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Wirtschaft

Glänzende Bleche, trübe Blicke

Die Zeiten sind hart, die Weltwirtschaft lahmt und der Motor der Auto-Industrie stottert. Trotzdem geben sich die großen Hersteller auf der Autoshow in Detroit optimistisch.

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Ob die Autobranche dieses Jahr den Vorwärts- oder den Rückwärtsgang einlegt, ist unklar

Merkwürdige Dinge passieren auf der weltweit bedeutendsten Schau für neue Autos, die bis zum 20. Januar in Detroit stattfindet. Obwohl Branchen-Kenner den Autokonzernen ein weiteres schwieriges Jahr vorhersagen, strahlen die angereisten Konzern-Manager vor Optimismus. Zu Beginn der Show prophezeiten sie nahezu alle für den wichtigsten Markt, die USA, steigende Verkaufszahlen. Keiner wagte es für das Jahr 2003, angesichts schwacher Wirtschaftsdaten, eines drohenden Krieges im Irak und brutaler Preisschlachten in den Autohäusern ein Anhalten der Krise öffentlich ins Kalkül zu ziehen. Trüben da etwa die hochglanzpolierten Bleche die Blicke der Manager auf die Realität?

Jahr der Wahrheit

Volkswagen: Beetle, North American International Auto Show in Detroit

Neu auf der North American International Auto Show in Detroit: Beetle-Cabrio von VW

Nach Berechnungen der Bayerischen HypoVereinsbank wird die Zahl der verkauften Autos in Nordamerika dieses Jahr voraussichtlich um eine halbe Million auf etwa 16,3 Millionen Pkw sinken. "Eine Verbesserung der Perspektive erwarten wir erst für 2004", so der Analyst Albrecht Denninghoff, der hinzufügt: "Dieses Jahr dürfte für einige Autohersteller zum Jahr der Wahrheit werden." Dazu zählt Denninghoff nicht nur den schwer angeschlagenen italienischen Konzern Fiat, sondern auch die europäischen Ableger von Ford, zu denen die Nobel-Marke Jaguar gehört, und General Motors, die neben Saab und Opel auch Fiat-Anteile in ihrem Beteiligungsportfolio haben.

Nicht nur die gedämpfte Konjunkturlage und die damit verbundene Kaufzurückhaltung der Verbraucher machen den Herstellern zu schaffen. Im vergangenen Jahr hat die Rabattschlacht zwischen den Anbietern neue Dimensionen erreicht: Hohe Preisabschläge beim Neuwagenkauf sind neben großzügiger Inzahlungnahme von Gebrauchtwagen, Null-Zins-Finanzierung und immer ausgedehnteren Garantiezeiten längst Standard. Experten sprechen von einem teuer erkauften "Wachstum ohne Profite".

Kein Ausweg

Autoshow in Detroit, Pontiac G6

Ein Prototyp des Pontiac G6 auf der North American International Auto Show in Detroit

Der Durchschnittsrabatt beim Kauf eines Mittelklassewagens belief sich nach einer Studie von Autodata zuletzt auf 1830 Dollar gegenüber dem Listenpreis. Dies sind 17,5 Prozent mehr als 2001. "So hohe Rabatte sind seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gewährt worden", erklärt Denninghoff.

Ein Ausweg aus der Rabatt-Falle dürfte den Autobauern nach Ansicht des Analysten schwer fallen. Diese Erfahrung machte bereits Branchenprimus General Motors. Das Unternehmen startete nach dem 11. September 2001 die Null-Zins-Finanzierung, um damit die schockierten Verbraucher in die Ausstellungshallen zu locken. Als GM nach Preiserhöhungen von den Käufern links liegen gelassen wurde, musste das Unternehmen die Rabatte wieder einführen. Auch Ford verkündete bereits eine Fortsetzung der Null-Zins-Angebote.

BMW knackt Million

Die deutsche Automobilbranche hingegen trotzte im Jahr 2002 der schlechten Konjunktur vergleichsweise gut und hat Grund zu der Annahme, dass die Verkäufe 2003 zumindest nicht schrumpfen werden. Die BMW Gruppe verbuchte vor allem durch den Kleinwagen Mini ein Plus von 17 Prozent. Erstmals in der Unternehmensgeschichte wurden mehr als auf eine Million Pkw verkauft.

Mercedes-Benz knüpfte – den Kleinwagen Smart eingeschlossen – mit mehr als 1,2 Millionen Pkw in etwa an den Absatzrekord des Vorjahres an. Nur der VW-Konzern musste einen Rückgang um zwei Prozent beklagen. Die Wolfsburger verkauften erstmals seit Jahren weniger als fünf Millionen Fahrzeuge. Der neue VW-Chef Bernd Pischetsrieder kündigte in Detroit aber bereits an, dass man diese Marke 2003 wieder übertreffen wolle.

Zuversichtlich stimmt die Autobauer vor allem das weiterhin stabile Geschäft mit so genannten Premium-Fahrzeugen, die namentlich bei BMW und DaimlerChrysler Geld in die Kassen bringen. Darüber hinaus kommen auch immer mehr Modelle für die Ultra-Reichen auf den Markt. Voriges Jahr erst stellte Mercedes-Benz den neuen Maybach mit Zwölfzylinder-Motor vor. Diese Woche präsentierte BMW den ersten Rolls Royce aus dem Haus der Bayerischen Motoren Werke.

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