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Kultur

"Glück auf" für Bochum nach der Kohle

Das Zeitalter der Kohle hat viele Spuren hinterlassen. Das Bergbau-Museum in Bochum ist das größte der Welt. Es steht im ehemaligen deutschen Kohlerevier. Ein Rundgang durch die Industrie-Geschichte.

Schon von Weitem bietet das Deutsche Bergbau-Museum (DBM) in Bochum einen imposanten Anblick. Das rote Klinker-Gebäude trägt den strengen Stil der 1930er Jahre, darüber erhebt sich ein riesiger Förderturm: das erste Industriedenkmal des Ruhrgebiets, dem ehemaligen deutschen Kohlerevier. Der Turm stammt aus der Anfang der 1970er Jahre stillgelegten Zeche Germania in der Nachbarstadt Dortmund.

Der erste Eindruck verspricht nicht zu viel: Das Bochumer Bergbau-Museum ist mit seinen 13.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche das größte Museum für Bergbau der Welt. Zudem ist es mit etwa 380.000 Besuchern jährlich eins der meistbesuchten Museen Deutschlands.

2,5 Kilometer unterirdische Gänge

Eine der Besonderheiten in Bochum ist von oben gar nicht zu sehen. In einer Tiefe von 17 bis 22 Metern unter dem Bergbau-Museum befindet sich ein komplettes Anschauungsbergwerk. Über 2,5 Kilometer erstrecken sich die unterirdischen Gänge. Schon 1936 wurde mit ihrem Bau begonnen, erklärt Eva Koch vom DMB im Aufzug, der die Besucher "unter Tage" bringt, wie die Bergleute sagen. "So etwas wäre heute kaum mehr finanzierbar", sagt Koch. Das DBM verfüge damit über einen Schatz, der es weltweit einzigartig mache.

Unten angekommen, ist es merklich kühler, die Luft ist feucht. Besucher, die ihre Jacken mitgebracht haben, sind jetzt dankbar darüber. Hier unterscheidet sich das Anschauungsbergwerk von richtigen Bergwerken - ab 25 Metern Tiefe steigt die Temperatur um drei Grad Celsius pro 100 Meter. In über 1000 Metern Tiefe müssen Bergleute also ordentlich schwitzen.

Das Material stammt aus echten Bergwerken

Abgesehen von den Temperaturen wirkt das Anschauungsbergwerk jedoch täuschend echt. Eva Koch geht voran in eine so genannte "Strecke", also einen Transporttunnel. Auf dem Boden liegen Schienen für die Förderwägen, die Wände des Tunnels sind mit Holzplanken und Metallträgern befestigt. Eine unglaubliche Menge Material wurde hier unten verbaut. "Alles, was Sie hier sehen, stammt aus echten, meist stillgelegten Bergwerken", erklärt Koch. Jeder wichtige Arbeitsplatz im Steinkohlebergbau sei hier dargestellt, dazu widmet sich eine Sektion auch noch dem Erzabbau.

An einer Abzweigung weiter vorne kann man Maschinen anfassen, mit denen in den 1930er Jahren Steinkohle abgebaut wurde, so genannte Abbauhämmer. Koch öffnet ein Druckluftventil, dann können Besucher die Hämmer in die Hand nehmen und anschalten: Wie Presslufthämmer rattern die bohrmaschinenförmigen Geräte los, jeder wiegt etwa zwölf Kilo. "Wir sind ein Museum zum Anfassen", sagt Koch. Viele Maschinen kann man anschalten und bei dem Höllenlärm, den sie machen, nachvollziehen, was Arbeit im Bergbau bedeutet hat.

Arbeit unter Tage war nicht irgendein Job

Ein Walzenschrämlader (Foto: DW/Sola Hülsewig)

Ein so genannter Walzenschrämlader, der ab den 70er Jahren zum Kohleabbau genutzt wurde

"Ehemalige Bergleute, die das hier sehen, reagieren meistens mit dem Herzen", erzählt Koch. "Für die meisten Bergleute war das kein Job, sondern ein Arbeitsplatz, an dem sie mit Haut und Haaren und dem Herzen gehangen haben. Und wenn die hier unten sind, dann kommen bei ihnen so viele Erinnerungen hoch, Geschichten, die sie erlebt haben, dass sie geradezu sprudeln." Die Bergleute hatten mit "Glück auf" auch einen eigenen Gruß.

Nach und nach werden im Anschauungsbergwerk Umgebung und Maschinen immer moderner. Die so genannten Stempel zum Abstützen der Decke in den Streben, also den Tunneln direkt am Kohleflöz, wo die Kohle gewonnen wird, sind nicht mehr aus Holz, sondern aus Metall. Sie können mit einem hydraulischen System verrückt werde, je weiter das Flöz abgebaut wird. In den 1950er Jahren wurde die Kohle bereits mit dem so genannten Kohlenhobel abgetragen, der auf Schienen am Flöz vorbeischrabbte. Wenig später wurden Walzenschrämlader eingesetzt, bei denen ein rotierender Kopf gleich einer Fräse durch die Kohle fährt. Alle Maschinen können hier unten berührt und teilweise angeschaltet werden.

Das BDM ist auch Forschungseinrichtung

Blick in das unterirdische Bergbaumuseum (Foto: DW/Sola Hülsewig)

Ein Stempel stützt die Stollen unter Tage

Strecken und Strebe bilden ein Labyrinth hier unten; eine Führung durch die Gänge dauert etwa eine Stunde. Einige Museumsführer des Bergbau-Museums sind selbst ehemalige Bergmänner. Die Besucherstruktur ist sehr bunt gemischt, sagt Koch. Nicht nur klassische Museumsbesucher gehören zum Publikum. "Für dieses Museum gibt es keine so große Hemmschwelle wie für manch andere Museen, hier kommen sowohl ehemalige Bergleute, Schulklassen als auch Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen her." Etwa fünf Prozent der Gäste kämen aus dem Ausland, so Koch. Das Deutsche Bergbau-Museum ist zusätzlich ein renommiertes außeruniversitäres Forschungsinstitut für Montangeschichte und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Symposien und Vorträge holen eine Vielzahl an Forschern ins Haus.

Nach dem Besuch unter Tage geht es für Menschen ohne Höhenangst hoch hinaus: Der Förderturm über dem Museum ist begehbar und bietet auf 60 Metern Höhe einen weiten Blick über die alte Zechenstadt Bochum, die "Perle des Reviers", wie Eva Koch mit einem Lächeln sagt.

Riesige Ausstellung in 20 Hallen

Bis zu diesem Punkt haben die Besucher nur einen Bruchteil dessen gesehen, was das Museum zu bieten hat. In 20 Hallen werden umfassende Sammlungen zum Beispiel zum Schachtbau, zur Gewinnung und Verwendung der Rohstoffe präsentiert. Sammlungen von Grubenlampen schließen sich an Sammlungen von Schmuckgegenständen und Porzellan an, alles zum Thema Bergbau. Eine mineralogische Sammlung zeigt Minerale, Erze und Fossilien, eine Sonderausstellung widmet sich derzeit dem Thema Kupfer in Chile.

Schnell wird klar: Wer das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum besucht, muss Zeit mitbringen. "Besucher fragen uns oft, wie lang es dauert, das Museum zu besichtigen", sagt Koch. "Wir antworten dann immer ganz freundlich: Etwa zwei Wochen."

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