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Kultur

Gigantischer Eisblock bricht in der Antarktis ab

Der Klimawandel zeigt offenbar Wirkung: Ein 25 Kilometer langer Block ist aus dem Eis der Antarktis abgebrochen. In der Region ist der Temperaturanstieg besonders hoch.

Satellitenfoto Wilkins-Schild, Quelle: AP

Das Satellitenfoto zeigt, wie der Wilkins-Schild Anfang März beginnt, zu zerfallen

In der Antarktis ist mutmaßlich unter dem Einfluss der globalen Erwärmung ein gigantischer Schelfeisblock abgebrochen. Satellitenaufnahmen belegen nach Angaben des Zentrums zur Sammlung von Schnee- und Eisdaten an der Universität Colorado (NSIDC) vom Dienstag (25.3.08) den Zerfall von bereits 414 Quadratkilometern des so genannten Wilkins-Schildes. Das am 28. Februar abgebrochene, bsonders große Teilstück ist 25,5 Kilometer lang und 2,4 Kilometer breit. Damit hat sich insgesamt Eis von etwa der doppelten Fläche der Stadt Frankfurt/Main abgelöst.

Stärkster Temeperatur-Anstieg weltweit

"Wir glauben, dass das Wilkins-Schelfeis schon seit mindestens ein paar hundert Jahren dort war. Aber warme Luft und die Einwirkung der Meeresbrandung verursachen ein Abbrechen", sagte der führende NSIDC-Wissenschaftler Ted Scambos. Das Eisbruch unterstreiche den Klimawandel. In den vergangenen 50 Jahren sei in der Region mit durchschnittlich einem halben Grad Celsius pro Jahrzehnt der stärkste Temperaturanstieg weltweit verzeichnet worden, hieß es. An der gesamten Westseite der Antarktis sind die Temperaturen innerhalb von 50 Jahren um durchschnittlich 2,5 Grad gestiegen.

Wilkinsschild, Quelle: AP

Endlos: Fast 500 Quadratkilometer Eis haben sich vom Wilkinsschild gelöst (Archivbild)

Nach dem jüngsten Abbruch wird nach Einschätzung der US-Wissenschaftler der gesamte Wilkins-Schild nur noch von einem schmalen Eisstreifen zusammengehalten. Die fast 13.000 Quadratkilometer breite Treibeis-Platte liegt etwa 1600 Kilometer südlich von Feuerland. Wenn das Eis sich noch mehr zurückziehe, drohe schon in naher Zukunft der Verlust des halben Schildes, sagte Scambos.

Wie nach einem Bombeneinschlag

Jim Elliot von der Britischen Antarktis-Gesellschaft drehte von einem Forschungsschiff ein Video über das Ausmaß der Zerstörung. Die Region sehe aus wie nach einem Bombenanschlag, erklärte er. Eisblöcke von der Größe kleiner Häuser seien abgebrochen und wie Geröll abgegangen.

Da der Sommer auf der Südhalbkugel nun endet, erwarten die Forscher in den kommenden Monaten keine Verschärfung der Entwicklung. "Für diese Saison ist das Spektakel vorbei", sagte US-Forscher Scambos. Im kommenden Januar werde zu beobachten sein, ob der Wilkins-Schild sich weiterbewege.

Viermal Deutschland weggetaut

Polar- und Meeresexperte Arved Fuchs

Besorgt: Polar- und Meeresexperte Arved Fuchs

In den vergangenen Jahren waren zwei große Teile des unweit gelegenen Larsen-Eisschelfes zerfallen. Es begann 1995 mit dem 75 Kilometer langen und 37 Kilometer breiten Schelf Larsen A. Im März 2002 beobachtete ein NASA-Satellit dann die Auflösung von Larsen B, einer Menge von 720 Milliarden Tonnen Eis.

Der deutsche Expeditionsleiter und Polar-Experte Arved Fuchs bezeichnete den Rückgang des polaren Eises in einem Interview als sehr bedrohlich. Im vergangenen Sommer sei in der Arktis eine Fläche abgetaut, die etwa der vierfachen Fläche Deutschlands entspreche, sagte Fuchs im NDR. "Das ist ein absoluter Minusrekord, seitdem man so etwas beobachtet hat." Das Abschmelzen der Eisblöcke an den Polen trägt zum Anstieg der Meeresspiegel bei. (tos)

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