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Filme

Gina Lollobrigida und zehn Ikonen des europäischen Nachkriegsfilms

Sexy rote Lippen, wehende Röcke, verführerischer Blick: Die Italienerin Gina Lollobrigida gehörte zu den Stars des europäischen Kinos - und musste doch gegen ihre Konkurrentinnen ankämpfen. Jetzt ist sie 90 Jahre alt.

Manchmal sprechen Filmtitel Bände: "Zwischen Liebe und Laster", "Fünf Mädchen und ein Mann", "Die Schönen der Nacht", "Untreue" und "Gefährliche Schönheit", schließlich: "Die Schönste Frau der Welt" und "Wenn das Blut kocht". Alles Filme aus den 1950er Jahren.

Und weiter geht's. Die nächste Dekade brachte unter anderem Folgendes: "Geh nackt in die Welt", "Fremde Bettgesellen", "Ergötzliche Nächte", "Nur eine Nacht, Chéri" und "Ein heißer November". Noch Fragen?

Gerade in Deutschland stand die "Lollo" für Erotik

Zugegeben, einige dieser deutschen Filmtitel klingen im Original etwas anders, harmloser. Aus "Alina" wurde "Zwischen Liebe und Laster", aus "A Tale of Five Cities" machten die deutschen Verleiher "Fünf Mädchen und ein Mann" und aus "La Provinciale" "Gefährliche Schönheit". Das sagt auch viel über den prüden deutschen Filmbetrieb der 1950er und 1960er Jahre aus. Einige Filme, in denen es um Liebe und Begehren ging, wurden in Deutschland durch die Titelwahl zusätzlich in eine bestimmte Erwartungshaltung gelenkt.

Filmszene aus Liebe, Brot Und Eifersucht mit gestikulierender Lollobrigida und Darsteller (picture-alliance/United Archives/IFTN)

Jung, schön und temperamentvoll: die "Lollo" in "Liebe, Brot und Eifersucht" 1954

Andererseits: Gina Lollobrigida, die am 4. Juli 90 Jahre alt wurde und in all den erwähnten Filmen mitgespielt hat, galt seinerzeit als eines der größten Sexsymbole auf der Leinwand - anzügliche Titel hin oder her. Die USA hatten Jayne Mansfield und Marilyn Monroe, Europa antwortete mit Gina Lollobrigida und später mit Sophia Loren und Brigitte Bardot.

Schon in jungen Jahren stand die Lollobrigida vor den Kameras

Mit der Loren focht die "Lollo", wie sie damals gern genannt wurde, einen unsichtbaren Kampf um den imaginären Thron des erotischsten weiblichen Filmstars des europäischen Kinos aus. Die 1927 östlich von Rom geborene spätere Schauspielerin nahm schon als Dreijährige an einem Schönheitswettbewerb (für Kinder) teil. Es folgten weitere; Gina Lollobrigida wurde zunächst einmal aufgrund ihres Aussehens vor die Fotokameras geholt.

Bambipreisträger von 1958 - Gina Lollobrigida & Horst Buchholz & Maria Schell mit jeweils einem Bambi in der Hand (picture-alliance/dpa)

Beliebt besonders in Deutschland: Allein sechs Bambis erhielt die "Lollo". Hier 1958 mit Horst Buchholz und Maria Schell

Die Regisseure in ihrer Heimat wurden dann natürlich schnell aufmerksam auf den attraktiven Teenager. Nach etlichen Statistenrollen folgten kleinere und dann immer größere Auftritte vor den Filmkameras. Mit dem französischen Beau und Leinwandhelden Gérard Philipe war sie zu Beginn der 1950er Jahre in "Fanfan, der Husar" und "Die Schönen der Nacht" zu sehen - das war der Durchbruch.

Viele Männerherzen schlugen fortan höher. Diese Frau betörte von nun an die europäischen Kinozuschauer auf dem Kontinent. Lollobrigida faszinierte mit Temperament, Sinnlichkeit und einer gewiss von den Kostümschneiderin noch betonten Oberweite.

Welterfolg als Esmeralda im "Glöckner von Notre Dame"

Die dunkle Schöne aus dem Süden Europas ließ vor allem die Herzen der männlichen Zuschauer im kühleren Norden höher schlagen. Das bemerkte auch Hollywood. Bereits ein paar Jahre später war sie auch in den USA bekannt. "Der Glöckner von Notre Dame" zeigte sie an der Seite von Anthony Quinn - ihr vielleicht größter Karriere-Erfolg war dann allerdings eine europäische Produktion.

Filmstill mit Gina Lollobrigida und Anthony Quinn im Film Der Glöckner von Notre Dame von 1956 (picture alliance/kpa)

Ihr wohl größter Erfolg: als Esmeralda mit dem Glöckner von Notre Dame (Anthony Quinn)

Dass die "Lollo" nie einen Oscar bekam, darf man sicher nicht als Zeichen mangelnder Schauspielkunst interpretieren, auch andere Weltstars haben die kleine goldene Statuette nie erhalten. Trotzdem galt die Italienerin nicht als begnadete Darstellerin in Sachen Schauspielkunst. Sophia Lorens langjähriger Partner, der Filmproduzent Carlo Ponti, soll sie einmal als nur "mittelmäßige" Darstellerin eingestuft haben. Ein Urteil, über das man sicher streiten kann.

Die "Lollo" war ein Star des Unterhaltungsfilms

Ihrer Karriere tat das freilich keinen Abbruch. In den 1960er Jahren absolvierte sie einen Filmauftritt nach dem anderen. In dem Jahrzehnt, das in vielen europäischen Ländern ästhetische Kino-Revolutionen hervorbrachte, verschrieb sich die Lollobrigida aber nur der Unterhaltung, was man schon an den Titeln ihrer Filme ablesen kann. Die meisten Filme mit der Diva aus jener Zeit sind heute vergessen. Ein Superstar des Kinos war sie trotzdem.

Sean Connery und Gina Lollobrigida auf einer Schwimmplattform in Badekleidung (picture alliance/United Archives/IFTN)

Männerträume: Gina Lollobrigida und Sean Connery in "Die Strohpuppe"

Gina Lollobrigida hatte zudem andere Interessen: Der Fotografie widmete sie sich früh, der Bildhauerei später. In beiden Fächern feierte sie beachtliche Erfolge. Dem Filmbusiness kehrte sie aber nicht komplett den Rücken. Neben einigen sporadischen Filmauftritten in den 70er und 80er Jahren versuchte sie sich auch als Jurypräsidentin: in Toronto und auch bei der Berlinale.

Video ansehen 03:23

Gina Lollobrigida wird 90

Berlinale-Skandal 1986: Die Lollobrigida stand im Zentrum

Dort sorgte sie 1986 für einen gehörigen Skandal, als sie sich als Präsidentin des Gremiums nicht der Mehrheitsmeinung der Kolleginnen und Kollegen anschließen wollte. Weil ihr der RAF-Gerichtsfilm "Stammheim" des deutschen Regisseurs Reinhard Hauff so ganz und gar missfiel, ließ sie ihrem Unmut freien Lauf - für die Präsidentin einer Jury ein höchst fragwürdiges Benehmen - doch wohl auch Zeichen ihres großen Selbstbewusstseins und Behauptungswillens. Am 4. Juli durfte die große Diva des europäischen Films, die italienische Schauspielerin Gina Lollobrigida, nun ihren 90. Geburtstag feiern.

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