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Gezinktes

Manche Menschen tragen einen im Gesicht. Gabeln wären ohne sie ziemlich nackt und Berge nur halb so schön – die Zinken. Einige Kartenspieler lieben ganz bestimmte Zinken – ihre Mitspieler dagegen weniger.

In der Politik, im Sport und auch im alltäglichen Leben sind sie an der Tagesordnung: Die Feststellungen und Vorwürfe, nicht mit offenen Karten zu spielen, die Karten offen beziehungsweise nicht offen auf den Tisch gelegt zu haben oder mit verdeckten oder gar gezinkten Karten zu spielen. Im Klartext: jeder wirft dem anderen vor, zu betrügen – und zwar um die Wahrheit.

Kartenspielertricks

Kartenspielertricks gibt es nicht nur in übertragener Bedeutung, sondern auch wirklich. Wir alle kennen die Spielfilme mit den Szenen, in denen finstere Gestalten in Hinterzimmern um große Summen Geld spielen und sich misstrauisch beobachten. Aus gutem Grund, denn irgendwann passiert es.

Jeder hat es geahnt, aber nur einer hat es gewusst. Der Falschspieler selbst. Und jetzt ist er ertappt, weil er unglücklicherweise und zum allerersten Mal verdammt ungeschickt sein As aus dem Ärmel gezogen hat, oder weil er seine gezinkten Karten eben doch zu amateurhaft präpariert hatte.

Das Zinken

Gaunerzinken

Einige Geheimzeichen

Gezinkt. Ein seltsames Wort. Verfolgen wir ein bisschen seine Spur. Es kommt von Zinken. Das Zinken hat mit einer gewissen Wahrschein­lichkeit seinen Wortursprung im lateinischen signum – Zeichen, Merkmal. In unserem Zusammenhang mit den Spielkarten sind es geheime Zeichen oder Merkmale. Das können winzige Kerben, kaum wahrnehmbare Knicke, kleine Kratzer sein, mit denen Karten gekennzeichnet, gezinkt werden.

Gaunerzeichen

In der Sprache des fahrenden Volkes bedeutete zinken eine Nachricht, ein Zeichen geben – das Zeichen selbst ist die Zinke, die Gaunerzinke. Es versteht sich von selbst, dass diese Zinken nur Eingeweihten etwas sagten.

Wurden zum Beispiel vorher verabredete Figuren in Baumstämme geritzt, so konnte auf diese Weise den nachfolgenden Kumpanen eine Nachricht hinterlassen werden. Kreidestriche an einer Hauswand zeigten an, ob die Bewohner etwas gaben, oder ob man besser erst gar nicht fragen sollte. Wenn ein Haus in Brand aufgehen sollte, wurde eine bestimmte Zinke gemalt: ein roter Hahn. Auch heute finden sich noch manchmal an Hauswänden entsprechende Zeichen. So bedeutet etwa ein durchgestrichener Kreis: Hier gibt es nichts. Die Bewohner sind geizig.

Andere Zinken

Berggipfel im Himalaya

Der Himalaya bietet jede Menge Zinken

Überhaupt nichts mit Betrug haben die Zinken anderer Art zu tun. Da gibt es beispielsweise den Zinken in den Kärntener Alpen, den Hohen Zinken im Salzkammergut und den Zinkenkogl im Dachsteingebirge. Die Namen dieser Berge weisen den direkten Weg zu einem anderen Wortursprung des Wortes Zinken.

Und dieser liegt nicht im lateinischen signum, sondern im althochdeutschen zinko: Zacke, Spitze, Stachel, Berggipfel. Auch das sind Bedeutungen von Zinke oder Zinken. Spitz sind die Zinken von Gabeln. Die mit zwei Zinken werden üblicherweise als Fleischgabel bezeichnet, die mit mehreren Zinken sind Teil des Essbestecks. Für den Dreizack der Harpune könnte man durchaus auch Dreizink sagen.

Unschöne Nase

Eine Zeichnung, die Cyrano de Bergerac darstellt, der eine ziemlich lange Nase hat

Ein veritabler Zinken: Cyrano de Bergerac

Weniger schön ist die Bezeichnung Zinken für das menschliche Riechorgan. Denn in der Regel ist der- oder diejenige mit einer ziemlich großen Nase gesegnet. Dem französischen Schriftsteller Cyrano de Bergerac wird eine derartig lange Nase nachgesagt.

Mehrfach verfilmt wurde der Roman des französischen Dramatikers Edmond Rostand über den Schriftsteller, in dem dieser die seelischen Leiden zeigt, die jemand mit einem großen Zinken durchlebt. Säuferzinken sind dagegen selbst verursacht und meist rot. Die Besitzer dieser Nasen sind Menschen, die regelmäßig zu viel Alkohol trinken.

Der Zinker

Die Zinken, die man im süddeutschen Raum findet, sollten möglichst nicht zu viel Alkohol trinken. Wenn eine Frau sich dort nämlich einen jungen Zinken nimmt, heißt das, dass ihre Wahl auf einen besonders kräftigen und ansehnlichen Mann gefallen ist.

So ein Bursche ist keinesfalls mit einem Zinker zu verwechseln. Das ist einer, der Stempel, Dokumente oder auch Spielkarten fälscht. Und damit wären wir wieder bei den gezinkten Karten, mit denen jedermann – selbstverständlich in übertragener Bedeutung – ab und zu spielt. Zumindest wird das von den Gegnern behauptet.


Fragen zum Text

Wenn jemand mit gezinkten Karten spielt, dann …
1. ist jemand ehrlich.
2. betrügt jemand.
3. benutzt jemand andere Menschen.

Nicht sesshafte Menschen verständigen sich auch mit …
1. Geheimzeichen.
2. Flötentönen.
3. Malereien.

Ein Zinken im Gesicht ist …
1. ein besonders großer Mund.
2. ein Muttermal.
3. eine lange Nase.


Arbeitsauftrag

Nicht sesshafte Menschen und Gauner haben eine eigene Zeichensprache entwickelt. Recherchieren Sie, welche Zeichen es gibt und was sie bedeuten. Verfassen Sie anschließend eine Geschichte von jemandem, der durch die Lande zieht und an bestimmten Häusern bestimmte Zinken hinterlässt. Zeichnen Sie diese in den Text ein. Erklären Sie deren Bedeutung in einem eigenen Glossar, das Sie Ihrer Geschichte anfügen.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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