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Sport

Glück und Elend am Elfmeterpunkt

Als Peter Handke seine "Angst des Tormanns beim Elfmeter" schrieb, kannte er offensichtlich noch keine englischen Schützen. Weltmeister am Elfmeterpunkt sind eindeutig andere: die Deutschen nämlich.

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'Elfmeter-Töter' Jens Lehmann

Elfmeterschießen ist eine deutsche und absolut keine englische Sportart - zumindest bei Fußball-Weltmeisterschaften. Drei Mal versuchte sich die englische Fußball-Nationalmannschaft bei WM-Turnieren im Elfmeterschießen, drei Mal ging es daneben: 1990 im Halbfinale gegen Deutschland, 1998 gegen Argentinien, 2006 gegen Portugal.

Ganz anders die Deutschen: Vier Mal mussten deutsche Schützen bisher bei WM-Turnieren in K.o.-Spielen an den Punkt, jedes Mal gewannen sie das Nervenspiel. Von 18 Schüssen ging nur der von Ulli Stielike 1982 gegen Frankreich nicht ins Netz. Der Clou: Nach dem Elfmeter-Glück führte der Weg immer ins WM-Finale - allerdings nicht immer zum WM-Sieg.

8. Juli 1982, Sevilla, Halbfinale:
Deutschland - Frankreich 5:4

Nach einer dramatischen Verlängerung, in der die deutsche Elf einen 1:3-Rückstand aufholt, kommt es zum ersten WM-Elfmeterschießen überhaupt. Torhüter Harald Schumacher macht den einzigen deutschen Fehlschuss von Ulli Stielike mit einer Parade gegen Six wieder wett. Der Kölner pariert danach auch noch den Schuss von Bossis. Dann tritt Horst Hrubesch an den Kreidepunkt und drischt den Ball an Schlussmann Ettori vorbei ins Netz. Deutschland steht zum vierten Mal im Finale. Das verliert die Elf von Jupp Derwall gegen Italien mit 1:3.

21. Juni 1986, Monterrey, Viertelfinale:
Deutschland - Mexiko 4:1

Nach dem Platzverweis von Thomas Berthold rettet sich das deutsche Team gegen den WM-Gastgeber in Unterzahl ins Elfmeterschießen, in dem wieder Schumacher zum Helden wird. Schon in der regulären Spielzeit hatte "Toni" mit einem großartigen Reflex gegen Servin das 0:0 gerettet. Im Elfmeter-Krimi hält der Kölner die Schüsse von Quirarte und wiederum Servin, sein Club-Kollege Pierre Littbarski versenkt den entscheidenden Elfer. Im Finale leitet ausgerechnet Elfmeter-Töter Schumacher mit einem Fehler die 2:3-Niederlage gegen Argentinien ein.

4. Juli 1990, Turin, Halbfinale:
Deutschland - England 4:3

Der Klassiker entscheidet sich erst im Elfmeter-Drama, und wieder ist ein Kölner Torhüter der Held. Die ersten drei Schützen auf beiden Seiten treffen, dann kommt der große Moment von Bodo Illgner. Es ist 22.41 Uhr, als er den Schuss von Englands Verteidiger Pearce mit dem Knie abwehrt. Nach dem 4:3 von Olaf Thon drischt Waddle den Ball über das Tor in die Zuschauerränge. Deutschland steht um 22.43 Uhr zum sechsten Mal im WM-Finale und holt mit einem 1:0 gegen Argentinien zum dritten und bislang letzten Mal den Weltpokal. Das Siegtor für die Beckenbauer-Elf in Rom schießt Abwehrspieler Andreas Brehme - in der 85. Minute und bezeichnenderweise vom Elfmeterpunkt.

30. Juni 2006, Berlin, Viertelfinale:
Deutschland - Argentinien 4:2

Jürgen Klinsmann kann sich auf vier bombensichere Schützen - Neuville, Ballack, Podolski, Borowski - und einen Torhüter-Helden namens Jens Lehmann verlassen. Auf einem Spickzettel, den Lehmann von Torwarttrainer Andreas Köpke zugesteckt bekommt und den er im rechten Stutzen versteckt, stehen auch die Lieblingsecken von Ayala und Cambiasso - beide scheitern an der deutschen Nummer 1. "Es ist alles aufgegangen", jubelt Köpke. Nach dem vierten Elfmeter-Krimi mit Happy End ist der Weg ins insgesamt achte WM-Finale vorgezeichnet. (wga)

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