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Fußball

Ghanas Black Stars funkeln weiter

Sie sind die Hoffnung Afrikas: Nach dem knappen Sieg gegen die USA stehen Ghanas Fußballer zur Freude der afrikanischen Fans im Viertelfinale der WM. Im anderen Achtelfinalspiel setzte sich Uruguay gegen Südkorea durch.

Ghanas Spieler jubeln (Foto: AP)

Zum ersten Mal seit 40 Jahren steht Uruguay in einem WM-Viertelfinale. Die Südamerikaner gewannen verdient mit 2:1 (1:0) gegen kämpfende, aber letztlich glücklose Südkoreaner. In der zweiten Achtelfinalpartie lieferten sich die USA und Ghana ein enges Match, das Ghana erst nach Verlängerung mit 2:1 (1:1, 1:0) für sich entscheiden konnte. Im Viertelfinale treffen Uruguay und Ghana am 2. Juli aufeinander.

USA - Ghana

Ein grober Stockfehler von Ricardo Clark im Mittelfeld bescherte Ghana einen Traumstart: Der gebürtige Berliner Kevin Prince-Boateng machte nach einem Alleingang mit einem satten Flachschuss die frühe Führung für Ghana (5. Minute). Weder die zu passiven US-Verteidiger noch ihr Schlussmann Tim Howard sahen bei dem Schuss ins kurze Eck besonders gut aus. Auch nach dem frühen Tor wirkte Ghanas Spielanlage besser. Die "Black Stars" aus Westafrika zeigten schnellen Konterfußball, der die US-Kicker unter Druck setzte.

Kevin-Prince Boateng im Duell mit Landon Donovan (l.) (Foto: AP)

Ghanas Bester: Kevin-Prince Boateng zeigte eine klasse Leistung und traf zum umjubelten 1:0

Die Ghanaer erarbeiteten sich zahlreiche Chancen, bei denen die US-amerikanischen Verteidiger alt aussahen. Bei einem Freistoß von André Ayew in der 18. Minute musste der US-amerikanische Keeper Tim Howard die Fäuste zu Hilfe nehmen und nur neun Minuten später hätte Kevin Prince-Boateng bei einem besseren Zuspiel von Kwadwo Asamoah die Chance auf das 2:0 gehabt.

Spätes Erwachen der US-Kicker

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton auf der Tribüne (Foto: AP)

Noch optimistisch: Ex-US-Präsident Bill Clinton

Erst in der 35. Minute sorgten die USA zum ersten Mal für Gefahr im ghanaischen Strafraum. Robbie Findley ging allein auf den ghanaischen Torhüter Richard Kingson zu, schoss aber zu unplatziert und vergab so die Chance zum Ausgleich. Ghana war in der ersten Hälfte klar überlegen und nur im Abschluss nicht zwingend genug.

Nach der Pause waren es jedoch die US-Spieler, die motivierter aus der Kabine kamen. Der gerade eingewechselte Benny Feilhaber scheiterte am glänzend reagierenden Keeper Richard Kingson (47.). Ghana ließ den US-Boys zuviel Raum, wirkte plötzlich passiver als im ersten Durchgang. Die Quittung dafür kam in der 61. Minute: Ghanas Kapitän Jonathan Mensah konnte Clint Dempsey im Strafraum nur per Foulspiel bremsen und der anschließende Strafstoß war eine Chance, die sich Landon Donovan nicht nehmen ließ. Der Kalifornier schoss präzise an den rechten Innenpfosten und ließ Ghanas Keeper Richard Kingson keine Chance.

Blitzstart in die Verlängerung

US-Spieler jubeln nach dem 1:1 (Foto: AP)

Ausgleich: Donovan bringt die USA zurück ins Spiel

Danach zeigten die US-Spieler eine große kämpferische Leistung und drängten auf die Führung, blieben vor dem Tor jedoch unglücklich. Die Folge war die erste Verlängerung in diesem Turnier, in die Ghana ohne ihren Besten gehen musste: Kevin Prince-Boateng verletzte sich und musste ausgewechselt werden. Dennoch starteten die "Black Stars" auch in die Verlängerung mit einem Paukenschlag: Nach einem langen Pass von André Ayew nahm Asamoah Gyan den Ball in vollem Lauf mit der Brust mit, setzte sich trotz eines Bodychecks von Carlos Bocanegra durch und hämmerte das Spielgerät unhaltbar für Tim Howard in die Maschen.

