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Wirtschaft

Gewinnfressender Höhenflug

Der Konflikt um den Irak führt bereits seit einiger Zeit zu einer Flucht aus dem Dollar und in den Euro. Wie reagieren deutsche Unternehmen auf den teuren Euro bzw. billigen Dollar?

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Export hilf!

Alles hat seine Vorteile und seine Nachteile. Alles hängt irgendwie mit allem zusammen. Ein teurer Dollar ist schlecht für deutsche Touristen, die ihren Urlaub in den USA verbringen, oder für Rentner, die ihre deutsche Euro-Rente in Florida verzehren. Dagegen erhält der deutsche Exporteur bei der Umrechnung seiner in den USA erzielten Einnahmen eine höhere Euro-Summe.

Viele Unternehmen haben davon in den vergangenen Jahren erheblich profitiert und ihre Bilanzen aufpoliert. Profitiert hat auch die Konjunktur, denn der Export war im vergangenen Jahr das einzige Aggregat, das noch einigermaßen rund lief. Ohne den starken Export wäre die deutsche Wirtschaftsleistung rückläufig gewesen. Ein teurer Dollar erhöht nicht nur die Importe aus dem Dollarraum, sondern vor allem die Ölrechnung, denn Erdöl wird international in Dollar gehandelt.

Positive Seiten der Euro-Aufwertung

Dagegen begünstigt ein schwacher Dollar die deutschen Einfuhren und mildert zudem den Preisdruck im Inland; es wird sozusagen Preisstabilität importiert. Das stärkt die Kaufkraft der privaten Haushalte und fördert den Konsum der Verbraucher. Mehr noch: Ohne die gegenwärtige Dollarschwäche und Eurostärke wäre die deutsche Ölrechnung noch schwerer zu verkraften; schließlich ist der Ölpreis in den letzten Monaten um rund 10 Dollar pro Fass gestiegen. Das ist zum Teil durch die Abwertung des Dollars bzw. Aufwertung des Euro aufgefangen worden. Die Euro-Aufwertung hat also auch positive Seiten.

Dagegen steht allerdings, daß die deutschen Ausfuhren in den Dollar-Raum teurer werden bzw. die Gewinne aus den Exporten schmelzen wie die Butter in der Sonne. Norbert Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, hält einen Preis von 1,40 Dollar für den Euro für möglich. Für Exporteure, die nicht vorgesorgt, sondern sich auf einen dauerhaft starken Dollar verlassen haben, wäre das eine Katastrophe.

Devisen-Ausgleichsstrategie

Doch der kluge Mann baut vor, der kluge Kaufmann allemal, auch der kluge Staatsmann. Die beste gesamtwirtschaftliche Versicherung gegen Währungsschwankungen ist der Euro. 65 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen in den Euro-Raum, sind also von Währungsschwankungen nicht mehr betroffen. Für den Rest des Exports gelten die Zauberworte Kurssicherung und Devisen-Ausgleichsstrategie. Zum Beispiel für die extrem exportabhängige Autoindustrie.

Kurssicherungen sind für die Abrechnung einzelner Exporte ebenso möglich wie für erwartete Einnahmen längerfristiger Zeiträume. Konkret vereinbart ein Unternehmen mit einer Bank, daß sie ihm zu einem späteren Zeitpunkt Deviseneinnahmen zum heutigen Kurs umrechnet. Die dafür fällige Prämie kann je nach erwarteter Kursentwicklung teuer sein, ist aber bei ungünstiger Kursentwicklung billiger als ein saftiger Währungsverlust. Alle großen Unternehmen betreiben für ihre Export- und Importgeschäfte Kurssicherung. Porsche sichert zum Beispiel die Exporte nach Amerika, den wichtigsten Absatzmarkt dieses Unternehmens, über Jahre ab.

Exportorientierter Mittelstand mit Problemen

Andere Großunternehmen haben über die Jahre in Amerika Produktionsstätten aufgebaut, von denen aus sie den Dollar-Raum beliefern. Zum Beispiel die Chemie-Konzerne BASF und Bayer produzieren jeweils 90 Prozent ihrer in den USA verkauften Produkte vor Ort. BMW stellt ein Viertel der in Amerika verkauften Autos auch dort her; auch Mercedes produziert in den USA. Diese Autoproduzenten fertigen zudem in ihren amerikanischen Fabriken Autos für den Weltmarkt und damit auch für ihre deutschen Kunden. Die dadurch mögliche konzerninterne Verrechnung mindert ebenso wie Importe von Zulieferteilen für die Produktion in Deutschland die grenzüberschreitenden Geldströme und das Währungsrisiko.

Das Problem ist, daß solche Strategien nur Großunternehmen möglich sind, während Mittelständler keine internationalen Produktionsverbünde aufbauen und die teuren Kosten von Kurssicherungsgeschäften nicht aufbringen können. Da ist der Erfahrung nach mit einem Kurs von 1,10 Dollar für den Euro der Gewinn dahin. Wird der Euro noch teurer, muss zur Marktsicherung ein Verlust hingenommen oder auf das Geschäft verzichtet werden.