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Wirtschaft

Gigantenhochzeit als Befreiungsschlag

Die geplante Fusion zwischen Holcim und Lafarge dürfte einen neuen Gigant auf dem Baustoffmarkt hervorbringen - auch die deutsche Konkurrenz aus Heidelberg könnte davon profitieren.

Holcim-Chef, Rolf Soiron (L), und CEO von Lafarge, Bruno Lafont (R) (Foto:dpa)

Holcim-Chef, Rolf Soiron (L), und CEO von Lafarge, Bruno Lafont (R)

Als "grauen Goldstaub" bezeichnen Optimisten den Stoff, der bei der geplanten Gigantenhochzeit zwischen den Baustoffriesen Holcim und Lafarge die wichtigste Rolle spielt: Zement. Seit 1997 hatte sich die weltweite Nachfrage zunächst mehr als verdoppelt. Getrieben durch den Baumboom in China und anderen Schwellenländern entspricht der globale Jahresbedarf an Zement - so wird gern vorgerechnet - mehr als dem Zwölftausendfachen jener Menge, die einst für den Bau des Empire State Building in New York gebraucht wurde. Doch ob der Jubel über den "Zusammenschluss unter Gleichen" zu LafargeHolcim gerechtfertigt ist, muss sich erst noch zeigen.

Die Fusion der Schweizer mit dem französischen Konkurrenten wäre vermutlich die größte Konzernfusion seit der Verschmelzung der Rohstoffgiganten Glencore und Xstrata im vergangenen Jahr. Ungeachtet dessen kämpfen die Zementgiganten mit Problemen. In der Finanzkrise mussten sie erhebliche Rückschläge einstecken und große Verluste verbuchen, weil weltweit Bauvorhaben auf Eis gelegt wurden.

Überkapazitäten abbauen

In den Boomjahren vor 2008 hatte Holcim seine Kapazitäten für drei Milliarden Franken (2,45 Milliarden Euro) ausgebaut. Dann kam das böse Erwachen: "Der Konzern verdient seit einigen Jahren seine Kapitalkosten nicht mehr und muss vielerorts Überkapazitäten abbauen und insgesamt Energie- und Logistikkosten zu senken versuchen", hieß es am Montag (07.04.2014) in der "Neuen Zürcher Zeitung".

Um gegenzusteuern hat der Präsident des Holcim-Verwaltungsrates, Rolf Soiron, ein gründliches Fitnessprogramm verordnet, samt Abbau von Überkapazitäten. Ziel ist eine Steigerung des Gewinns bis Ende des Jahres um 1,5 Milliarden Franken (1,23 Milliarden Euro). Ähnlich ist Lafarge seit einiger Zeit dabei, die Konzernstruktur zu verschlanken und unrentable Produktionsstätten zu schließen. Sparziel für 2014: 600 Millionen Euro. "Diese Fusion hat Züge eines Befreiungsschlages, wenn nicht gar einer Flucht nach vorn", meint ein Zürcher Analyst.

Kartellbehörden am Zug

Bevor die Zementriesen Mitte 2015 ins Ehebett steigen, müssen sie kräftige Diätkuren machen und ihre weltweiten Produktionskapazitäten so gut wie irgend möglich aufeinander abstimmen. Dies ist auch erforderlich, um eine allzu große Marktbeherrschung zu vermeiden. Sonst könnte die Fusion am Widerstand von Kartellbehörden scheitern.

Insgesamt müssen Holcim und Lafarge mit Wettbewerbswächtern in 15 Ländern verhandeln. Weltweit müssen sie sich nach eigener Einschätzung von bis zu 15 Prozent ihrer Unternehmungen trennen. Dies soll rasch geschehen, sagte Lafarge-Präsident Bruno Lafont, der das Mega-Unternehmen als Vorstandschef führen soll.

HeidelbergCement würde drittgrößter Player

Von der Neustrukturierung könnte der Konkurrent HeidelbergCement profitieren. Die Deutschen kommen als Käufer infrage und könnten Kapazitäten in Ländern und Regionen erweitern, in denen sie Aufholbedarf haben. HeidelbergCement ist nach Holcim und Lafarge der drittgrößte Player auf dem Zementmarkt.

Auf Verkäufe könnten Behörden nach Einschätzung der Analysten Yuri Serov und Alejandra Pereda von der US-Bank Morgan Stanley unter anderem in Frankreich, Kanada, Philippinen, Rumänien und Marokko pochen sowie im großen US-Markt, wo die Fusionswilligen zusammen auf einen Anteil von fast 25 Prozent kommen.

Neue Märkte erschließen

Auch in Lateinamerika könnten sich für die Heidelberger nun Kaufmöglichkeiten ergeben, meint Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe. Bislang sind sie dort nicht aktiv. Konzernchef Bernd Scheifele hat aber schon durchblicken lassen, dass sein Unternehmen einem Markteintritt in Lateinamerika nicht abgeneigt wäre.

Eine "deutsche Komponente" hat die Fusion auch, weil die Führung des LafargeHolcim-Verwaltungsrates Wolfgang Reitzle übertragen werden soll. Der angesehene Manager, der im Mai planmäßig den Chefposten beim Münchner Technologiekonzern Linde abgibt, sei "für energischen Gestaltungswillen bekannt", schrieb die "Neue Zürcher Zeitung".

Erfolg nicht garantiert

Chefs von Schweizer Verwaltungsräten haben stärkere Möglichkeiten zur Mitsteuerung als Aufsichtsratsvorsitzende deutscher Firmen. So wird in der Schweiz auch weithin erwartet, dass Reitzle neben Vorstandschef Bruno Lafont eine besonders aktive Rolle beim Vollzug der Fusion spielen wird.

Garantiert ist ein Erfolg allerdings auch dadurch nicht, wie allein schon das Beispiel von Glencore und Xstrata zu zeigen scheint. Vereint verbuchten die beiden Rohstoffkonzerne, die im vorigen Jahr fusionierten, für 2013 durch Preisrückgänge und Abschreibungen einen Verlust von 7,4 Milliarden Dollar.

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