Für eine entsprechende Antwort fehlte den Spielern von US-Trainer Bob Bradley schlicht die Kondition. Zu viel Kraft hatte die erste Aufholjagd während der regulären Spielzeit gekostet. Auch ohne ihren großen Star Michael Essien qualifizierten sich die "Black Stars" für das Viertelfinale und lassen ihre Fans somit weiter von einem afrikanischem WM-Märchen träumen.

Uruguay - Südkorea

Es war vielleicht nicht das Achtelfinale mit den großen, klingenden Namen, aber es war eine durchaus ansehnliche Partie. Gleich zu Beginn sahen die Fans in Port Elizabeth Chancen auf beiden Seiten: Erst zirkelte der Südkoreaner Chu-Young Park einen Freistoß aus 20 Metern an den Pfosten (4. Minute), während Uruguays Torhüter Fernando Muslera nur hinterher schauen konnte. Doch auch Uruguays Angriff um Starstürmer Diego Furlan setzte auf der anderen Seite den Gegner früh mit schnellem Spiel unter Druck – und das sollte bald Früchte tragen: Diego Forlan passte vom linken Flügel in die Mitte, wo sich Torwart Sung-Ryong Jung auf eine seltsame Weise nicht entscheiden konnte, ob er herauslaufen oder auf der Linie stehen bleiben sollte. Luis Suarez hatte wenig Mühe ins leere Tor zum 1:0 einzuschieben (8. Minute).

Uruguay mit starker Defensivleistung

Torwart Jung kommt nicht an den Ball (Foto: AP)

Kapitaler Fehler: Torwart Jung kommt nicht an den Ball

Den Schock des frühen Rückstandes mussten die Südkoreaner erst einmal verdauen. Das Team von Trainer Jung-Moo Huh leistete sich zahlreiche Fehlpässe und ließ immer wieder die schnellen Konter durch die schnellen Spitzen Uruguays Diego Forlan und Luis Suarez zu. Auf der anderen Seite demonstrierten die Südamerikaner eindrucksvoll, warum sie zuvor in den drei Gruppenspielen kein Gegentor kassiert hatten. Die Abwehr der Uruguayer attackierte die Offensivspieler Südkoreas hart und verhinderte so einen strukturierten Spielaufbau. Einzig der südkoreanischer Mittelfeldspieler Chu-Young Park von Manchester United sorgte mit präzisen Distanzschüssen für Gefahr vor dem Tor der Uruguayer.

Südkorea nach der Pause forscher

Kurz vor der Halbzeit forderten die Spieler Uruguays Handelfmeter: Jung-Woo Kim kam im Strafraum mit der Hand an den Ball, doch der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark erkannte keine Absicht und ließ weiterlaufen. Nach der Pause begann Südkorea energischer, spielte schnelleren Kombinationsfußball und kam nun endlich auch im Strafraum zur ersten Torchance, die Jae-Sung Kim vergab (50.). Die Asiaten erhöhten weiter die Geschwindigkeit in ihrem Spiel und Uruguay hatte in der 64. Minute Glück, dass Schiedsrichter Stark nach einem Foul von Edinson Cavani im Strafraum nicht auf Strafstoß entschied.

Luis Suarez (am Boden) wird von Mitspielern gefeiert

Früher Jubel bei Uruguay: Luis Suarez (am Boden) trifft und wird danach stürmisch gefeiert

Uruguay konzentrierte sich viel zu früh auf das Verteidigen des Vorsprungs, was sich kurz darauf rächte: Nach einem Freistoß in den Strafraum geriet ein Rettungsversuch von Mauricio Victorino zur ungewollten Vorlage für Chung-Yong Lee, der aus kurzer Distanz zum Ausgleich köpfte. Uruguay übernahm danach prompt wieder die Initiative. Nach einer Ecke war es erneut Luis Suarez, der Uruguay jubeln ließ: Mit einem angeschnittenen Ball traf der erst 23 Jahre junge Suarez zum 2:1 (80). Mit seinem dritten WM-Treffer schoss sich der Torschützenkönig der niederländischen Liga (35 Tore in 33 Spielen) auch an die Spitze der Torjägerliste der WM (gemeinsam mit dem Argentinier Gonzalo Higuain, dem Spanier David Villa und dem Slowaken Robert Vittek).

Südkoreas Kampf wurde nicht belohnt

Die Südkoreaner versuchten in der Schlussphase noch einmal alles, mussten aber nach 90 packenden Minuten in Port Elizabeth letztlich verdient die Heimreise antreten, während Uruguays rationaler und ergebnisorientierter Fußball weiter auf sich aufmerksam macht.

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Jens Krepela/Stefan Nestler

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