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Afrika

Ghana nach dem Tod des Präsidenten

Der Präsident Ghanas, John Atta Mills, ist überraschend gestorben. Er hinterlässt eine Vorzeigedemokratie auf dem afrikanischen Kontinent. Doch wird sie sich nach Mills Tod auch halten können?

Ghana's Vice-President John Dramani Mahama (C) sits after taking the oath of office as head of state, hours after the announcement of the death of Ghana's President John Atta Mills, in the capital Accra, July 24, 2012. Mills, who won international praise for presiding over a stable model democracy in Africa, died suddenly on Tuesday and his vice-president was quickly sworn in to replace him at the helm of the oil, gold and cocoa producer. Mahama, 53, will serve as caretaker president until the elections at the end of the year. REUTERS/Yaw Bibini (GHANA - Tags: POLITICS ELECTIONS TPX IMAGES OF THE DAY)

John Dramani Mahama Vereidigung als Staatschef Ghanas

Nur wenige Stunden nach dem Tod des ghanaischen Präsidenten John Atta Mills hat sich das Parlament des Landes am Dienstagabend versammelt, um den Politiker zu würdigen und das neue Staatsoberhaupt zu vereidigen. "Präsident Atta Mills hat sein gesamtes Leben unserer geliebten Nation gewidmet", sagt der sichtlich bewegte Vizepräsident John Dramani Mahama, der das Land bis zur nächsten Wahl vorübergehend regieren wird. "Die größte Anerkennung, die wir ihm im Moment zeigen können, ist die Erhaltung von Einheit und Stabilität unserer Nation."

Westafrikanisches Vorzeigeland

John Atta Mills (Foto: Reuters)

John Atta Mills – verstorben im Alter von 68 Jahren

Ghana gilt weiter als Vorbildland in Westafrika. Die Wirtschaft ist relativ breit aufgestellt, 2011 waren die Wachstumsraten zweistellig. Auch politisch gilt das Land als stabil - mit einer gefestigten Demokratie. Daran wird auch der plötzliche Tod des Präsidenten nichts ändern, meint Daniela Kuzu. Sie leitet das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Hauptstadt Accra und traut dem Übergangspräsidenten und engem Vertrauten des verstorbenen Mills eine solide Führung zu.  “Mills hat aufgrund seiner vielen Reisen Mahama häufig das Feld im Land überlassen. Viele sagen sogar, er war der eigentlich amtierende Präsident“, so Kuzu im DW-Interview.

Konflikte innerhalb der Regierungspartei

Der frühere Präsident Jerry Rawlings (Foto: ddp)

Erst Ziehvater, dann Konkurrent: Jerry Rawlings

Kuzu glaubt, dass Mahama auch bei den für Dezember angesetzten Präsidentschaftswahlen Kandidat der Regierungspartei NDC (National Democratic Congress) wird. Da der Christ aus dem Norden des Landes kommt, wäre das ein starkes Zeichen, denn bisher haben Politiker aus dem Süden traditionell das politische System dominiert. Daher fühlt sich der Norden eher vernachlässigt. Ob Mahama allerdings die Streitigkeiten innerhalb der Regierungspartei klären kann, bleibt abzuwarten. Seit langem gab es einen offenen Konflikt zwischen Mills und der Familie des ehemaligen Präsidenten und Parteigründers Jerry Rawlings. Rawlings hatte Mills einst in hohe politische Ämter geholfen. Beobachter meinen, dass er später von seinem politischen Ziehsohn enttäuscht wurde, da Mills nicht immer seine Ratschläge befolgte. Die beiden kritisierten sich in ghanaischen Medien häufig gegenseitig.

Erdöl: Die große Herausforderung für die politische Elite

Rawlings und Mills (Foto: AFP)

Spannungen in der eigenen Partei: Rawlings und Mills

Martin Wilde, ehemaliger Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ghana, rechnet John Atta Mills vor allem seine Vermittlerrolle zwischen den Parteien hoch an. Diese habe zur Entspannung des innenpolitischen Klimas beigetragen. "Was von vielen kritisiert wird, ist, dass er aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme vielleicht nicht die Durchsetzungsfähigkeit gefunden hat, den Korruptionsvorwürfen energischer nachzugehen, die es natürlich auch gegen viele Inhaber öffentlicher Ämter während seiner Amtszeit gab", so Wilde weiter.

Auf Mahama und den zukünftigen Präsidenten wartet jedoch noch eine ganz andere große Herausforderung: Seit dem vergangenen Jahr wird in Ghana Erdöl gefördert. In den kommenden Jahren wird die politische Führung entscheiden, wohin die Einnahmen aus den Rohstoffen fließen: ins Gemeinwohl - so wie es Botswana mit seinen Diamantengewinnen macht. Oder in die Taschen der Politiker - nach dem Vorbild Nigerias.

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