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Flugzeugunglück in Kolumbien

Ging der Unglücksmaschine der Sprit aus?

Während die ganze Welt um den brasilianischen Fußballclubs Chapecoense trauert, verdichten sich die Hinweise auf technische Probleme: Die Luftfahrtbehörde gab Treibstoffmangel als mögliche Absturzursache an.

Kolumbien Flugzeug Absturzstelle (Getty Images/AFP//R. Arboleda)

Helfer bergen die Überreste des Charterflugzeuges am Berg Cerro Gordo

Eine der wenigen Überlebenden des Flugzeugabsturzes nahe der kolumbianischen Stadt Medellín hat von technischen Problemen kurz vor dem Unglück berichtet. Das sagte der Gouverneur des Departements Antioquia, Luis Pérez, dem Radiosender Caracaol. Er habe im Krankenhaus mit einer überlebenden Stewardess gesprochen. "Das wenige, was sie sagen konnte, war, dass die Lichter 40, 50 Sekunden vor dem Absturz zu flackern begannen und ausgingen", sagte Pérez. 

Kolumbien Fußballmanschaft 2ß16 des Vereins Chapecoense (picture alliance/dpa/F. Remor)

Die Fußballer vom Chapecoense: Nur drei von ihnen überlebten

Rund 40 Kilometer vor der kolumbianischen Stadt Medellín, der Hauptstadt von Antioquia, war die gecharterte Maschine am Montagabend in 3000 Meter an einem Berg  abgestürzt. Die Mannschaft des brasilianischen Fußballclubs Chapecoense musste auf dem Weg zum Finalhinspiel um den Südamerika-Cup gegen Atlético Nacional aus Medellín zu einem Plan B greifen, weil die brasilianische Luftfahrtbehörde einen Direktflug von São Paulo nach Medellín verweigert hatte.

Zu wenig Treibstoff

Erst ging es mit einer Linienmaschine nach Santa Cruz in Bolivien, von dort mit einem Charterflugzeug vom Typ Avro RJ85 der Gesellschaft Lamia Richtung Medellín. Experten weisen darauf hin, dass die Reichweite des Flugzeugs nur knapp für diese Distanz reiche. Kurz vor dem Absturz hatten die Piloten dem Tower technische Probleme gemeldet. Da das Flugzeug beim Aufprall nicht explodiert war, war vermutet worden, dass kaum Treibstoff mehr vorhanden war. Die Luftfahrtbehörde bestätigte das mittlerweile und gab Treibstoffmangel als eine mögliche Ursache für den Absturz an. Die beiden Flugschreiber konnten bereits geborgen werden und sollen genauen Aufschluss über die Ursache des Unglücks geben. 

Brasilien Fans des Fußballvereins Chapecoense trauern im Stadion Arena Conda (picture-alliance/AP Photo/A. Penner)

Fans des Fußballvereins trauern im Stadion Arena Conda im brasilianischen Chapeco

Bei dem Absturz starben 71 Menschen, darunter 19 Fußballer und 20 Journalisten, die das Team begleiteten. Die Menschen in der südbrasilianischen Heimat des Clubs stehen unter Schock. Bei einem Gedenkgottesdienst in der Stadt Chapecó hatten viele Menschen die grünen Trikots des Vereins an, die Kathedrale war bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Trauerzug führte zum Stadion des Clubs. Bis Freitag sollen die Leichen von Spielern und Betreuern übergeführt werden. 

Welle der Hilfsbereitschaft

Der Club erfährt eine Welle der Hilfsbereitschaft. Der brasilianische Fußballverband soll auf Antrag mehrerer Vereine eine Sonderregelung prüfen, wonach Chapecoense drei Jahre lang nicht in die zweite Liga absteigen kann. Sechs Passagiere überlebten, darunter drei Spieler, sie sind in einem sehr kritischen Zustand. Dem Ersatztorhüter Jackson Follmann musste ein Bein amputiert werden. Mittelfeldspieler Neto hat schwere Brüche und ein schweres Schädeltrauma. Abwehrspieler Alan Ruschel erlitt Verletzungen an der Wirbelsäule. Es wird befürchtet, dass er querschnittsgelähmt ist. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte "mit großer Bestürzung" auf das Flugzeugunglück. "Ich spreche Ihnen und dem brasilianischen Volk, auch im Namen meiner Landsleute, meine tiefempfundene Anteilnahme aus", schrieb Merkel in einem Kondolenztelegramm an den brasilianischen Staatspräsidenten Michel Temer.

mar/rb (dpa, afp)

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