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Sport

Ghana scheitert in Viertelfinal-Drama

Ghana hat sein Fußball-Trauma. Im Viertelfinale scheitern die Black Stars in einem Elfmeter-Krimi an Uruguay. Die Südamerikaner gewannen mit 5:3 (1:1) n.E.

Ghanas Kapitän Mensah hat die Hände enttäuscht über dem Kopf verschränkt (AP Photo/Bernat Armangue)

Ghanas Kapitän Mensah - Enttäuschung pur

Dramatik pur bot das Viertelfinale zwischen Ghana und Uruguay. Die Partie wurde im Elfmeterschießen entschieden. Doch der Verlierer des Duells stand schon vor dem ersten Schützen fest. Ghanas Spielern stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, sie hatten in letzter Sekunde den Sieg vergeben. Nach 120 Minuten aufopferungsvollem Kampf bekamen sie in der Nachspielzeit der Verlängerung einen Elfmeter zugesprochen.Uruguays Suarez hatte den Ball mit der Hand auf der Linie geklärt und musste dafür vom Platz. Asamoah Gyan legte sich den Ball zurecht, lief an und setzte den Elfmeter an die Latte. Die vielen Fans und Unterstützer Ghanas unter den 84 000 Zuschauern im Soccer City Stadion hielten für einen Moment den Atem an.

Gyans Elfmeter landet an der Latte (AP Photo/Luca Bruno)

Gyans (r.) kapitaler Fehlschuss in den letzten Sekunden

Schiedsrichter Benquerenca aus Portugal pfiff ab und bat die Teams zum Elfmeterschießen. Es kam wie es kommen musste: Auf Seiten Ghanas versagten Kapitän Mensah und Adiyiha die Nerven. Das reichte für Abreu, um Uruguay mit einem fast überheblichen Lupfer ins Halbfinale zu schießen.

Afrika drückte Ghana die Daumen

Es war das Duell der Überraschungsmannschaften in diesem Viertelfinale. Uruguay hatte es zum ersten Mal seit 40 Jahren wieder in die Runde der letzten Acht geschafft, Ghana noch nie. Gesucht wurde der Halbfinalgegner der Niederländer, die zuvor Rekordweltmeister Brasilien aus dem Turnier befördert hatten. Die große Mehrheit der Fans im Stadion hielt zu Ghana, der letzten im Turnier verbliebenen Mannschaft aus Afrika. Doch trotz des tausendfachen Vuvuzela-Konzerts erwischten die Südamerikaner den besseren Start in die Partie. Zum ersten Mal richtig gefährlich wurde es in der 18. Minute. Nach einer Ecke musste Ghanas Torhüter Kingson einen Ball parieren, der von der Brust seines Teamkollegen Mensah gefährlich aufs Tor kam. Wenig später prüfte Suarez mit einem satten Schuss den afrikanischen Schlussmann. Doch Kingson konnte Ball über die Latte lenken. Nach einer halben Stunde kam Ghana besser ins Spiel und hatte gleich zwei gute Torgelegenheiten. Vorsah setzte einen Kopfball knapp drüber, kurz darauf zielte Gyan knapp neben das Tor.

Verletzung sprengte Uruguays Innenverteidigung

Ghanas Torschütze Muntari jubelt über seinen Treffer (AP Photo/Bernat Armangue)

Muntari (l.) brachte Ghana in Front

Bei Uruguay sorgt eine weitere Szene für einen Bruch im Spiel. Mannschaftskapitän Lugano musste in der 38. Minute verletzt vom Platz. Nach einem Kopfballduell war ein ghanaischer Spieler unglücklich auf seinem Knie gelandet. Damit war die bis dato so standfeste uruguayische Innenverteidigung endgültig gesprengt, denn Trainer Tabarez hatte schon von Beginn an auf den verletzten Godin verzichten müssen. Bei Ghana drehte in dieser Phase Kevin Prince Boateng auf. Er dominierte im Mittelfeld und scheiterte vor dem Tor mit dem Versuch eines Seitfallziehers nur knapp. Gedanklich waren die Uruguayer wohl schon in der Pause als Muntari zuschlug. In der zweiten Minute der Nachspielzeit wurde er im Mittelfeld nicht attackiert und zog aus mehr als 30 Metern ab. Der Ball drehte sich tückisch ins rechte Eck – die 1:0-Pausenführung für Ghana.

Kunstschütze Forlán schlug zu

In der zweiten Hälfte spekulierten die Black Stars zunächst auf Konter, allerdings spielten sie nicht präzise genug. Stattdessen kassierten sie den Ausgleich. In der 55. Minute zog Forlán einen Freistoß von der linken Strafraumkante direkt aufs Tor. Ghanas Schlussmann Kingson konnte ihn nicht parieren. Er hatte auf die andere Ecke spekuliert, außerdem wechselte der umstrittene WM-Ball unvermittelt die Richtung. Das bekam kurz darauf auch sein Gegenüber Mustera zu spüren. Er ließ einen Schuss von Gyan ins Feld zurückprallen, doch seine Vorderleute konnten noch rechtzeitig klären. Danach spielte aber fast nur noch Uruguay. In der 63. Minute setzte sich Forlán schön auf der linken Seite durch. Seine Hereingabe konnte Suarez aber nicht verwerten. Dessen Volleyschuss aus spitzem Winkel landete am Außennetz. Wenig später zielte Suarez besser, doch Kingson konnte den wuchtigen Schuss entschärfen. In der Schlussphase der regulären Spielzeit blieben gute Torchancen Mangelware. Beide Teams hatten offenbar Angst noch kurz vor dem Schlusspfiff ein Tor zu kassieren und spielten nicht mehr entschlossen nach vorne. Nach 90 Minuten stand es unentschieden 1:1.

Ghana besser, aber mit traumatischem Finale

(AP Photo/Ivan Sekretarev)

Suarez Handspiel auf der Linie bewahrte Uruguays Chancen

In der Verlängerung zeigte überraschenderweise Ghana wieder mehr Biss. Vor allem in der zweiten Hälfte hatten sie mehrere gute Möglichkeiten. In der 118. Minute köpfte Boateng aus drei Metern knapp neben das Tor. Kurz darauf musste Mustera einen abgefälschten Schuss mit einer Glanzparade entschärfen. Dann kam es zu der aus ghanaischer Sicht traumatischen Szene in den letzten Sekunden. Nach einem Gewühl im Strafraum konnte Uruguays Stürmer Suarez einen Schuss noch regelkonform auf der eigenen Torlinie klären. Beim Nachschuss nahm er die Hände zu Hilfe. Der portugiesische Schiedsrichter zögerte nicht, er entschied auf Strafstoß und zeigte Suarez die Rote Karte. Der Rest ist bekannt. Uruguay schafft zum ersten Mal seit 40 Jahren den Sprung ins Halbfinale und trifft dort am Dienstag (06.07.2010) auf die Niederlande.

Autor: Jens Krepela
Redaktion: Joscha Weber

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