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Wissen & Umwelt

Gibbons trällern wie in der Oper

Weißhandgibbons sind nicht nur hervorragende Kletterer, die sich an ihren langen Armen von einem Urwaldbaum zum nächsten schwingen, sie leisten auch beim Singen Außergewöhnliches.

Wer im Zoo oder sogar in freier Wildbahn schon einmal das Glück hatte, Gibbons zu beobachten, der weiß, wie behände sich die Tiere an ihren langen Armen von Ast zu Ast schwingen können. Doch nicht nur als Kletterer sind die kleinen Menschenaffen überaus talentiert. Auch als Sänger tun sie sich hervor: Jeden Morgen machen sich die Tiere mit spektakulären Gesangseinlagen bemerkbar. Bis zu 30 Minuten lang dauert ein solcher Auftritt, den man einige Kilometer weit durch den Regenwald hören kann.

Und genau diesen morgendlichen Gesang haben Wissenschaftler des Primaten-Forschungsinstituts der Universität Kyoto in Japan nun untersucht. Dabei haben sie festgestellt, dass die Gibbons sich beim Singen der komplizierten Soprantechnik bedienen. Bei den Menschen beherrschen das im Grunde nur ausgebildete Opernsängerinnen.

Veränderungen im Vokaltrakt

Die Wissenschaftler setzten ein zwei Jahre altes Weißhandgibbon-Weibchen gemeinsam mit seinem Betreuer in eine kleine Kammer. Der Pfleger animierte den Affen durch eigenes Rufen zum Gesang. Danach zeichneten die Forscher 20 Laute auf. Anschließend gaben sie ein Helium-Gemisch in die Kammer, zeichneten erneut 37 Schreie des Gibbons auf und werteten sie anhand eines mathematischen Models aus.

Eine Opernsängerin in Pose Foto: Fotolia/Kalim

Was Affen natürlich können, müssen Menschen meist mühsam lernen: Operngesang

Dabei zeigte sich: Der Weißhandgibbon war offenbar in der Lage, seine Laute ganz bewusst durch Form-Veränderungen des Rachenraums, sowie der Mund- und Nasenhöhle zu steuern. Um trotz des Heliums, das die Stimme verändert und sehr hoch werden lässt, weiter seine typischen Rufe aussenden zu können, reagierte das Gibbon-Weibchen und veränderte offenbar gezielt die Form des stimmerzeugenden Vokaltrakts.

Keine Sonderstellung

Eine solche Steuerung ist nach Expertenmeinung auch für Sopranistinnen schwierig zu meistern. Die Forscher sehen darin den Beweis, dass Gibbons beim Singen fast immer – und ohne großen Aufwand – die Soprantechnik nutzen.

Die Studie, die im "American Journal of Physical Anthropology" erschien, offenbare ein neues Verständnis der Sprach-Evolution von Gibbons und enthülle, dass die physiologische Grundlage der menschlichen Sprache gar nicht so einzigartig sei wie bislang angenommen.