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Kultur

Giftmüll aus Afrika zurück zum europäischen Absender

Es war eine typische Drecksgeschichte: Giftmüll aus Europa wurde illegal in der Elfenbeinküste entsorgt - mit Folgen: Mehrere Menschen starben, tausende wurden medizinisch behandelt. Jetzt wird der Müll zurückgeschickt.

Ivorer mit Gasmaske steht vor Warnschild an einer illegalen Giftmüll-Deponie

Europäischer Giftmüll verseucht die Elfenbeinküste

Der Mann, der vor Ort die Drecksarbeit macht, heißt Henri Petigan. Seit Wochen bewegt er in Abidjan tonnenweise verseuchte Erde, Steine und Schlamm. Das meiste, sagt er am Satellitentelefon, sei nun in Fässer und Container verladen. Jetzt stehe die nächste Phase bevor: "Wir bereiten die giftigen Abfälle für den Schiffstransport zurück nach Europa vor."

Das klingt einfacher als es ist. Zunächst müssen Analysen durchgeführt werden, damit man weiß, um welche Stoffe es im einzelnen geht und in welchen europäischen Ländern der Giftmüll behandelt werden kann.

Ein Vielfaches kommt zurück

Henri Petigan ist im Auftrag des großen französischen Entsorgungsunternehmens Tredi an der Elfenbeinküste. Tredi wurde von der Regierung in Abidjan damit beauftragt, die Umweltkatastrophe irgendwie in den Griff zu bekommen. Das braucht seine Zeit. Erst in etwa drei bis vier Wochen kommen die 500 Tonnen Giftmüll zurück nach Europa - und noch einiges mehr, wie Petigan betont: "Da reden sie aber nur von den 500 Tonnen Giftmüll, die abgeladen wurden. Aber in Abidjan wurde ja auch das ganze Umfeld kontaminiert - Erdreich, Wasser, Beton - alles ist da verseucht und muss jetzt zurück transportiert werden. Da geht es um mehrere tausend Tonnen."

Europa bekommt also eine vielfache Ladung von dem zurück, was es der Dritten Welt gab. Wo der Giftmüll behandelt und entsorgt werden kann, weiß derzeit noch niemand. Es gibt etwa 30 Spezialdeponien innerhalb der EU, vor allem in Ländern, die eigentlich gar nichts mit dem Skandal zu tun haben: Frankreich etwa, oder Deutschland und Belgien.

Schwieriger Schwarzhandel

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas vor dem Gifttanker Probo Koala

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas vor dem Gifttanker Probo Koala (28.9.06)

Aus alter Verpflichtung gegenüber einer ehemaligen Kolonie hat die französische Regierung erklärt, man sei bereit, den Abfall auf französischen Spezialdeponien zu lagern. Das ändert allerdings nichts an der Frage nach der politischen Verantwortung. Das mit Giftmüll beladene griechische Schiff Probo Koala verließ unbeanstandet den Hafen von Amsterdam, dabei hätte es von den niederländischen Behörden blockiert werden müssen. Der Export giftiger Abfälle ist nämlich nach EU-Recht verboten.

Für Barbara Helfferich, die Sprecherin der EU-Kommission, scheint der Fall deshalb klar: "Die politische Verantwortung ist ganz gewiss bei den Mitgliedsstaaten, wir sehen das jetzt in den Niederlanden. Nur, wir haben es natürlich auch mit einem riesigen Schwarzhandel zu tun, gegen den es schwierig ist anzugehen."

Der Skandal zeige nur die Spitze des Eisbergs, sagt Barbara Helfferich und verweist auf Stichproben in europäischen Häfen: Die Hälfte aller als nichtgiftig deklarierten Abfalltransporte waren bei genaueren Untersuchungen giftig. Wer im Dreck wühlt, stößt auch oft auf ein undurchsichtiges Geflecht aus Wirtschafts- und Firmeninteressen.

Viele Dienstreisen für die Anwälte

Der Giftmüll-Frachter Probo Koala etwa ist ein griechisches Schiff, fährt unter panamesischer Flagge und im Auftrag eines internationalen Rohstoff-Konzerns: Trafigura, Hauptsitz im schweizerischen Luzern, geschätzter Gesamtumsatz nach Medienberichten fast 30 Milliarden US-Dollar pro Jahr: Trafigura hat 55 Büros in 36 Ländern, in Afrika, Südamerika, Russland, Asien. Die Anwälte des Konzerns sind viel unterwegs. Vor ein paar Monaten waren sie erst in den USA. Dort wurde Trafigura wegen illegaler Ölexporte aus dem Irak zu einer Geldbuße von 20 Millionen Dollar verurteilt.

Trafigura scheint spezialisiert zu sein auf risikohaltige Rohstoffgeschäfte. In einer Pressemitteilung heißt es allerdings: Man habe keinen Giftmüll an die Elfenbeinküste geliefert. Die Ladung sei ungefährlich gewesen und müsse vor Ort von einem lokalen Transportunternehmen kontaminiert worden sein. Im Übrigen sei man gerne bereit, seine Anwälte auch an die Elfenbeinküste zu schicken.

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  • Datum 18.10.2006
  • Autorin/Autor Martin Durm
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  • Permalink http://p.dw.com/p/9G1j
  • Datum 18.10.2006
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