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Kultur

Glück Auf 2010!

Europas "RUHR.2010" wird mit einem Fest für Hunderttausende eröffnet - eine Tour der Kultur mit viel Schnee. Unser Reporter Conny Paul hat sich unter das Volk gemischt.

Farben Collage auf einer Bühne in Halle 5.2 (Foto: DW)

José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, lobte in seiner Rede bei der offiziellen Eröffnung am Samstagnachmittag (10.01.2010), das Ruhrgebiet sei ein Schmelztiegel der Völker und Kulturen, in dem fünf Millionen Menschen mit Mut die Zukunft gestalteten. Zum Glück waren am Samstagabend nicht alle Bürger des Ruhrgebiets beim Fest für Alle. Immerhin sind rund 100.000 Besucher zum kulturellen Feiern gekommen.

Besucher gehen hintereinander über eine schmale Brücke auf dem Gelände der Zeche Zollverein (Foto: DW)

Kulturwandern

Ein Kessel Buntes

Das Gelände der Zeche Zollverein glich in der Tat einem Schmelztiegel der Völker und Kulturen: Die Menschen drängten sich schlangenweise in Richtung der Hallen, in denen ein buntes Kulturprogramm auf sie wartete. Auf dem Weg dorthin wurde es keinem langweilig. Das Außengelände wurde mit zahlreichen Licht- und Klanginstallationen in Szene gesetzt. Ein wahrer Schmaus für Augen und Ohren. Aber auch an das leibliche Wohl wurde gedacht. Fisch in unterschiedlichster Zubereitung beispielsweise oder Glühwein und Tee zum Aufwärmen – so konnten sich die Besucher die langen Wege im Dauerfrost erträglicher gestalten. Zum Glück bin ich nicht alleine unter all den vielen fremden Menschen. Ich werde von Katrin Bach durch die Nacht geführt. Sie ist eine freiwillige Helferin der Organisation und kennt sich sehr gut aus.

Kultiviertes Warten

Besucher des Festes warten in einer Reihe auf den Einlaß in eine Halle (Foto: DW)

Kulturwarten

Endlich angekommen, aber noch lange nicht in der Kulturhalle, dachten wir wie wohl viele Besucher, als wir uns an das Ende einer Warteschlange stellen mussten. Wegen Überfüllung der Hallen, durften immer nur so viele Besucher in die Gebäude rein, wie raus kamen. Bis zu über eine Stunde Wartezeit bedeutete dies. Aber Menschen, die sich für Kultur interessieren, stecken solche Unannehmlichkeiten locker weg und nutzen die Gelegenheit für ein kleines Gespräch mit dem Nachbarn in der Schlange. So vergeht die Zeit wie im Fluge und schon sind wir an der Reihe. Neugierig zwängen wir uns durch den engen Eingang in Halle 5.2.

Kollektiv der Künstler

Beucher der Halle 5.2 orientieren sich, was durch die vielen Angebote nich leicht fällt (Foto: DW)

Kulturwundern

Menschen, Klänge, Sensationen. Ein unglaubliches Durcheinander an Licht und Klängen erwarte einen hier. Die Orientierung fällt schwer. Irgendwann erkennt man, es gibt viele Inseln mit verschiedenen Projekten und Installationen. "Beatplantation" nennt sich dieses Künstlerkollektiv. "Toni die Vinyl" sind zwei Künstler, die auf ihren Fahrrädern Plattenspieler antreiben und das Publikum schaut dabei zu. An die 100 Akteure zeigen hier ihre Projekte. Darunter sind Breakdancer, HipHopper und Techno-Helden. Das Besondere: Alle Künstler gehören zur freien Szene im Ruhrgebiet. Einige Kritiker des Programms des Kulturhauptstadtjahres hatten im Vorfeld moniert, die meisten Künstler kämen nicht aus der Region. Das Fest "Glück Auf 2010!" zeigt, dass sich im Kulturjahr auch das Kulturland Ruhr selbst präsentiert.

Aber was gibt es sonst noch zu entdecken?

Theater für alle

Katrin Bach blickt auf die Programm-Übersicht (Foto: DW)

Kultur-Guide Katrin Bach

Zurück auf dem Außengelände hilft der Blick auf die Karte mit dem Programmüberblick. Theater steht hier. Das klingt interessant. Inzwischen schneit es nicht mehr – kalt aber ist es noch immer. PACT steht auf einer Tafel am nächsten Gebäude. Hier dreht sich alles ums Theater. Der erste Raum auf der linken Seite lockt mit dem Titel "Pottfiction" zum Besuch.

Junge Darstellerinnen im Overall mit Projektbegleiterin (Foto: DW)

Kulturspielen

Auf einer Wand ist ein Film zu sehen. Kinder und Jugendliche vertreiben sich die Zeit in einem Camp. Richtig kombiniert: "Pottfiction" ist ein Theater-Projekt für Kinder und Jugendliche. Das Schauspielhaus Bochum und weitere sieben Bühnen aus dem Ruhrgebiet wollen 13- bis 21-Jährige an das Theater heranführen. Wie soll das gehen? Die Aufgabe lautet: "Ihr sollt die Welt verändern und Zukunftsvisionen entwickeln. Und Ganze indem ihr tanzt und Theater spielt." Das ist nichts für den Reporter, denn der ist eher der Musik zugewandt. Wo gehen wir jetzt noch hin?

Singen für alle

Ein Tänzer steht regungslos auf einem Podest (Foto: DW)

Kulturschweigen

In der Halle 9 wird gesungen. Schnell haben wir sie erreicht finden einen Weg ins Innere, ohne warten zu müssen. Wir müssen auf die erste Etage. Hier erwarten uns auf Podesten Tänzer, die nicht tanzen. Ein Helfer der Organisation erklärt, dieser Tänzer würde erst dann tanzen, wenn man ihm etwas vorsingt. Von weiter weg schallt uns fröhlicher Chorgesang entgegen. Da gehen wir noch hin.

Ein Chor singt auf einer Bühne vor großem Publikum (Foto: Conny Paul)

Kultursingen

Wir erreichen einen großen Konzertsaal. Auf der Bühne singt ein Chor und begeistert das Publikum. Die Menschen im Saal würden am liebsten alle mitsingen – so scheint es. Einige machen das auch. Die Stimmung im Publikum ist prächtig. Und alle freuen sich auf das Gesangsprojekt !SING DAY OF SONG mit Chören aus ganz Europa im Juni. Schade, dass es schon so spät ist. Wir verlassen das Gebäude. Kurz vor dem Pressezentrum verabschiede ich mich von meiner Führerin und bedanke mich herzlich für die nette Begleitung.

Zwei Tage (9. und 10.Januar) dauerte das Eröffungsfest für die Bürger. Am Sonntag wurde auf der Zeche Zollverein das Ruhr Museum in der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein eröffnet. Es ist ein Geschenk an die Menschen in der Region und zeigt in einer modernen Dauerausstellung die Geschichte des Ruhrgebiets. Insgesamt ein gelungener Auftakt des Kulturhauptstadtjahres mit 300 Projekten und über 2.500 Veranstaltungen.

Autor: Conny Paul

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