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Politik

Ghanas postkoloniale Erfolgsstory mit Schönheitsfehlern

Die Wahl von Ghanas neuem Präsidenten Atta Mills ist friedlich verlaufen. Das Land hat sich in den letzten Jahren vom Sorgenfall zu einem afrikanischen Vorzeigestaat gemausert. Ein Rückblick auf eine bewegte Geschichte.

Fahne Ghanas 1957 (Quelle: DPA)

Die frühere britische Kronkolonie Ghana war das erste unabhängige Land Schwarzafrikas

Kwame Nkruma (Quelle: AP)

Erstes Staatsoberhaupt wurde Kwame Nkruma

1957: Das bis dahin Goldküste genannte Ghana erlangt die Unabhängigkeit von Großbritannien. Der ghanaische Freiheitskämpfer Kwame Nkrumah wurde Ghanas erstes Staatsoberhaupt. Das christlich geprägte Land blieb zwar für immer frei, wie Nkrumah es wollte, er selbst allerdings wurde nach neun Jahren im Amt von seinem Präsidentensessel geputscht.

Auf den ersten Umsturz folgten weitere, Ghana wurde politisch instabil und zunehmend heruntergewirtschaftet.

"Revolution ohne Tränen gibt es nicht"

1981 übernahm Jerry John Rawlings die Herrschaft. Auch er putschte sich an die Macht - hatte aber eine andere Agenda als seine Vorgänger. "Ich habe an jenem ereignisreichen Tag ganz klar gemacht", sagte Rawlings rüchblickend, "dass es sich hier nicht um einen Putsch wie jeder andere handelt, sondern dass wir eine Revolution beginnen, die diese Nation von Grund auf verändern wird, und ihr wisst alle, dass es eine Revolution ohne Tränen nicht gibt." Denn auch Rawlings' Machtübernahme hatte ihren Preis: Er konsolidierte seine Macht wie seine Vorgänger-Putschisten mit Gewalt.

Jerry John Rawlings regierte Ghana von 1981 bis 2001 (Quelle: AP)

Jerry John Rawlings regierte Ghana von 1981 bis 2001

Dann aber entwickelte er sich zu einem Reform- und Langzeitpräsident. Nach Kwame Nkrumah prägte Rawlings Ghana am stärksten. Rawlings regierte von 1981 bis 2001. Innerhalb dieser zwei Jahrzehnte führte er Ghana auf einen Sanierungskurs - vom Sorgenfall zum Musterland. Rawlings arbeitete eng mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank zusammen. Er trieb die Entschuldung voran und demokratisierte Ghanas politisches System. 1992 ließ er per Referendum über eine demokratische Verfassung abstimmen, die auch die Zulassung von Parteien vorsah, wenige Monate später trat sie in Kraft. In Ghanas Geschichte ein Meilenstein.

Rawlings selbst bewies im Jahr 2000, dass er es ernst meinte mit dem demokratischen Wandel. "Zum Ende meiner Amtszeit wünsche ich mir, dass mein Nachfolger, egal, wer es sein wird, auf würdevolle und faire Weise ins Amt gewählt wird, und ohne Streit." Sein Wunsch sollte sich erfüllen.

Erfolgreich gegen Armut gekämpft

Präsident John Kufuor (Quelle: AP)

Präsident John Kufuor darf nicht nochmal kandidieren

Mit der Wahl von John Aygekum Kufuor zum neuen Präsidenten erlebte Ghana seinen ersten demokratischen Machtwechsel. Kufuor regiert seit 2001 über ein Land mit Vorbildcharakter. Medien- und Meinungsfreiheit sind garantiert, die Korruption ist vergleichsweise wenig verbreitet. Fast 20 Parteien sind in der politischen Landschaft aktiv. Mittlerweile lebt nur noch ein gutes Drittel der Ghanaer unter der Armutsgrenze, 1990 war es noch die Hälfte.

Auch Ghana kämpft trotzdem mit massiven Problemen. So sind AIDS und andere Krankheiten weit verbreitet. Ghanas Wirtschaft fußt bis heute vor allem auf Rohstoff-Exporten, darunter vor allem Kakao und Gold - was eine gefährliche Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen bedeutet. Jüngst entdeckte Ölfelder vor der Küste werden in den nächsten Jahren allerdings eine zusätzliche Einnahmequelle bieten.

Ghana will echter Partner sein

Zugleich ist Ghana auf Nahrungsmittel-Importe und Entwicklungshilfegelder angewiesen. Seine Vorstellung von Entwicklungszusammenarbeit umriss Kufour im September dieses Jahres auf der internationalen Entwicklungskonferenz in der ghanaischen Hauptstadt Accra. "Entwicklungshilfe soll den Empfängerländern nicht nur bei der Überwindug der Armut helfen, sondern sie wirtschaftlich nach vorne bringen, so dass sie echte Partner für internationale Investionen werden."

Außenpolitisch pflegte Kufour Ghanas Beziehungen zu den USA und zu anderen westlichen Industriestaaten, auch in militärischer Hinsicht. Ghanas Armee ist seit langem an verschiedenen internationalen Friedensmissionen beteiligt, unter anderem im Libanon, in Darfur und im Kosovo.

Angela Merkel und John A. Kufuor 2007 in Heiligendamm (Quelle: AP)

Angela Merkel und John A. Kufuor 2007 in Heiligendamm

Mit Deutschland pflegt Ghana traditionell enge Beziehungen. Bei seinem Deutschlandbesuch im August dieses Jahres lobte Kufuor die Bundeskanzlerin überschwenglich: "Das Interesse, dass sie an Afrika zeigt, an der Wiederherstellung des Friedens, die Unterstützung, die sie für die Konfliktbewältigung in dieser Region zeigt - das macht sie zu einem sehr wertvollen Partner für unseren Kontinent."

Hohe Erwartungen an neuen Präsidenten

John Atta Mills - Wahlen in Ghana

Der Neue: John Atta Mills

Um eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit mit seinen internationalen Partnern wird sich nun Ghanas neuer Präsident Atta Mills kümmern müssen. Er hat sich im Wahlkampf als Politiker sozialdemokratischer Prägung präsentiert. Das kam an in Ghana, wo vor allem die arme Bevölkerung den neoliberalen Wirtschaftskurs von Kufuors Regierung für gestiegene Preise und schwierigere Lebensumstände verantwortlich macht. Die Erwartungen sind groß, räumte der gewählte Präsident in seiner Siegesrede ein. «Dieser Sieg ist nur der erste Schritt einer Reise über tausende von Meilen.» Weil die Staatskasse leer ist, wird es Atta Mills nicht leichtfallen, die im Wahlkampf versprochenen Sozialprogramme zu finanzieren.

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