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Wissen & Umwelt

Gift im Adventskalender?

Ein Test der Stiftung Warentest sorgt zu Beginn der Vorweihnachtszeit für Aufregung: Viele Schokoladenadventskalender sollen krebserzeugende Stoffe enthalten. Wie gefährlich sind sie wirklich?

Für viele deutsche Kinder gehört der Adventskalender zur Weihnachtszeit wie der Weihnachtsmann: Ab dem ersten Dezember wird jeden Tag eines der 24 Türchen geöffnet, hinter denen sich Bilder oder kleine Überraschungen verbergen.

Viele Kalender sind auch mit Schokoladenfiguren gefüllt. Die hat sich nun, pünktlich zur Vorweihnachtszeit, die Stiftung Warentest vorgenommen. Das Ergebnis, zu dem die unabhängige Stelle zur Überprüfung der Produktqualität und -sicherheit kommt, klingt erschreckend: Die Schokolade ist fast durchgehend mit Mineralöl belastet. Bei neun der insgesamt 24 geprüften Marken rät die Stiftung von einem Verzehr ab.

Mineralöl in der Schokolade

Besonders giftig seien dabei die aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe. Sie  stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, so Charlotte Granobs von der Stiftung Warentest im Gespräch mit der DW. Bei nicht-aromatischen Mineralölen ist das Risiko schwerer abzuschätzen, erklärt die Projektleiterin: "Man mutmaßt, dass sich diese Stoffe höchstwahrscheinlich im Körper anreichern, und man hat in Tierversuchen festgestellt, dass das in der Leber zu Entzündungen geführt hat."

Detlef Wölfle vom Bundesinstitut für Risikoforschung warnt dagegen gegenüber der DW vor allzu großer Panik: "Jeden Sommer produzieren wir beim Grillen Stoffe, die erwiesenermaßen krebserzeugend sind ", so der Toxikologe, "und nun regen wir uns über Schokolade auf, von der wir gar nicht wissen, ob sie krebserregend ist."

Schokoladenadventskalender (Foto: Matthias Bein)

Schokoladenadventskalender sind beliebt in Deutschland - und nicht alle sind ungefährlich

Mineralölbelastete Packungsfarben

Doch woher kommt überhaupt das Schweröl in der Schokolade? Die Antwort liegt in der Farbe, mit der die Verpackungen behandelt werden. "Gefunden wurden die Mineralöl-Kohlenwasserstoffe, die Bestandteile von Druckfarben sind", erklärt Chemiker Manfred Santen von Greenpeace im Gespräch mit der DW. "Wenn die Kalender aus recyceltem Papier bestehen, geraten diese Mineralölkohlenwasserstoffe auch in die Pappe."

Gerade bei Schokoladen-Adventskalendern kommen dann mehrere ungünstige Faktoren zusammen: Zum einen ist Schokolade sehr fetthaltig, und im Fett können sich die flüchtigen Giftstoffe aus dem Papier stärker anlagern als in fettärmeren Produkten wie etwa in Nudeln oder Reis. Zum anderen tritt der Effekt durch die lange Lagerung der Kalender von bis zu zwei Jahren stärker auf als bei schnell verbrauchten Produkten.

Politische Schutzmassnahmen in Planung

Neu ist die Entdeckung potentiell gefährlicher Mineralöle in Verpackungsfarben nicht. In einer Erklärung des Verbraucherministeriums auf Anfrage der DW heißt es: Bereits "bei amtlichen Kontrollen Ende 2009 wurde festgestellt, dass Lebensmittel aufgrund der Verwendung von Verpackungen aus Recyclingpapier mit Mineralöl belastet sein können".

Das Landwirtschaftsministerium hat seither Vorlagen für eine Mineralölverordnung und für eine Druckfarbenverordnung ausgearbeitet. Beide liegen derzeit noch zur Abstimmung in den zuständigen Ressorts der Ministerien von Bund und Ländern. Solange soll die sogenannte "Rahmenverordnung für Lebensmittelkontaktmaterialien" die Verbraucher schützen. Demnach dürfen von Verpackungen, die mit Lebensmitteln unmittelbar in Berührung kommen, keine Gesundheitsrisiken ausgehen. Die Verantwortung dafür liegt bei den Unternehmen, ihre Überwachung ist in Deutschland bislang Aufgabe der Bundesländer.

Kleiner Junge öffnet Adventskalender (Foto: Lagom)

Besonders Kinder lieben die Kalender mit Schokolade

Individuelle Vorsorge

Auch Greenpeace bestätigt, dass bereits seit über zwei Jahren Versuche unternommen wurden, die Farben mineralölfrei zu halten. Wenn das Papier allerdings älter ist und aufgearbeitet wurde, kommen diese Bemühungen schlicht zu spät.

Vorerst keine Recyclingprodukte zu kaufen, hält der Greenpeace-Fachmann für ökologisch kurzsichtig - aber zumindest da, "wo der direkte Kontakt zum Lebensmittel besteht, muss man über Alternativen nachdenken." In Nudelpackungen oder bei Tiefkühlgemüse etwa seien einige Produzenten bereits wieder dazu übergegangen, dünne Folien einzuziehen, sodass der direkte Kontakt zum Lebensmittel vermieden wird. Auch Innenbeschichtungen sind nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums eine "kurzfristig und effektiv" einzusetzende Maßnahme.

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