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Afrika

Ghanas schwarzes Gold

Vor drei Jahren haben Wissenschaftler im Nordwesten Ghanas Öl entdeckt. Doch nach der Anfangs-Euphorie befürchten jetzt viele, dass Ghana zu einem zweiten Nigeria werden kann. Ein neues Gesetz soll davor schützen.

Farmer steht vor einer Ölquelle in Nigeria (Foto: pa/dpa)

Ölquelle in Ghana

Vor drei Jahren ging eine Welle der Erleichterung und Begeisterung durch Ghana. Endlich wurde das entdeckt, worauf das westafrikanische Land schon seit Jahrzehnten gewartet hatte. Unter der Erde ist tatsächlich Öl. Erste Funde hatte es zwar schon Ende der 60er Jahre gegeben, doch für eine Förderung im großen Stil reichten diese nie aus. Franklin Cudjoe, der für die Nichtregierungs-Organisation Imani arbeitet, kann sich noch gut an die Zeit der Euphorie erinnern, vor allem aber an die Reaktion des damaligen Präsidenten John Kufuor: "Als er zum ersten Mal ein Glas mit Öl in den Händen hielt, hat er über das ganze Gesicht gestrahlt und gesagt: Gott hat uns gesegnet. Von nun an wird es vorwärts gehen."

Wird Ghana ein zweites Nigeria?

Franklin Cudjoe (Foto: Katrin Gänsler)

Franklin Cudjoe

Ein verlockender und beruhigender Gedanke, denn der Rohstoff ist heute begehrter denn je. Doch gleichzeitig hat er vielen Ghanaern auch Sorgenfalten auf die Stirn getrieben. "Wer kann schon garantieren, dass die Gewinne überhaupt dem Land zugutekommen?" sagt Cudjoe und spielt damit auf Nachbarland Nigeria an. Schließlich hat das schwarze Gold dort jede Menge Gewalt und Probleme gebracht und die allermeisten Nigerianer nicht von den Funden profitieren lassen. "Wir kennen die Auswirkungen und sehen sie in den Nachrichten. Daher können wir nur beten, dass Ghana nicht zu einem zweiten Nigeria wird", befürchtet auch Wissenschaftler Tim Adotey.

Ein neuer Gesetzesentwurf, der den sperrigen Namen "Proposed Oil Revenue Management Bill" – kurz PRMB – trägt, könnte das jedoch verhindern. Das Schriftstück stammt aus dem Finanzministerium und befasst sich im Kern damit, wer in welcher Form vom Öl-Geld profitieren könnte. Ideen dafür gibt es genug. Möglich wäre beispielsweise, einen Teil der Gewinne in Bildung und Schulen zu investieren. Mit dem Geld könnte aber auch die Infrastruktur verbessert werden.

Die Gesellschaft mit ins Boot holen

Kinder und Jugendliche in Ghana (Foto: Katrin Gänsler)

Für Kinder und Jugendliche könnten mit dem Öl-Geld Schulen gebaut werden

Besprochen werden soll all das jedoch nicht nur hinter verschlossener Tür. Deshalb wird der Entwurf derzeit im ganzen Land präsentiert und diskutiert. Mit einbezogen werden beispielsweise traditionelle Herrscher, Wissenschaftler, Politiker und Nichtregierungs-Organisationen, die die Zivilgesellschaft entscheidend prägen. Für Tim Adotey darf aber auch eine weitere Interessengruppe nicht fehlen: die multinationalen Ölkonzerne. Obwohl sie gerade in Entwicklungsländern oft als Ausbeuter charakterisiert werden, hält Adotey sie für extrem wichtig: "Sie werden uns sagen, was überhaupt möglich ist, weil sie Gesellschaft und Umfeld kennen." Eins ist für den Ghanaer jedoch auch ganz klar: "Sie dürfen sich nicht über das Gesetz stellen. An das ist jeder gebunden, in jeder Gesellschaft."

Dokumente geben keine Garantie

Doch bei aller Euphorie und einem eigenen Gesetz bleibt auch Skepsis. Stellt ein noch so ausgeklügeltes Papierwerk sicher, dass Ghana tatsächlich vom Öl-Boom profitiert und das Geld nicht doch in irgendwelchen schwarzen Kassen versickert? Franklin Cudjoe jedenfalls hat Bedenken. Bestes Beispiel ist für ihn wieder einmal Nigeria: "In Nigeria sagt man: Das haben wir doch alles gemacht. Wir haben darüber gesprochen, wir haben jeden gewarnt. Aber seht euch an, wo wir stehen." Schließlich würden am Ende auch die besten Dokumente und Absichten keine Garantie darüber geben, dass die ghanaische Bevölkerung tatsächlich vom Öl profitiert.

Autorin: Katrin Gänsler
Redaktion: Klaudia Pape