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Streit um Lang-Lkws

Gigaliner sorgen für Zoff in der Bundesregierung

Sie können bis zu 25,25 Meter lang sein. Seit Anfang des Jahres dürfen überlange Lkws auf bestimmten deutschen Straßen fahren. Doch die Neuregelung von CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt gefällt längst nicht allen.

"Der Lang-Lkw ist praxistauglich", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in einem Statement. "Er ist sicher, spart Sprit und führt weder zur Verlagerung von Verkehren auf die Straße noch zu einer stärkeren Belastung unserer Infrastruktur." Laut Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein weiterer großer Vorteil der sogenannten Gigaliner: "Zwei Lang-Lkw ersetzen drei herkömmliche. Weniger Fahrzeuge bedeuten auch weniger Emissionen."

Doch längst nicht alle in der Bundesregierung teilen diese Ansicht. Um die neuen Befugnisse für die Gigaliner ist ein handfester Streit entbrannt. "Die Auswirkungen des Lang-LKW, seine Umweltbelastungen wie auch die Auswirkungen auf den Schienenverkehr sind noch nicht ausreichend untersucht", sagte der Staatssekretär im Umweltministerium, Jochen Flasbarth, der Deutschen Presseagentur. "Damit werden durch das Verkehrsministerium Fakten geschaffen, die mit EU-Recht nicht vereinbar sind".

Länger, aber effizienter

Gigaliner können mit bis zu 25,25 Metern 6,5 Meter länger sein als bisher. Drei von fünf Gigaliner-Typen dürfen nun auf einem Straßennetz von bis zu 11.600 Kilometern fahren. Für die übrigen zwei Typen läuft noch eine verlängerte Testphase.

Video ansehen 04:19

Auf Achse - unterwegs im Gigaliner

Feldversuche der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hatten ergeben, dass die durchgesetzte Straßenerlaubnis für Gigaliner Kraftstoffersparnisse von bis zu 25 Prozent ermöglichen könnten - auch die Infrastruktur werde nicht stärker belastet.

"Natürlich gehen die CO2-Emissionen runter, wenn man nur zwei Fahrten braucht, statt drei", sagte Jens Hilgenberg, Experte für Transport beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). "Aber durch die Kostenersparnisse, die dadurch entstehen, werden viele Gütertransporte wieder von der Schiene auf die Straße verlegt werden."

Laut Hilgenberg dürften einige Straßen außerdem Probleme mit den Riesen-Lastern bekommen. "Sicherlich wird man die ein oder andere Autobahnauffahrt vergrößern müssen", sagte er der DW. Außerdem scheine niemand daran gedacht zu haben, dass manche Straßen auch hin und wieder gesperrt seien, so Hilgenberg. "Wer die Logistikindustrie kennt, der weiß, dass die Lkw-Fahrer nicht einfach warten, sondern von der Landstraße runter gehen und durch die Dörfer fahren, selbst wenn sie das nicht dürfen. Das wird unausweichlich sein."

Allianz pro Schiene: Mehr, nicht weniger LKW-Fahrten

Auch die Allianz pro Schiene sieht die Neuerung kritisch und erwägt, rechtliche Schritte gegen die Regelzulassung einzulegen. Im ganzen Land rechnet die Allianz pro Schiene durch die Neuerung mit bis zu 7000 zusätzlichen Lkw-Fahrten pro Tag.

Auf die Vorwürfe von Flasbarth teilte das Verkehrsministerium der Deutschen Welle schriftlich mit, dass es im Vorfeld fünf Jahre lang Tests gegeben habe, die "wissenschaftlich dokumentiert und transparent veröffentlicht" wurden und dass das Umweltministerium in die Entscheidung miteinbezogen worden sei.

Deutschland Verkehr LKW Gigaliner (AP)

Um mehr als sechs Meter überragt ein Gigaliner (links) einen normalen Lkw

"Das Umweltministerium hat der Richtlinie im Grundsatz zugestimmt", hieß es aus dem Verkehrsministerium. Es habe lediglich einige Einwände bezüglich der Lizenzvergabe bei einem bestimmten Gigaline-Typus gegeben.

SPD: "Quatsch"

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD, Kirsten Lühmann, bezeichnete die Vorbehalte von BUND und der Allianz pro Schiene als "Quatsch". Die Tests der BASt hätten gezeigt, dass die Neuregelung Eisenbahnunternehmer nicht aus dem Markt drängen würden. "Das sind zwei völlig verschiedene Frachten", sagte Lühmann der Deutschen Welle. "Man braucht einen langen Lkw, wenn man großvolumige, eher leichte Güter in geringer Menge transportieren will - zum Beispiel Waschmaschinen." Wegen der geringen Stückzahl würden Bahngesellschaften aber sagen, dass sich der Transport nicht für sie lohne, so Lühmann.

Allerdings räumte sie ein, das Verkehrsministerium sei angesichts der Probleme, die Lang-Lkws verursachen könnten, nicht vollkommen offen gewesen. Der BASt-Bericht habe klar gezeigt, dass es beispielsweise bei Kreisverkehren und beim Einfädeln Probleme gebe. Außerdem müsse sichergestellt sein, dass es genügend Rastplätze mit ausreichend großen Parkplätzen gebe.

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