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Europa

Gibraltar – "The Rock" bleibt britisch

Die schmale Landzunge an der Südspitze der iberischen Halbinsel sorgt wieder mal für diplomatische Spannungen zwischen London und Madrid. Die neuesten Gespräche um die Zukunft Gibraltars endeten wiederholt ergebnislos.

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Einigkeit ohne Einigung: Blair und Aznar

Unberührt beobachten Gibraltars Affen das politische Tohuwabohu um "ihre" Insel. Die Touristenattraktion der schroffen Kalkinsel ist die einzige wild lebende Makaken-Art Europas. Wie im Affenhaus geht es nach Ansicht von Kritikern im Augenblick auch auf der politischen Bühne zu. Nach dem Motto: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Denn wieder einmal konnten sich Spanien und Großbritannien nicht über die Hoheitsrechte des etwa sechs Quadratkilometer großen Areals einigen, dass an Spanien grenzt. Viele Fragen sind ungeklärt.

Von Krise keine Rede

Antworten wollte man jüngst bei einem Treffen am 20. Mai 2002 finden, ohne Erfolg. Der britische Premierminister Tony Blair und sein spanischer Amtskollege José Maria Aznar setzten sich für zwei Stunden in London zusammen, um anschließend Einigkeit zu demonstrieren. Man fand nur nette Worte füreinander: Blair sagte, die Verhandlungen sollten in einer "positiven und konstruktiven Atmosphäre" fortgesetzt werden. Auch Aznar beteuerte, er hoffe auf eine Fortsetzung der Gespräche. Es sei falsch, bei den Gibraltar-Gesprächen von einer "Krise" zu sprechen.

Affenfels Gibraltar

Der Affenfels auf Gibraltar

Man wollte den seit fast 300 Jahren andauernden Konflikt endlich beilegen: Gibraltar gehört seit 1704 zu Großbritannien. Spanien erhebt seither Anspruch auf das Territorium, das die letzte Kolonie in Europa bildet. Im vergangenen November hatten sich beide Regierungen deshalb darauf verständigt, bis zum Sommer ein Abkommen zu unterzeichnen. Darin sollte Gibraltar fortan unter einer spanisch-britischen Doppelverwaltung stehen. Der britische Außenminister Jack Straw hatte jedoch vor dem Treffen bereits die Handbremse gezogen, um die Erwartungen niedrig zu halten.

Lösung nicht in Sicht

Straw räumte ein, es könne noch Jahre dauern, bis die Bevölkerung der britischen Kronkolonie eine Einigung akzeptiere, ganz gleich wie diese ausfalle. Selbst wenn sich London und Madrid auf ein vorläufiges Abkommen einigten – was bislang noch zweifelhaft ist – wäre dies wiederum Gegenstand neuer Verhandlungen. Der Weg zu einem Referendum sei darum steinig und lang, so Straw. Denn das Volk will laut Umfragen, dass alles so bleibt, wie es ist. Das würde sich auch in einer Abstimmung wiederspiegeln. Darum zögert Spanien beim Thema Volksabstimmung. Außerdem – so glauben Beobachter – befürchte Aznar, baskische Separatisten könnten darin einen Präzedenzfall sehen.

Gibraltar

Protest für ein freies Gibraltar

Dass demnächst auf dem Affenfelsen neben dem Union Jack auch die spanische Flagge flattern könnte, "stinkt" den knapp 30.000 Einwohnern Gibraltars. "Bloody traitor", Verräter, ist noch eine der freundlichsten Umschreibungen für die Diplomaten und Unterhändler des britischen Premierministers Tony Blair. "Wenn die uns an Spanien verkaufen, dann werde ich Terrorist und gehe in den Untergrund", faucht ein Bewohner des "Felsens" und fügt hinzu: "Wir haben jetzt zwei Feinde: die spanische und die britische Regierung". Den Affen wird das wohl egal sein. Sie hocken weiter friedlich auf den steilen Klippen.

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