich nur die Unglücklichen; die Glücklichen führen alle ihre Erfolge auf Klugheit und Tüchtigkeit zurück."

Glückliche sind dumm

Grob gesagt: Wer nie Glück hat, merkt es. Wer Glück hat, merkt es nicht. Warum? Sehr grob gesagt: der Dummheit wegen. Das gilt nicht bloß für den (passiven) ewig begünstigten Glückspilz, auch der aktive "Hans im Glück", der im Märchen trotz ruinöser Tauschgeschäfte subjektiv erfolgreich ist, transportiert die Moral "Nur die (im positiven Sinne) Einfältigen finden das Glück".

Neid spricht aus den volkstümlichen Worten "Er hat mehr Glück als Verstand", und auch aus dem Wunsch "Einen Tropfen Glück möchte ich haben oder ein Fass Verstand" des griechischen Komödiendichters Menander. Der Mann wusste, wie wenig verlässlich der Verstand ist, er wusste: Denken ist Glückssache.

Glücksbringer

Wer will nicht das Glück beim Schopf fassen, auf seine Seite ziehen? Es ist überall so: was viele wollen, bekommen nur wenige. Die Glücksvorstellungen sind verschieden, die Wege zum Glück erst recht, der Drang zum Glück ist groß.

Hoch im Kurs stehen Glücksbringer aller Art: Glückskäfer, Glücksschweine, Glücksklee und Glückspfennige – alle dienen nur einem Zweck: das Glücksrad (das Rad der Fortuna) soll einmal nur an der richtigen Stelle anhalten. Und wenn es schon mal anhält, dann soll es auch bleiben, das Glück.

Ende gut! Alles gut?

Glück aber ist kein Zustand – zum Glück! Schon bei kleinen Glücksmomenten darf man sich glücklich schätzen. Eine längere Verweildauer, eine Glückssträhne, ist bereits selten. Vorsicht: es kann schnell schlechter werden! "Und darum", wusste Kurt Tucholsky, "und darum wird beim Happy End im Film jewöhnlich abjeblendt."

Autor: Stefan Reusch

Redaktion: Beatrice Warken

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