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Afrika

Ghana wartet auf Barack Obama

"Yes we can" - von Addis Abeba bis nach Durban setzen Afrikaner auf Obama. An diesem Freitag tritt der US-Präsident die erste Afrika-Reise in seiner Amtszeit an. Aber ändert sich für Afrika mit Obama wirklich etwas?

Obama-Anhänger in Afrika (Foto: AP)

Der erste schwarze US-Präsident hat in Afrika viele Anhänger

Wie kaum ein anderes Land steht Ghana für eine gelungene politische und wirtschaftliche Entwicklung in Afrika. Aus diesem Grund hat das Weiße Haus auch Ghana als erstes afrikanisches Reiseziel für Barack Obama ausgesucht. Aber auch andere Gründe hätten bei der Wahl eine Rolle gespielt, sagt der kenianische Politologe Machaia Munene: "Ghana hat einen hohen Symbolwert wegen der historischen Bedeutung. Es war der erste Staat, dem die Unabhängigkeit übertragen wurde."

Kwame Nkrumah (Foto: AP)

Ghanas erster Präsident: Kwame Nkruma

So seien Ghana und sein damaliger politischer Führer Kwame Nkrumah zum Symbol für die Unabhängigkeit geworden. "Und das nicht nur in Afrika, sondern auch in den USA bei der dortigen Bürgerrechtsbewegung", sagt Machaia Munene. "Ich hoffe sehr, dass Obama die Gelegenheit dieses Besuchs nutzen wird, um eine klare Botschaft für Afrika zu finden, um klar zu definieren, was die amerikanische Politik mit Afrika kennzeichnen wird." Bisher sei das noch nicht geschehen.

Vorbild Ghana

Ghana selbst steht für die Erfolge, die in vielen anderen Staaten Afrikas an den jeweiligen Eliten scheitern. Für das, was die USA auf dem Kontinent unterstützen wollen: für wirtschaftliche und politische Entwicklung, für einen transparenten Umgang mit Ressourcen, für politische Verantwortung und entsprechendes Handeln, wenn es darum geht, Armut zu bekämpfen und Bildung und Entwicklung voranzubringen.

Ghana steht aber auch für gute Beziehungen zu den USA - insgesamt also ein schmückendes Reiseziel für den amerikanischen Präsidenten. "Dass die Wahl auf Ghana gefallen ist, soll unterstreichen, wie wichtig gute demokratische Regierungsführung ist und es unterstreicht, was eine relativ erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung ausmacht", sagt der Politologe Nicolas van de Walle von der Cornell Universität Ithaka, New York.

Fortführung von Bushs Politik?

Bush mit Boni Yayi in Benin (Foto: AP)

Strategische Allianzen: Bush auf Afrikareise

Dass die Wahl auf ein bewährtes Partnerland wie Ghana gefallen ist, zeigt aber auch, dass die Regierung Obama mit ihrer Afrikapolitik an vieles anknüpfen wird, was die Bush-Regierung begonnen hat. Bereits die Bush-Regierung hatte Afrika aufgewertet. Es ging den USA dabei um die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Bedeutung des Kontinents: Um Öl und andere Ressourcen und um eine enge sicherheitspolitische Zusammenarbeit, um Afrika nicht zum Hinterhalt international operierender Terrorgruppen werden zu lassen. Diese Interessen werden die amerikanische Politik gegenüber Afrika auch weiterhin leiten.

Aber auch unter Obama, dessen Vater aus Kenia stammte, werde Afrika nicht plötzlich zur Priorität amerikanischer Außenpolitik. Doch vom ersten afro-amerikanischen Präsidenten der USA erwarte man auf dem Kontinent viel, betont der Kenianer Munene. "Wir erwarten von Obama eine klare Botschaft der Gleichheit. Dass er klarstellt, dass der afrikanische Kontinent und seine Themen gleichberechtigt behandelt werden", sagt der Politologe. Das sei keine Frage finanzieller Unterstützung und materieller Leistungen. "Es geht darum, dass der Zugang ,den amerikanische Waren und Politiker zum afrikanischen Kontinent haben, auch umgekehrt existiert. Es geht um Themen wie den Welthandel und den Zugang zum amerikanischen Markt."

Weg vom Boss-Gehabe

Obama-Fans in Kenia (Foto: AP)

Jubel über Obamas Wahlsieg in Kenia

Einen ehrlichen partnerschaftlichen Umgang also - den erwarten die Afrikaner vom schwarzen Präsidenten Obama, auf den sie so stolz sind, als ob es der eigene wäre. "Unsere Haupterwartung ist, dass sich eine positivere Grundeinstellung gegenüber Afrika durchsetzt. Dass nicht mehr die Haltung eines Bosses die amerikanische Politik durchzieht wie ein roter Faden: hier die Supermacht - dort die abhängigen Afrikaner", sagt Munene. Bisher habe die Sicht der Afrikaner nicht gezählt.

"Yes we can", erklang es während des amerikanischen Wahlkampfes überall auf dem afrikanischen Kontinent. Dieses "yes we can" lässt sich aus Sicht vieler Afrikaner auch auf Afrika übertragen. Es steht für die Überzeugung, dass alles zu schaffen ist, gleichgültig wie schlecht die Bedingungen sind. Also ist es in den Augen vieler Afrikaner auch zu schaffen, dass mit Afrika anders, gleichberechtigter umgegangen wird. Die Mehrheit der afrikanischen Öffentlichkeit ist schon jetzt davon überzeugt, dass der erste afro-amerikanische Präsident der USA eine andere Haltung zum afrikanischen Kontinent hat als sein Vorgänger. Nun darf man gespannt sein, ob Obama diese während seines ersten Besuchs überzeugend deutlich macht.

Autorin: Ute Schaeffer

Redaktion: Christine Harjes

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